Bilderberg: Der alte Westen der Nachkriegszeit erklärt sich die Welt

Von 29. Mai 2019 Aktualisiert: 29. Mai 2019 17:47
Wie jedes Jahr seit 1954 treffen sich auch diesmal einflussreiche Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Medien zur Bilderberg-Konferenz. Die Geheimniskrämerei über die dort besprochenen Inhalte inspiriert seit Jahr und Tag Verschwörungstheorien. Die Frage ist aber eher, ob das Format nicht überholt ist.

Am Donnerstag (30.5.) beginnt die bis Sonntag andauernde diesjährige Bilderberg-Konferenz, die diesmal im schweizerischen Montreux stattfinden soll. In diesem Jahr sollen etwa 130 geladene Gäste aus 23 Ländern an der Veranstaltung teilnehmen, die erstmals 1954 auf Einladung von Prinz Bernhard zu Lippe-Biesterfeld im niederländischen Hotel Bilderberg in Oosterbeek stattfand. Von daher leitet sich auch der Name der Konferenz ab.

Jahr für Jahr kommen seither führende Politiker, Unternehmer, Investoren, Akademiker und einflussreiche Medienmanager zusammen, um Debatten über Fragen der Gegenwart zu führen sowie Erfahrungen und Einschätzungen auszutauschen. Anders als andere bekannte informelle Zusammenkünfte dieser Art, etwa das Forum Alpbach, das Weltwirtschaftsforum in Davos oder die Münchner Sicherheitskonferenz, finden diese Gespräche jedoch streng abgeschirmt und unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Diese Praxis hat eine Reihe von Spekulationen genährt. Im Kern laufen sie darauf hinaus, dass eine Art Schatten-Weltregierung bekannte und einflussreiche Persönlichkeiten der westlichen Welt sowie potenzielle Hoffnungsträger gleichsam zu einer „Befehlsausgabe“ lade und sie in ihrem Sinne „einnorde“.

„Weltgesellschaft wäre schon eine gute Sache“

Aussagen wie jene des langjährigen Board-Mitglieds der Bilderberger, Labour-Parlamentarier Denis Healey, unterstreichen, dass der „Multilateralismus“ ein bedeutendes Element der Vereinigung sei. Dieser hatte 2001 gegenüber dem Autor des Buches „Them“ von Jon Ronson erklärt:

Zu sagen, wir würden nach einer One-World-Regierung streben, ist übertrieben, aber nicht komplett unfair. Wir in Bilderberg merkten, wir könnten nicht ewig darin verharren, uns gegenseitig für nichts zu bekämpfen, Menschen töten und Millionen ohne Dach über dem Kopf belassen. Deshalb dachten wir schon, eine Art Weltgesellschaft wäre eine gute Sache.“

Die Organisatoren der Konferenz begründen ihre Geheimniskrämerei über den Inhalt der Veranstaltung vor allem damit, dass diese den Teilnehmern garantiere, dass alles, was im Rahmen der Konferenz an Gedanken geäußert und diskutiert werde, nicht nach außen getragen werde. Ein „Ibiza-Video“, das Bilderberg-Gäste beim lauten Nachdenken über weltpolitische Entscheidungen zeigen würde, ist bis dato auch tatsächlich nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Dies solle die Freiheit eines Austausches zwischen Persönlichkeiten ermöglichen, die außerhalb der Konferenz nur unter stetiger Medienpräsenz und nach starrem Protokoll miteinander sprechen könnten.

Sehr inhomogenes Teilnehmerprofil

Die Kosten der Teilnahme würden ausschließlich privat bestritten, sichern die Veranstalter außerdem zu – und als Zeichen der Transparenz sei man dazu übergegangen, nunmehr jährlich die Teilnehmerliste und die Liste der Themen zu veröffentlichen, über die auf der Konferenz gesprochen werden soll.

Das Teilnehmerfeld ist auch in diesem Jahr wieder vielfältig: Neben alten Haudegen und regelmäßigen Besuchern wie Ex-US-Außenminister Henry Kissinger, Ex-ORF-Chef Gerhard Zeiler, dem Schweizer Finanzminister Ueli Maurer oder dem früheren österreichischen Unterrichtsminister Rudolf Scholten finden sich diesmal miteinander wenig kompatible Persönlichkeiten wie einerseits die linkslastige gescheiterte Gouverneurskandidatin Stacey Abrams und andererseits der libertäre Investor Peter Thiel.

Neben der deutschen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, der nach mehreren Skandalen keine allzu rosige politische Zukunft mehr in Deutschland vorausgesagt wird, ist in diesem Jahr auch CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sowie Jared Kushner eingeladen, der Schwiegersohn und außenpolitische Berater von US-Präsident Donald Trump.

Bilderberg-Konferenz sollte ursprünglich transatlantischen Zusammenhalt festigen

Auch US-Außenminister Mike Pompeo soll zu einem Kurzbesuch eintreffen. Er soll mit Ueli Maurer über die Iran-Krise reden. Zwischen den USA und dem Iran gibt es keine diplomatischen Beziehungen, deshalb nimmt die Schweiz US-amerikanische diplomatische Interessen im Mullah-Staat wahr.

Die Gründer der Bilderberg-Konferenz – der polnische Exilpolitiker Jozef Retinger, Belgiens Ex-Premier Paul van Zeeland und der frühere Chef des Unilever-Konzerns, Paul Rijkens – riefen die Konferenz als transatlantisches Forum ins Leben. Dies geschah unter dem Eindruck eines nach wie vor stark verbreiteten antiamerikanischen Ressentiments im Nachkriegseuropa, und das in einer Zeit eines parallelen Wirtschaftsaufschwungs in den USA selbst und in Europa, das vom Marshall-Plan profitierte.

Die immer stärker gefestigte Macht des Kommunismus in Osteuropa und die Erwartung, dass die Sowjets versuchen würden, antiamerikanische Gefühle in Westeuropa für ihre Zwecke auszunutzen, sollte nach dem Willen der Organisatoren einflussreiche Persönlichkeiten von dies- und jenseits des Atlantiks zusammenbringen – über weltanschauliche Grenzen hinweg.

Inwieweit ein Format wie das von Bilderberg heute, 25 Jahre nach Ende des Kalten Krieges und unter dem Eindruck mächtiger neuer Player und Bedrohungen auf internationaler Ebene, noch eine Berechtigung hat, ist strittig. Kritiker weisen unter anderem darauf hin, dass nach wie vor fast ausschließlich Persönlichkeiten aus Westeuropa und den USA teilnehmen. Osteuropäer und erst recht Teilnehmer aus Afrika, Asien oder Lateinamerika spielen demgegenüber eine geringe Rolle – der alte Westen der Nachkriegsjahre bleibt weitgehend unter sich und diskutiert mit sich selbst.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.
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