Bollwerk gegen Ansturm der Rechtspopulisten? CDU setzt im EU-Wahlkampf auf Christoph Metzelder

Von 26. April 2019 Aktualisiert: 26. April 2019 18:17
Mit der im Vorjahr gegründeten Werbeagentur des ehemaligen Fußballprofis Christoph Metzelder hat die CDU einen neuen Partner gefunden, der auch die Kampagne zur Europawahl entworfen hat. Dabei setzt der ehemalige DFB-Verteidiger auf Altbewährtes.

Christoph Metzelder hat einen neuen Vertrag unterzeichnet. Allerdings steht er diesmal nicht auf dem Platz und auch nicht an der Seitenlinie, er kommentiert nicht einmal ein Spitzenspiel – vielmehr ist es die Werbeagentur Brinkert Metzelder, die für die „Europäische Volkspartei“ (EVP) die Kampagne zur Europawahl gestaltet.

Das Engagement kommt nicht von ungefähr. Der 47-fache Internationale für die DFB-Elf hat 2006 nämlich nicht nur sechs Spiele bei der „Sommermärchen“-WM im eigenen Land bestritten, sondern im gleichen Jahr auch seinen Beitritt zur CDU erklärt. Erst im Vorjahr gegründet, hat die Agentur Brinkert Metzelder, deren Schwerpunkte „Social Campaining und Sustainable Marketing“ seien, die Partei bei den Regionalkonferenzen und dem nationalen Parteitag unterstützt, wie das Branchenblatt „Horizont berichtet.

„Deutschland und Europa gehören zusammen“

Das Motto der Kampagne lautet: „Für Deutschlands Zukunft. Unser Europa“. Die schwarz-rot-goldene Fahne kommt zwar auf den Plakaten vor, aber ist gekoppelt an die Farben der EU. Die Botschaft stützt sich im Wesentlichen auf jenen Narrativ, der im bürgerlichen Spektrum in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmend geworden ist: Deutsche Interessen und europäische Interessen gehen Hand in Hand, deutscher Patriotismus muss immer auch das Bekenntnis zur europäischen Einigung umfassen – und es ist de facto nicht denkbar, dass es deutsche Interessen geben könnte, die europäischen zuwiderliefen.

Vonseiten der Vertragsparteien heißt es übereinstimmend:

Für uns ist klar: Europa und Deutschland gehören zusammen – wir dürfen das eine nicht gegen das andere ausspielen. Ein stabiles Deutschland liegt im Interesse der Europäischen Union. Und ein starkes und handlungsfähiges Europa liegt im Interesse unseres Landes.“

Die tragenden Themen der Kampagne seien Wohlstand, Sicherheit und Frieden. Für das Sicherheitsmotiv steht eine Bundeswehrsoldatin, die an ihrem Dienstcomputer offenbar gerade damit beschäftigt ist, den Angriff eines Hackers abzuwehren, der auf der linken Hälfte des Plakats im Kapuzenpulli und nur von hinten zu sehen ist. Der „russische Hacker“, der im Laufe der letzten Legislaturperiode zum Schreckgespenst wurde, kehrt auf diesem Wege ins Bewusstsein zurück.

Europa als Friedensstifter

Das Friedens-Sujet greift auf einen Klassiker der bürgerlichen Europa-Apologie in Deutschland zurück. „Unser Europa steht für Frieden“, heißt es dort, links im Bild eine Schwarz-Weiß-Aufnahme des zerstörten Reichstages von 1945, rechts ein Pärchen, das auf der Grünfläche davor entspannt einen sonnigen Tag genießt.

Dass es nach dem Zweiten Weltkrieg keine Kriege mehr zwischen Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft und späteren Europäischen Union gegeben habe, so die Botschaft, liegt an der besseren Einsicht der Europäer, am Verzicht der Nationalstaaten auf Souveränität zu Gunsten eines Vereinten Europas und an den „europäischen Werten“. Dass der Kalte Krieg und die Präsenz US-amerikanischer Truppen auf dem europäischen Kontinent bezüglich der Verhinderung militärischer Abenteuer europäischer Staaten eine Rolle gespielt haben könnten, bleibt bei dieser Gelegenheit unerwähnt.

„Europa“ gilt außerdem noch der Dank für den Wohlstand, weil es „Wachstum, gute Jobs und soziale Sicherheit“ biete – was Kritiker zu dem Hinweis veranlassen könnte, dass Eurorettung, Russlandsanktionen, energiepolitische Planwirtschaft oder die zahlreichen engmaschigen Öko- und Klimaschutzvorgaben für Wirtschaftstreibende nicht unbedingt die überzeugendsten Beweise für diese These darstellen.

Merkel und Kramp-Karrenbauer werden versteckt

Weder Angela Merkel noch ihre Nachfolgerin an der Parteispitze, Annegret Kramp-Karrenbauer, sind auf den Plakaten abgebildet. Lediglich der EVP-Spitzenkandidat für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten, Manfred Weber, ist auf einzelnen Plakaten abgebildet. Regional scheint dies Beobachtern zufolge in unterschiedlicher Intensität der Fall zu sein: In Bayern scheint die CSU ungleich weniger Hemmungen zu haben, Weber als Person ins Spiel zu bringen, als in den ostdeutschen Ländern.

Bei westdeutschen Traditionswählern der CDU dürfte die Kampagne durchaus auf fruchtbaren Boden fallen. Ältere Generationen hatten miterlebt, wie in der Adenauer-Ära wirtschaftlicher Wohlstand und die Versöhnung mit ehemaligen Kriegsgegnern, für die der deutsche Altkanzler und sein französischer Mitstreiter Robert Schuman standen, parallel stattfanden.

Als die Euphorie verflogen war und die europäischen Institutionen zunehmend selbst als machtgierig, zentralistisch und ideologisch wahrgenommen wurden, hielt die Union stets daran fest, dass eine allzu scharfe EU-Kritik einen Verrat an den Idealen der Architekten dieser Aussöhnung darstellen würde.

Dass Altkanzler Helmut Kohl es geschafft hatte, mit US-amerikanischer Unterstützung und dem Bekenntnis zu einem „Vereinten Deutschland in einem Vereinten Europa“ Vorbehalte der Engländer und Franzosen gegen eine deutsche Wiedervereinigung auszumanövrieren, hat im Wählersegment der Union den Glauben an die europäische Idee noch für weitere Jahrzehnte gefestigt – ehe die Rettungspolitik während der Griechenlandkrise diesen erstmals auf breiter Ebene zu erschüttern vermochte.

„CDU ist Partei der Massenzuwanderung“

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„Frech, dreist und unverschämt“ findet entsprechend Alexander Wallasch auf „Tichys Einblick“ den Wahlkampf der CDU. Er wirft der Union vor, unter Bundeskanzlerin Angela Merkel gerade das aufgegeben zu haben, womit die Partei jetzt wirbt. Insbesondere die Zuwanderungspolitik und die Rolle der Kanzlerin bei der Grenzsicherung habe die Sicherheit Europas nachhaltig aufs Spiel gesetzt, schreibt der Kommentator. Die CDU sei die „Partei der Massenzuwanderung“. Wallasch schreibt:

Verkauft werden als Retterin Deutschlands und Europas soll eine Partei, deren Kanzlerin mit ihrer Zuwanderungspolitik Großbritannien aus der EU getrieben hat, beworben werden soll eine Regierungspartei, welche die deutsche und europäische Autoindustrie einer fragwürdigen Klimapolitik geopfert hat, eine Regierung, die mit hunderten von Millionen Euro private Organisationen querfinanziert, diese Regierungspolitik zu unterstützen.“

Der sächsische AfD-Spitzenkandidat zur Europawahl, Maximilian Krah, erklärt in einem Video zum Wahlkampf der CDU, die Zeiten, in denen die Partei für konservative Wähler das geringste Übel gewesen wäre, seien vorbei. Gerade in Bereichen wie der Migrations- oder der Energiepolitik hätten sich Unionsregierung Schritte erlaubt, die sich keine linke Regierung hätte leisten können. Wenn Manfred Weber nun auch noch die fast fertige Pipeline „Nord Stream 2“ infrage stelle, mache er nach Atom- und Kohleausstieg eine weitere Chance zunichte, das Land mit einigermaßen bezahlbarer Energie zu versorgen.

„Die CSU ist nicht die verhinderte konservative Partei, die nur etwas wenig Glück dabei hat, die linken Zumutungen zu bekämpfen“, erklärt Krah. „Die CSU ist Manfred Weber.“

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.