Die Fehleinschätzung Chinas durch den Westen

Von 18. März 2019 Aktualisiert: 18. März 2019 18:34
Worin besteht das Versagen Nr. 1 der westlichen Außenpolitik? Bis vor einigen Jahren hätten viele gesagt: den Aufstieg von Hitlers Drittem Reich in Deutschland in den 1930er Jahren nicht gestoppt zu haben. Aktuell, so der US-amerikanische Buchautor Gordon Chang ("The Coming Collapse of China"), gibt es einen neuen Kandidaten für den Spitzenplatz: die Unfähigkeit des Westens, mit dem Verhalten des kommunistischen China umzugehen.

„Es ist jetzt an der Zeit, dass wir im Westen die Irrtümer erkennen und die Selbsttäuschung beenden“, sagte Buchautor Gordon Chang  in einem Vortrag an der Brock University im Süden des kanadischen Ontario.

Jahrzehnte verfehlter China-Politik

Die Problematik gehe auf Jahrzehnte falscher China-Politik zurück, aber ein aktuelleres Beispiel ist, wie Washington mit Chinas Aggression nach dem Scarborough Shoal Dilemma 2012 zwischen China und den Philippinen im Südchinesischen Meer umgegangen ist, sagte Chang.

Nach einem von den USA ausgehandelten Deal zogen die Philippinen ihre Flotte aus dem Gebiet zurück, bis eine Einigung über das Eigentum an dem umstrittenen Gebiet erzielt werden könnte. Peking zog jedoch seine Streitkräfte nicht zurück.

„Um Konflikte zu vermeiden, beschlossen hohe Beamte des Weißen Hauses, die Vereinbarung, die sie vermittelt hatten, nicht durchzusetzen“, sagte Chang. „Aber was wir getan haben, indem wir nichts getan haben, war, den Chinesen zu demonstrieren, dass sie alles tun können, was sie wollen.“

Das Ergebnis war, dass China seine militärische Präsenz in anderen umstrittenen Gebieten der Region weiter erhöhte.

„Die Chinesen waren Gauner, aber das liegt daran, dass der Westen und insbesondere die Vereinigten Staaten den Chinesen erlaubt haben, zu Gaunern zu werden. Wir haben jede Lektion darüber vergessen, wie man mit Hardliner-Systemen umgeht“, sagte Chang.

Zu den Faktoren, die den Westen auf den falschen Kurs gegenüber China gebracht haben, gehört, dass der Westen die Natur des kommunistischen Sowjetsystems nicht wirklich verstanden hat, weil er dachte, dass die Sowjetunion ein Staat wie jeder andere wäre, so Chang.

„Anstatt die imperiale, kriegerische Natur des Kommunismus anzuerkennen, dachten wir einfach, naja, okay, China ist nur ein weiteres Land.“

Dieser falsche Ansatz zeigte sich in dem, was Winston Lord, Stellvertreter von Henry Kissinger, dem ehemaligen nationalen Sicherheitsberater der USA, der über die Annäherung an China verhandelt hat, einmal sagte. Er sagte, dass die amerikanische Politik gegenüber China auf „notwendigen Mythen“ basieren müsse.

Aber die Politik, die sich auf Mythen stützte, hatte ihre Folgen. Unter anderem, dass das chinesische Regime aufgrund engerer Beziehungen zum Westen nie in Richtung Demokratie ging, wie viele gehofft hatten, sagte Chang.

„Die westliche Politik gegenüber China unterschätzte grundlegend die Feindseligkeit, den Kampf, die Unerbittlichkeit, den Willen zur Macht der Kommunistischen Partei Chinas“, sagte Chang.

Chang verwies auf die jüngsten Kommentare des chinesischen Generalkonsuls in Calgary zur Verhaftung von Huawei-Finanzvorstand Meng Wanzhou durch Kanada auf Ersuchen der Vereinigten Staaten. „Leider scheinen einige Nationen nicht bereit zu sein, China eine Chance zu geben“, sagte Lu Xu im Februar.

In Wirklichkeit, sagte Chang, hatte China viele Chancen, „und es hat die Geduld vieler erschöpft“.

Das „Zeitfenster der Chancen“ schließt sich für Peking

Chinas jüngste ehrgeizigen Ziele haben sich verschärft, da die chinesischen Führer „ein sich schließendes Fenster der Möglichkeiten“ sehen, das Chang auf vier Faktoren zurückführt: Umweltzerstörung, gesellschaftliche Unruhen und Unzufriedenheit, demographischer Rückgang und wirtschaftliches Scheitern.

Neben der Verschärfung der Umweltverschmutzung steht China vor dem Problem der Wasserknappheit, die zu vielen Problemen führt. Mittlerweile wird dadurch auch die wirtschaftliche Entwicklung behindert.

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Das chinesische Regime versteht auch, dass es die „Herzen und den Verstand“ der chinesischen Bürger verloren hat, wie Proteste im ganzen Land quer durch verschiedene gesellschaftliche Gruppen zeigen. Dazu gehören Investoren, Armeeveteranen, geschädigte Hausbesitzer und Eltern von Kindern, die mit abgelaufenen Impfstoffen geimpft wurden.

„Das deutet auf eine grundlegende Unzufriedenheit in der Gesellschaft hin und der Kommunismus hat keine Antwort“ – Buchautor Gordon Chang

Chinas demographische Krise sei schwerwiegend, fügte Chang hinzu. Der Wechsel von der Ein-Kind-Politik zur Zwei-Kind- Politik hat nicht den von den Behörden erhofften Babyboom ausgelöst.

„Die Auswirkungen einer schweren demographischen Krise, wie sie China hat, sind erst mit der Zeit spürbar“, so Chang. Das trägt auch zum vierten Faktor bei, dem wirtschaftlichen Niedergang.
„Selbst wenn man den Zahlen Chinas glaubt, steigen Chinas Schulden eineinhalb Mal schneller als die Wirtschaftsleistung“, sagt Chang.

Wenn die Welt also beobachtet, dass China in letzter Zeit besonders feindselig und provozierend agiert, dann “ weil sie das Gefühl haben, dass ihnen die Zeit davonläuft „.

Es sei jetzt an der Zeit, dass der Westen seine Haltung gegenüber China ändere, stellte er fest.

„Wir haben darauf gewettet, dass wir mit einem kommunistischen Superstaat zusammenarbeiten, ihn reformieren, uns mit ihm anfreunden können, und wir lagen falsch. Und weil wir uns geirrt haben, müssen wir jetzt unsere Politik anpassen.“


Das Original erschien in The Epoch Times (USA) (deutsche Bearbeitung von al)
Originalartikel: How the West Got China Wrong

 

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.