Mythos Rovos Rail: Auf Schienensafari quer durch Afrika

 Behäbig wälzt er sich in seinem breiten Bett. Denn noch ahnt der mächtige Sambesi nichts von seinem Ungemach, das ihm als einem der größten  Flüsse Afrikas unmittelbar bevor steht. Doch schon packt ihn ein jähes Erwachen, als ihn eine schroff  nach unten abfallende Felswand von der Bettkante herab zu ziehen droht.  Noch im Fallen entwickelt er wutschnaubend eine tosend aufsprühende Gischt, die im Umkehrschub als „Donnernder Rauch“ vom Grund der breiten Felsspalte sogleich wieder nach oben geschleudert wird.

Für den schottischen Afrikaforscher  David Livingstone war dies die wohl beeindruckendste Visitenkarte, die ihm je von einem Naturschauspiel präsentiert wurde. Ob er sich wohl beim ersten Anblick schon der Ehre bewusst war, als erster Weißer bei seiner Forschungsreise von Kapstadt nach Luanda die größten Wasserfälle der Erde entdeckt zu haben?

The Pride of Africa

Auf seinen Spuren bewegt sich auch der bereits legendäre Rovos Rail, der sich unter seinem Ehrennamen „The Pride of Africa“ nicht nur in dieser Region höchster Wertschätzung erfreut. Von Kapstadt aus ist er unterwegs durch das südliche Afrika, zunächst vorbei an den Diamantenstadt Kimberley  und der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria, dem Heimatbahnhof des Zuges.

Unmerklich mündet auf halber Strecke in Victoria Falls das Schnaufen der Diesellokomotive ein in die verdiente Verschnaufpause. Denn immerhin muss sie einen Lindwurm von einem halben Kilometer Länge durch eine teils hügelige Landschaft ziehen. Insgesamt 21 im kolonialen Stil  ausgestattete  luxuriöse Waggons,  jeder davon mehr als zwanzig Meter lang.

 

Mächtiger Brückenbogen

Nach einem kurzen Abstecher zum Chobe-Nationalpark in Botswana, rückt nun die zweite Hälfte der Reise in unmittelbare Nähe. Doch lohnt es sich wirklich, nach Verlassen des Bahnhofs von Victoria Falls noch das eigene Abteil aufzusuchen? Denn nur wenige Kilometer entfernt wartet die Sambesi-Brücke, deren mächtige Stahlkonstruktion bereits seit kolonialer Zeit in kühnem Bogen die 120 Meter tiefe Schlucht des Sambesi überspannt.

Sobald sich die Zugtüren  mitten auf der Brücke öffnen, steht der  auf einem nahen Hügel gelegene Aussichtspunkt im Mittelpunkt des Interesses. Denn von dort aus ist es möglich, für ein paar kostbare Minuten die Brücke samt Zug und die dahinter liegende  Steilwand der Fälle in Augenschein zu nehmen.

Afrikanische Savannenlandschaft

Drinnen im Zug greift nach Überqueren der mitten über die Brücke verlaufenden Grenze zwischen Simbabwe und Sambia erneut die bereits lieb gewonnene Gewohnheit um sich. Noch ist es nicht Zeit für das festliche Dinner, das allabendlich in den beiden stilvoll ausgestatteten Speisewagen von flinken Händen serviert wird. Stattdessen empfiehlt es sich zunächst, Position zu beziehen auf der Aussichtsplattform ganz am Ende des Zuges, um von hier aus den Blick über die Schirmakazien und Baobab-Bäume der afrikanischen Savannenlandschaft schweifen zu lassen. Und zum Sonnenuntergang wie selbstverständlich  an der Bar einen Sundowner zu genießen, je nach Bedarf geschüttelt oder gerührt.

Der späte Nachmittag bietet zudem eine vorzügliche Gelegenheit, spannenden Geschichten zu lauschen, die sich um „The Pride of Africa“ ranken. Andreas, Chefreiseleiter von Format, erweist sich dabei als Meister seines Fachs. Seit seiner Komplettdurchquerung Afrikas mit dem Fahrrad hat er die Seele des Kontinents verinnerlicht und kennt sich bestens aus mit dessen Menschen, Tieren und Landschaften.

 Flusspferd im Chobe-Nationalpark Foto: Bernd Kregel

Flusspferd im Chobe-Nationalpark Foto: Bernd Kregel

Verfolgungsjagd einer Löwin

Je mehr sich der Rovos Rail zwischendurch den städtischen Zentren Sambias wie Lusaka oder Kapiri Mposhi nähert, umso mehr Kinder finden Interesse an dem nicht alltäglichen Anblick des Zuges. Aufgeregt rufend und freundlich winkend nehmen sie die Verfolgung auf. Bis die Entfernung zu der Aussichtsplattform am Ende des Zuges immer größer wird, von der aus die ausgelassenen Grüße ebenso herzlich erwidert werden.  Bis mit dem Großen Grabenbruch das Gelände immer unwegsamer wird und viele Steigungen, Brücken und Tunnels die Durchfahrt durch diese grandiose Vulkanlandschaft erschweren.

Doch schon entwickelt sich nach erneutem Grenzübertritt die Vorfreude auf das Selous-Wildreservat in Tansania. Hier scheint ein reicher Wildbestand nur darauf zu warten, von interessierten Besuchern  aufgespürt zu werden. Dramatisch gestaltet sich aus dem Geländefahrzeug heraus die Verfolgungsjagd einer  Löwin auf ein temperamentvolles Gnu, das sich, bevor es schließlich durch scharfe Krallen zur Strecke gebracht wird, geschickt und trickreich mit kräftigen Hufschlägen zu verteidigen weiß.

Deutsche Kolonialzeit

Von nun an ist es nicht mehr weit bis Dar Es Salaam. Hier an der Küste des Indischen Ozeans pulsiert nach zweiwöchiger Abgeschiedenheit nun erneut das urbane Leben. So bereits am modern anmutenden Tazara-Zielbahnhof der tansanischen Metropole bei einem zünftigen musikalischen Empfang des Zuges. Im Unterschied dazu die genießerische Ruhe an einem der belebten schneeweißen Badestrände der Stadt.

Doch unbedingt empfiehlt sich, so die verantwortliche Zugmanagerin Mart, noch ein abschließender Abstecher  nach Bagamoyo, dem einstigen Zentrum des ostafrikanischen Elfenbein- und Sklavenhandels. Zwei florierende Wirtschaftszweige noch  vor der deutschen Kolonialherrschaft, während der die heute nahezu unbekannte kleine Stadt für kurze Zeit in den Status einer Hauptstadt Deutsch-Ostafrikas erhoben wurde. Heute jedoch eher ein Ort für den kurzen Anflug heimatlicher Gefühle, die sich beim Anblick von Schule und Kaserne, von Hospital und Friedhof unweigerlich einstellen.

Erfüllter Lebenstraum

Damit rundet sich das bunte Bild vom südlichen Afrika ab. Von seiner teils bizarren Geschichte, seinen wundervollen Landschaften und seinen freundlichen Menschen. Mischt sich da in den Rückblick auf die erfolgreiche  Reise mit dem „The Pride of Africa“ nicht auch ein wenig der Stolz, sich mit dem „Mythos Rovos“  einen lange gehegten Lebenstraum erfüllt zu haben?

Weitere Informationen: www.lernidee.de

Quelle: https://www.epochtimes.de/lifestyle/unterhaltung/mythos-rovos-rail-auf-schienensafari-quer-durch-afrika-a1931757.html