China militärisch stärker als USA – Stoltenberg warnt: Aufstieg Chinas hat Einfluss auf Europas Sicherheit

Von 5. September 2019 Aktualisiert: 6. September 2019 15:13
China hat in den letzten Jahren militärisch stark aufgerüstet. Was ist das Ziel? Was wollen sie durch ihre Präsenz im Südchinesischen Meer wirklich erreichen? Eine Analyse.

„China ist mittlerweile militärisch so stark, dass Peking die Amerikaner und ihre dortigen Verbündeten wie Australien oder Südkorea im indopazifischen Raum in kurzer Zeit überrollen könnte.“ So das Fazit einer neuen Studie des United States Studies Centre an der australischen Universität in Sydney.

Dies kann sich laut „Welt“ auch auf die Nato auswirken, die den Amerikanern in Asien militärisch beistehen müssten. „Die Chinesen werden immer imperialistischer“, kommentierte ein EU-Spitzendiplomat am Montag die neuen Entwicklungen.

Nachdem die Nato das Thema China ein wenig verschlafen hatte, arbeiten Militärexperten nun mit Hochdruck daran, eine strategische Antwort auf die neuen militärischen und wirtschaftlichen Herausforderungen zu finden. Bei einem Besuch in Australien vor drei Wochen sagte Nato-Chef Jens Stoltenberg:

Was wir sehen ist, dass der Aufstieg Chinas Einfluss auf unsere Sicherheit hat – teilweise auch, weil China immer näherkommt. Wir sehen sie in der Arktis, in Afrika, und wir sehen, dass sie stark in kritische Infrastruktur investieren, auch in Europa.“

Sehr aggressive Politik Chinas im pazifischen Raum

China investiert immer mehr Geld in die militärische Aufrüstung. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums verfügt die Volksrepublik über mehr als 2000 Kurz-, Mittel- und Langstreckenraketen. Besonders effektiv ist laut Studie die DF-21 D, ein neu entwickelter Seezielflugkörper mit großer Reichweite.

„China verfolgt im pazifischen Raum eine sehr aggressive Politik“, sagt der Sicherheitsexperte Jan Techau vom German Marshall Fund (GMF) in Berlin. Nach der Wiedereingliederung von Macau und Hongkong wolle Peking nun mit allen Mitteln „die Annexion“ Taiwans erreichen.

Dies Ziel scheint durch die chinesische Expansionspolitik in greifbarer Nähe. Denn „das wachsende Arsenal an sehr präzisen Langstreckenraketen bedeutet ein großes Risiko für fast alle Stützpunkte, Landebahnen, Häfen und andere militärischen Einrichtungen der Amerikaner und deren Verbündeten im Westpazifik.“

Diese „könnten durch präzise chinesische Raketenangriffe in den ersten Stunden eines Konflikts unbrauchbar gemacht werden“, schreiben die australischen Experten. Die Folge: „China kann begrenzte Mittel einsetzen, um einen ‚Fait-accompli‘-Sieg [„Vollendete Tatsachen“] zu erreichen, bevor die Amerikaner antworten können.“

China will die regionale Ordnungsmacht im indopazifischen Raum werden und die USA damit ablösen. Darüber hinaus hat China aber auch die Ambition einer globalen Machtprojektion. Das heißt: China will über den regionalen Hinterhof hinaus eine Macht in der Welt sein. Beides kollidiert mit den Interessen der USA“, so Sicherheitsexperte Techau.

Hat die USA eine passende Antwort?

Die Autoren der Studie bezweifeln, dass die USA auf lange Sicht die richtigen Antworten auf die chinesische Aggression hätten. Es fehlen moderne Waffensysteme, ausreichendes Training und die „nötige Einsatzbereitschaft“.

Man kann es ganz einfach sagen: Während das Umfeld über dem Boden immer tödlicher wird, weil die Chinesen Cruise Missiles (Marschflugkörper), Hyperschallwaffen und Luftabwehrsysteme einsetzen, wird Amerikas andauernde Stärke im Unterwasserkrieg immer wichtiger, um die regionale Machtbalance zu halten“, heißt es in der Studie.

Die Amerikaner haben ihre U-Boot-Flotte verkleinert, während aus strategischer Sicht im indopazifischen Raum mehr U-Boote erforderlich wären.

Experten der National Defense Strategy Commission gelangen zu dem Ergebnis, dass bei einer militärischen Auseinandersetzung „das US-Militär inakzeptabel hohe Verluste erleiden könnte“ und „einen Krieg gegen China oder Russland nur mit Mühe gewinnen oder vielleicht verlieren dürfte“.

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Stoltenberg: China investierte in Waffen, die nach dem INF-Vertrag verboten wären

Chinas Antwort auf die Studie aus Sydney folgte prompt, man betont die „Frieden bringende Absicht“. Man sei auf „dem Pfad einer friedlichen Entwicklung“, so der Sprecher des Außenministeriums, Geng Shuang. „Unsere nationale Verteidigungspolitik ist von Natur aus defensiv.“

Nato-Chef Stoltenberg sieht dies anders:

Ich denke, China hat stark investiert in neue militärische Fähigkeiten, wozu auch neue nukleare Fähigkeiten gehören, also Nuklearwaffen. So hat China zum Beispiel viele Mittelstreckenwaffen entwickelt und eingesetzt – also solche Waffen, die vom INF-Vertrag verboten worden wären, falls sie Teil des Vertrags gewesen wären.“

Dies könnte ein Grund dafür sein, weshalb US-Präsident Donald Trump den INF-Vertrag (mit Russland) in diesem Jahr gekündigt hat. Jetzt erhalten die USA wieder mehr Spielraum, der militärischen Bedrohung aus China entgegenzutreten und nachzurüsten.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.