"Fridays for Future"-Demo.Foto: Odd ANDERSEN/AFP/Getty Images

„Fridays for Future”: Sprecher bestreitet Fremdsteuerung – Kritiker sehen Verdacht nicht ausgeräumt

Von 18. April 2019 Aktualisiert: 18. April 2019 19:06
In einem „Spiegel“-Interview weist ein Sprecher der Bewegung „Fridays for Future“ Darstellungen zurück, die Bewegung sei fremdgesteuert und im Kern ein Projekt des Club-of-Rome-Ablegers „Plant for the Planet“. Diese Stiftung jedoch bestätigt, dass „Fridays for Future“ keine eigenständige Handlungsbefugnis aufweist.

Ein Sprecher der Bewegung „Fridays for Future“ weist in einem Interview mit dem „Spiegel“ Vorwürfe zurück, bei den so genannten Schulstreik-Aktivisten handele es sich um eine astrogeturfte Bewegung, die von mächtigen NGOs gesteuert werde und die für diese Spendengelder einwerbe. Außerdem, so erklärt der aus Schleswig-Holstein stammende Aktivist Jakob Blasel, träfen Vorwürfe nicht zu, die Streik-Idee sei abgekupfert.

Das Magazin nahm offenbar Bezug auf eine Analyse des Blogs „Tichys Einblick“ (TE), in der unter anderem erklärt worden war, „Fridays for Future“ werde von der Plant-for-the-Planet Foundation gesteuert, die ihrerseits als gemeinnützig anerkannte Stiftung des Vizepräsidenten der deutschen Sektion des „Club of Rome“, Frithjof Finkbeiner, betrieben werde. Dieser meldet sich seit den 1970er Jahren regelmäßig mit apokalyptischen Prognosen über vermeintlich bevorstehende Öko-Katastrophen zu Wort, die sich jedoch bis dato allesamt als unzutreffend erwiesen.

„Wir zahlen Geld nur gegen ordnungsgemäße Abrechnung aus“

Blasel bestreitet gegenüber dem „Spiegel“, dass Spendengelder für „Fridays for Future“ tatsächlich an „Plant for the Planet“ gingen. Dieser Verband habe bei seiner Bank lediglich ein Unterkonto für die Spenden eingerichtet. Auf diese selbst greife „Plant for the Planet“ aber nicht zu. Die Bankgebühren trage „Plant for the Planet“ auch selbst.

„Alles Geld, was Menschen an ‚Fridays for Future‘ spenden, kommt auch ‚Fridays for Future‘ zugute“, versichert Blasel. „Und wir zahlen Geld nur gegen ordnungsgemäße Abrechnung aus.“

Alle Spendengelder würden zweckgebunden für „Fridays for Future“ verwendet. Eine Diskrepanz gegenüber dem satzungsgemäßen Zweck von „Plant for the Planet“ bestehe nicht. Immerhin sei dieser ja, „den Naturschutz zu fördern“.

Dass „Fridays for Future“ zu einer solchen Konstruktion gegriffen habe, statt beispielsweise ein eigenes Konto zu eröffnen und zu führen, liege daran, dass man den Rücken frei haben wolle, um sich auf den Kampf gegen die „Klimakrise“ konzentrieren zu können und dabei nicht durch Formalismus gehemmt zu werden:

Wir wollen nicht so riesige, bürokratische Strukturen aufbauen mit Vereinsgründung, Vorstandswahlen, Hierarchien und zu viel Papierkram. Wir wollen keine Organisation sein, aber natürlich wollen wir handlungsfähig sein. ‚Plant for the Planet‘ war so nett, uns ihre Strukturen zur Verfügung zu stellen. Die verlieren Geld mit uns.“

Furcht vor „nicht wohlgesonnenen Gästen“

Dass im Impressum der Webseite von „Fridays for Future“ eine Person genannt werde, die gar nicht an der angegebenen Adresse wohnhaft sei, liege daran, dass man sie vor „nicht wohlgesonnenen“ Gästen der Seite schützen müsse. Die genannte Ronja Thien sei jedoch regelmäßig an der Adresse der Kieler „Alten Mu“ präsent und „Fridays for Future“ habe in dem Gebäude sogar einen eigenen Raum.

Blasel wirft dem Betreiber von „Tichys Einblick“ vor, nicht vor der Anfertigung seines Artikels angerufen zu haben. Ansgar Neuhof erklärt dazu, dies sei auch schwierig gewesen, da auf der Webseite weder eine Telefonnummer noch ein Ansprechpartner genannt sei. Also habe man eine schriftliche Anfrage über die dort angegebene E-Mail-Adresse gerichtet.

„Doch eine Anfrage zu den Spendenbescheinigungen am 15.04.2019 beantwortete Fridays for future nicht“, führt Neuhof aus.

Daher wurde eine zweite E-Mail-Anfrage am 16.04.2019 gestellt, diesmal an die Plant-for-the-Planet Foundation, den Inhaber des Spendenkontos von Fridays for future. Sie betraf die rechtlichen Verhältnisse von Fridays for future und der Plant-for-the-Planet Foundation, ebenso das Spendenkonto und die Frage der Spendenbescheinigungen. Sie wurde allerdings bis zum Erscheinen des TE-Artikels nicht beantwortet.“

Im Konfliktfall könnte „Plant for the Planet“ das Unterkonto einfach auflösen

In seiner Reaktion auf das „Spiegel“-Interview, die Neuhof am Donnerstag (18. April) auf „Tichys Einblick“ veröffentlichte, sieht er die Vorwürfe, sie er in seinem ersten Beitrag erhoben hatte, nicht als ausgeräumt aus, sondern eher noch als bestätigt.

Eine am Mittwoch eingegangene Nachricht der „Plant for the Planet Foundation“ habe bestätigt, dass „Fridays for Future“ nur ein Unterkonto eines durch sie selbst geführten Kontos betreibe. Man würde „Fridays for Future“ jedoch regelmäßig über Spendeneingänge informieren – und über Zahlungen, die man auf Grund von Rechnungen für die „Schulstreik“-Bewegung geleistet habe.

Mit anderen Worten: Fridays for future ist auf Gedeih und Verderben der Plant-for-the-Planet Foundation ausgeliefert“, schlussfolgert Neuhof. „Sie entscheidet, welche Informationen an Fridays for future weitergeleitet wird und welche Zahlungen geleistet werden. Fridays for future ist also in die Foundation finanziell eingegliedert und vollständig von ihr abhängig.“

„Fridays for Future“ bestehe nicht einmal als eigenständige Rechtspersönlichkeit. Rechtsgeschäftliches Handeln für die Bewegung finde ausschließlich auf dem Umweg über „Plant for the Planet“ statt. Sollte es je zu Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden Vereinigungen kommen, könne „Fridays for Future“ nicht einmal gerichtlich gegen „Plant for the Planet“ vorgehen. Die Frage von TE, ob es zumindest eine Treuhandvereinbarung gäbe, blieb unbeantwortet. Sollte es auch eine solche nicht geben, könnte „Plant for the Planet“ möglicherweise bei Bedarf das Unterkonto per Federstrich auflösen.

Rechtliche Strukturen und Abhängigkeiten bleiben unklar

Auch die Frage, wer überhaupt berechtigt wäre, Spendenquittungen auszustellen, wäre ungeklärt. Eine eindeutige Antwort habe es vonseiten der Foundation nicht gegeben, heißt es auf TE weiter. Zudem gebe es eindeutige Widersprüche zwischen den Angaben des Aktivisten Blasel und der Mail der Foundation – beispielsweise darüber, wer Auszahlungen vom Unterkonto tätige.

TE kommt zu dem Schluss, dass „Fridays for Future“ nicht mehr als ein Projekt der „Plant for the Planet Foundation“ sei. Offen wolle man dies möglicherweise aber nicht sagen, weil es sonst Unwägbarkeiten hinsichtlich der gesetzlichen Vorgaben über das Handeln gemeinnütziger Vereinigungen geben könnte.

Es liege auf der Hand, so Neuhof, dass „Fridays for Future“ organisatorisch vollständig von „Plant for the Planet“ abhängig sei, das aus Spendengeldern stammende Vermögen und die Verfügungsgewalt darüber der Foundation zuzurechnen seien, und dass nicht einmal klar sei, ob und durch wen Spendenbescheinigungen ausgestellt werden dürften – obwohl „Fridays for Future“ solche in Aussicht gestellt hatte. Mittlerweile ist der Hinweis von der Seite genommen worden.

Das Fazit Neuhofs:

„Fridays for future und Plant-for-the-Planet Foundation sind dringend aufgerufen, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, wer die Verantwortlichen und Intiatoren von Fridays for future sind und wie die rechtlichen Strukturen und Abhängigkeiten sind.“

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.

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