Die Zerstörung der Aufklärung – Yoram Hazony räumt mit Mythen um den Vernunftkult auf

Von 31. Dezember 2019 Aktualisiert: 31. Dezember 2019 12:50
In einem Video für den Think Tank PragerU widerspricht der Buchautor und Präsident des Herzl-Instituts, Yoram Hazony, der Auffassung, die Menschheit verdanke ihre Errungenschaften vor allem dem Denken der Aufklärung. Diese Auffassung sei falsch und gefährlich.

Wie durch ein Wunder ist vor etwa 250 Jahren ein Zeitalter hereingebrochen, das die Welt aus der Dunkelheit eines rückständigen Mittelalters holte und ihr Wissenschaft, medizinischen Fortschritt, bürgerliche Rechte und freien Handel schenkte?

Auch in Deutschland wird bereits Schulkindern vermittelt, dass alles gute Leben, das wir heute führen dürfen, dem Umstand zu verdanken sei, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt der Geschichte, dem Zeitalter der Aufklärung, Philosophen sich ein Herz fassten, Tradition und religiöse Dogmen zurückwiesen und an deren Stelle das Primat der menschlichen Vernunft setzten. Harvard-Professor Steven Pinker erklärt: „Der Fortschritt ist ein Geschenk der Ideale der Aufklärung.“

Zentrale Werte freiheitlicher Gemeinwesen deutlich älter

Nicht gänzlich überzeugt von diesem Narrativ zeigt sich unterdessen Yoram Hazony, Philosoph, Bibelwissenschaftler, Direktor des Herzl-Instituts in Jerusalem und Autor des 2018 erschienenen Buches „The Virtue of Nationalism“ (Die Tugend des Nationalismus).

In einem fünfminütigen Video für die 2009 in Los Angeles gegründete, konservative „Prager University“ (PragerU) erklärt er, warum er die in der westlichen Welt vorherrschende Ehrfurcht vor der Aufklärung für unberechtigt hält. Im Kern vertritt er die Ansicht, dass diese vorwiegend auf Mythenbildung beruhe, diese jedoch einem Realitätscheck nicht standhalte.

So stellt Hazony beispielsweise die Auffassung infrage, die US-amerikanische Verfassung wäre ein Kind der Aufklärung. Bereits Alexander Hamilton und James Madison hätten sich, als sie diese verfassten, weniger von zeitgenössischen Philosophen inspirieren lassen als vom englischen Common Law, dessen Ursprung ins Jahr 1066 zurückreicht.

Spätestens im 15. Jahrhundert bildeten sich darin – gestützt auf die Arbeiten des Juristen John Fortescue – gefestigte Systeme von „Checks and Balances“, rechtsstaatlichem Verfahren und Eigentumsschutz heraus, die individuelle Rechte gewährleisteten und so den Wohlstand förderten. Ähnliches gilt für die Bill of Rights, die ebenfalls das Common Law zum Vorbild hatte.

Auch dass die Wissenschaft erst im Zeitalter der Aufklärung einen Durchbruch erlebte, sei unzutreffend. Vielmehr wären es traditionsverhaftete Monarchen wie Heinrich VIII. gewesen, die mit immensen Mitteln Einrichtungen wie das 1518 gegründete „Royal College for Physicians“ oder die 1660 gegründete „Royal Society of London“ unterstützt hätten.

In Kontinentaleuropa reicht die Geschichte der ersten Universitäten sogar noch weiter zurück. Die freien Städte und die Hanse erzwangen ebenfalls bereits im Mittelalter eine Einschränkung der Macht von Monarchen und Fürsten. Zudem traten dort erstmals Frauen als Unternehmerinnen auf und es gab die ersten Vorbilder für heutige Freihandelsvereinbarungen.

Kant und Rousseau als Wegbereiter für Hitler und Stalin?

Vor allem in Großbritannien und den Niederlanden, meint Hazony, seien freiheitliche Gedanken zu Staat, Wirtschaft und Gesellschaft bereits Jahrhunderte vor dem Beginn der Auswanderung von Europäern in die USA formuliert und diskutiert worden.

Dass progressive Kräfte dennoch der Aufklärung das gesamte Verdienst bezüglich jener Errungenschaften zuschrieben, die freiheitliche Gemeinwesen der Moderne auszeichneten, habe damit zu tun, dass diese nicht zugeben wollten, dass tatsächlich Personen diese ersonnen hätten, die konservative und religiöse Überzeugungen hochhielten.

Der Kult um die Aufklärung, so Hazony, kreise vor allem um die Verehrung des deutschen Philosophen Immanuel Kant. Tatsächlich hätte dieser jedoch mehr Schaden als Nutzen gestiftet – vor allem für freiheitliche Ideale. Dies habe vor allem an dessen Ansicht gelegen, die menschliche Vernunft sei „universell, unfehlbar und von Erfahrungen unabhängig“.

Aus diesem Grund sei diese „außerordentlich dogmatische Philosophie“ zu der Einschätzung gelangt, es gäbe für alle Fragen der Wissenschaft, Moral und Politik nur eine richtige Antwort – und dass sich die Menschheit, um diese zu finden, von allem Ketten der Vergangenheit lösen müsse, also auch Geschichte, Tradition und Erfahrung.

Dieser Ansatz der Aufklärung sei jedoch nicht nur falsch, sondern auch gefährlich. Losgelöst von Geschichte, Tradition und Erfahrung produziere die menschliche Vernunft alle erdenklichen verrückten Vorstellungen.

Dies beginne mit der abstrakten Philosophie Jean-Jacques Rousseau, dessen Ideen wegweisend für die blutige Zerstörung des Staates durch die Französische Revolution und den ebenso blutigen Versuch des europaweiten „Nation Buildings“ durch Napoleon gewesen wären.

Adam Smith und Edmund Burke waren explizite Skeptiker universeller Vernunft

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Auch Karl Marx und Adolf Hitler hätten sich als Künder einer „universellen Vernunft“ und Vollstrecker damit erfassbarer Gesetzmäßigkeiten der Geschichte betrachtet – in dem einen Fall seien es ökonomische, im anderen Rassentheorien gewesen, die als vermeintliche „wissenschaftliche Erkenntnisse“ auftraten und eine Politik rechtfertigen halfen, die Dutzende Millionen Menschen das Leben kostete. Hazonys Schlussfolgerung:

„Die größten Katastrophen der Moderne wurden von Individuen herbeigeführt, die von sich behaupteten, der Vernunft zur Durchsetzung zu verhelfen. Demgegenüber verdanken wir den meisten realen Fortschritt konservativen Traditionen, die der menschlichen Vernunft explizit skeptisch gegenüberstanden.“

Hazony nennt beispielsweise John Seldon, David Hume, Adam Smith oder Edmund Burke, die alle explizit die Unverlässlichkeit rein vernunftgeleiteter menschlicher Erwägungen betont hätten und auf die Ehrfurcht vor Gebräuchen, Traditionen und Erfahrungen pochten.

Die unkritische Verehrung der Aufklärung sei, so Hazony, auch heute noch die Wurzel destruktiver und gefährlicher Entwicklungen, weil deren Epigonen nicht offen für die Ideen der Skeptiker und für die Lehren von Erfahrungen und Geschichte seien.

Sie würden nach wie vor an ihren eigenen Systemen arbeiten zur Entwicklung und Durchsetzung vermeintlich unverrückbarer Wahrheiten – die unabhängig von Erfahrungen existierten. Dabei seien sie „so rigide wie die dogmatischsten Persönlichkeiten des Mittelalters“.

Common Sense = Tradition + moderater Skeptizismus

Der auf Kant rekurrierende Ansatz sei eine Antithese zum „Common Sense“, der beispielsweise im anglo-schottischen Konservatismus nationale und religiöse Traditionen mit etwas vereinige, was Hazony als „moderaten Skeptizismus“ bezeichnet.

Die europäischen Eliten und liberale Kreise in den USA hingegen seien bereit, jedwede neuartige Ideologie – vom Sozialismus über den Feminismus bis hin zum Ökologismus – als vermeintlichen Ausdruck „universaler Gewissheiten“ anzunehmen und zur Grundlage ihres politischen Handelns zu machen.

Wer an seinen alten Traditionen und Überzeugungen festhalte und diesen „Gewissheiten“ skeptisch gegenüberstehe, werde hingegen herabgewürdigt und dämonisiert. Dies, so Hazony, habe die Menschheit allerdings schon allzu oft in die Irre geführt.

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