Wildwuchs der Selfie-Sucht – die Auto-Ikonomanie – und die Folgen

Von 1. März 2017 Aktualisiert: 1. März 2017 13:44
Die egozentrische Verherrlichung des eigenen Ebenbildes kann man auch Auto-Ikonomanie nennen, also man macht sich selbst zur Ikone und das führt zu einer Manie, einer Besessenheit. Kann das gutgehen?

Selfies werden täglich zigtausendfach gemacht und geteilt. Kaum ein Event, keine Reise, keine Begegnungen, bei denen heute kein Selbstporträt, „eine ständig neue Ikone des Egos“ gemacht wird – mit bedenklichen Folgen.

Im November 2013 hatten The Oxford Dictionaries „selfie“ zum internationalen Wort des Jahres erklärt und offiziell ins Wörterbuch übernommen (auch: selfy; Plural: selfies). Der Begriff „Selfie“ wurde zum ersten Mal im Jahr 2002 in einem australischen Online-Portal verwendet.

Schon im Dezember 2012 erklärte das TIME MAGAZINE den Begriff „Selfie“ zu den Top10 Schlagworten des Jahres. Dienste wie Snapchat oder Instagram haben die Verbreitung der Selfies seitdem noch einmal beschleunigt.

Selfies sind keine Urlaubs- oder Erinnerungsfotos, sondern sie sind dazu gedacht, anderen zu zeigen, wo oder mit wem man gerade unterwegs ist – immer verbunden mit der Hoffnung, dafür Likes und Anerkennung zu bekommen. In einem gewissen Rahmen ist das völlig in Ordnung. Nimmt es aber überhand, kommt es zur Sucht, zu einem krankhaften Narzissmus. Die ständige Verherrlichung des eigenen Ebenbildes bezeichne ich als Auto-Ikonomanie.

Das negative Selbstbild

Nicht nur das einzelne Selfie zählt, sondern vor allem die Summe der Selbstporträts – beispielsweise in einem Profil auf Instagram. In Summe ergeben die Bilder einen Gesamteindruck der Selbstdarstellung: Wie ausgeprägt ist dieser Drang? Wie und mit wem lichtet sich die Person ab?

Beim Blick in den Spiegel ist man mit sich (einigermaßen) zufrieden, auf Fotos aber findet man sich regelmäßig schlecht getroffen oder hässlich. Das Phänomen kann es bei Selfies genauso geben. Zwar werden die Bilder dann selten gepostet, die psychologische Wirkung aber bleibt: Die Betroffenen schießen immer wieder Bilder von sich, sehen sich, sind unzufrieden, löschen die Bilder wieder. In Summe aber entsteht ein selektiv wahrgenommenes negatives Selbstbild. Dabei sollte man sich klarmachen: Gerade die Weitwinkel-Kamera des Smartphones verzerrt die Wirklichkeit, ebenso der Aufnahmewinkel (was auch Selfie-Sticks nicht ändern).

Der Teufelskreis der Neidspirale

Laut Studien der Humboldt-Universität und der Technischen Universität Darmstadt reicht heute schon vermehrter Facebook-Konsum, um eine Art Neidspirale auszulösen und immer unzufriedener zu werden. Vor allem wer in sozialen Netzwerken selbst kaum aktiv kommunizierte, sondern eher Informationen konsumierte – also beispielsweise viele Posts und Bilder von Freunden ansah, ist davon betroffen. Paradoxerweise führen diese Neidgefühle dann zu einer noch ausgeprägteren Selbstpräsentation – eine Art Überkompensation, die aber wiederum nur noch mehr Neidgefühle hervorruft – ein klassischer Teufelskreis entsteht, der auch noch die Beziehungen nachhaltig belastet.

Die Menschen werden täglich von Tausenden von Bild-Impulsen bombardiert, hinzu kommen die immer schneller werdenden Bildsequenzen in Film und Fernsehen. Ein Kriegsschauplatz eines Bilder-Hagel-gewitters, wo die Schönheit dieser Welt immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird.

 

 

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