Krise im Welthandel als Zeichen für das Scheitern des Globalismus

Von 10. Oktober 2019 Aktualisiert: 10. Oktober 2019 15:28
US-Präsident Trump hielt während der UN-Vollversammlung im September 2019 eine Rede, in der er dem Globalismus eine klare Absage erteilte.

Die Globalisierung, die mächtigste Kraft, die die Wirtschaft der Welt in den letzten zwei Jahrzehnten geprägt hat, weicht nun einer neuen Ordnung der Welt. Die Stimmungslage gegen die Globalisierung, insbesondere in den Industrieländern, hat zu einer globalen Wiederbelebung des Nationalismus geführt.

Donald Trump nutzte diese Stimmung, indem er eine protektionistische Haltung mit dem Motto „America First“ einnahm, die ihm 2016 einen atemberaubenden Wahlsieg bescherte.

Seit seinem Amtsantritt hat Trump den Handel – die Grundlage der Globalisierung – zu einer seiner wichtigsten politischen Prioritäten gemacht. Seine Ablehnung des Globalismus und seine Vergeltungsmaßnahmen gegen unfaire Außenhandelspraktiken haben einen grundlegenden Wandel in der Welthandelsordnung ausgelöst.

Er hat multilaterale Handelsabkommen „einen großen breiigen Topf“ genannt und deutlich gemacht, dass er bilaterale Handelsabkommen bevorzugt. Trump hat wiederholt gesagt, dass ein Großteil des Welthandels ungerecht war und andere Länder die Vereinigten Staaten ausgenutzt haben. Er hat auch die führenden Politiker der Welt aufgerufen, den „Globalismus“ zu beenden und ihre eigene Nation wieder an die erste Stelle zu setzen.

Die Zukunft gehört nicht den Globalisten, sie gehört den Patrioten“,

sagte Trump in seiner Rede vor der UN-Generalversammlung Ende September. Er forderte die Länder auf, an ihrer Souveränität und Unabhängigkeit festzuhalten.

Seitdem spitzen sich die Handelskonflikte immer mehr zu, auf den höchsten Grad seit mehr als drei Jahrzehnten – nachdem Trump beschlossen hatte, Zölle auf chinesische Waren zu erheben. Die Vereinigten Staaten führten auch Beschränkungen für ausländische Direktinvestitionen ein.

Der Umfang des internationale Handels wächst nach Angaben der Welthandelsorganisation (WTO) in diesem Jahr deutlich langsamer. Das Welthandelsvolumen für Waren wird 2019 voraussichtlich um 1,2 Prozent steigen, gegenüber 3 Prozent im Vorjahr, was auf Handelsspannungen und eine sich abschwächende Weltwirtschaft zurückzuführen ist. Auch die Ströme ausländischer Direktinvestitionen nehmen ab.

Was kommt nach der Globalisierung?

Michael O’Sullivan, Autor des Buches „The Levelling: What’s Next After Globalization“, sagte, dass das Zeitalter der Globalisierung bereits hinter uns liegt und nun einer multipolaren Welt Platz macht.

Ich bin überhaupt nicht gegen die Globalisierung. Ich denke nur, dass sie vorbei ist, und wir müssen uns dringend auf den Weg in die Zukunft konzentrieren“, sagte er der Epoch Times.

O’Sullivan betont in seinem Buch, dass die Antiglobalisierungsbewegung mit der Wahl von Trump und dem Brexit deutlich sichtbarer geworden ist. Es wird mehr Anzeichen dafür geben, die für Politiker und Wirtschaftsführer schwieriger zu ignorieren sein werden.

Das Buch beschreibt die neue Ordnung in der Zeit nach der Globalisierung, in der die Geopolitik nach Ansicht des Autors von drei großen Akteuren dominiert werden wird: ein China-zentriertes Asien, Amerika und Europa.

O’Sullivan, der über 20 Jahre Erfahrung in der Vermögensverwaltung verfügt, nennt die Zunahme der Einkommensungleichheit in einigen Ländern, darunter den Vereinigten Staaten, als einen der Gründe, warum der Globalismus unter Beschuss geraten ist.

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Ihm zufolge hat China zwar von der Globalisierung profitiert, aber es ist eines der am wenigsten globalisierten Länder der Welt. Zudem ist der chinesische Führer Xi Jinping sogar Trump weit voraus, indem er die Interessen seines Landes in den Vordergrund stellt.

„Worauf Trump hinaus will, ist zum Teil durch den Rückgang in Teilen der amerikanischen Wirtschaft motiviert, insbesondere auf der Produktionsseite“, sagt O’Sullivan.

Ich denke, es gibt den aufschlussreichen, stichhaltigen Punkt, dass die chinesische Methode darin besteht, auf der Grundlage der Innovationen anderer Völker zu wachsen, sie zu kopieren und dann weiterzuentwickeln. Und das stimmt nicht mit der westlichen Sichtweise überein, wo geistiges Eigentum geschätzt wird.“

Trump habe, „einen klaren Standpunkt dazu und er hat die Unterstützung eines Großteils der amerikanischen Unternehmen in diesem Punkt.“

Ein weiterer Grund für die Ablehnung des Globalismus durch einige Länder ist das nachlassende globale Wirtschaftswachstum. Wie der leitende Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, Larry Kudlow, einmal sagte, ist das Wachstum zu einer „knappen Ware auf der ganzen Welt“ geworden.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Chinas begannen lange vor dem Handelskrieg und die steigende Verschuldung in vielen Ländern birgt erhebliche Risiken für die Weltwirtschaft.

Trump „und andere erkennen, dass sich die Weltwirtschaft abschwächt. Und der Kuchen der Globalisierung wird nicht größer“, sagte O’Sullivan. „Und wann immer das passiert, neigen die Leute dazu, sich um die Scheiben des Globalisierungskuchens zu streiten, anstatt zu versuchen, ihre eigene Wirtschaft zu entwickeln.“

In der neuen multipolaren Welt können die Vereinigten Staaten ihre Führungsrolle beibehalten, indem sie die Dominanz des Dollars im Welthandel bewahren.

Auf diese Weise kann es seine „finanzielle Vorherrschaft aufrechterhalten, weil Amerika finanziell tatsächlich dominanter ist, als militärisch“, sagte O’Sullivan. „Ich denke, das Zweite, was sie tun können ist – und das ist, was Europa will – zu versuchen, die Regeln und Vorschriften für neue Technologien festzulegen.“

Viele der im 20. Jahrhundert geschaffenen Institutionen – die WTO, die Weltbank und der Internationale Währungsfonds – werden laut dem Buch bedeutungslos werden oder untergehen. In vielen Fällen würden diese Institutionen durch Großmachtdiplomatie ersetzt werden.

Wenn man sich die Welthandelsorganisation ansieht, hätte sie eigentlich stärker in den Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und China eingreifen müssen. Aber sie tat es nicht wegen ihrer schlechten Führung,“ sagte O’Sullivan.

Welthandelsorganisation

Trump kritisierte die WTO wiederholt für ihre veralteten Regeln, die bei der Regulierung globaler Handelsstreitigkeiten dysfunktional geworden sind.

Im Dezember 2018 erkannten die G-20-Länder gemeinsam an, dass das multilaterale System versagt hat und verbessert werden muss. Die Führer der führenden Volkswirtschaften der Welt einigten sich darauf, die 24 Jahre alte multilaterale Organisation zu reformieren und unterstützten Trump.

Seit dem Beitritt Chinas zur WTO im Jahr 2001 dreht sich jedoch bei der Globalisierung alles um die Einbeziehung Chinas, so die Ökonomin und China-Expertin Diana Cheylova.

„Trotz des WTO-Beitritts wurde China nie zu einer vollwertigen Marktwirtschaft, wie es die Amerikaner erwartet hatten“, sagte sie und fügte hinzu, dass das chinesische Volk der Hauptnutznießer der Globalisierung sei, während die arbeitende Bevölkerung in der westlichen Welt, relativ gesehen, zurückbleibt.

Das Wirtschaftswachstum Chinas hat sich seit dem WTO-Beitritt des Landes dramatisch beschleunigt.

Chinas handelsverzerrende Praktiken, unterstützt durch Chinas Währungsmanipulation und -fehlausrichtung und seine Niedriglöhne und Unterdrückung der Arbeiterrechte“,

führten laut dem Economic Policy Institute zu einem Verlust von 3,4 Millionen Arbeitsplätzen in den USA.

“Globalisierung kann nicht enden“

William E. Brock, ehemaliger Senator und US-Handelsbeauftragter unter Präsident Ronald Reagan, glaubt, dass es schwer ist, die Globalisierung zu stoppen. Deshalb sei es wichtig, dass sich die Vereinigten Staaten wieder zu einem regelbasierten globalen Handelssystem bekennen, anstatt eine isolationistische Haltung einzunehmen.

Die Globalisierung kann nicht enden. Die Welt ist jetzt zu integriert. Es wäre unmöglich, die Globalisierung aufzuhalten“,

sagte Brock der Epoche Times.

Sie würde weiter wachsen, fügte er hinzu, aber „die Art und Weise, wie sie wächst, könnte für einzelne Länder sehr positiv oder negativ sein“. – „Sie haben Länder, die verzweifelt versuchen, sich aus der Armut zu befreien. Sie haben ein dringendes Interesse daran, Geschäfte über Staatsgrenzen hinweg zu tätigen“, sagte er.

Während seiner Amtszeit als US-Handelsvertreter wurde Brock als einer der Gründerväter der WTO angesehen.

Brock verteidigte die WTO, räumte aber ein, dass die Organisation nicht auf missbräuchlich Handelspraktiken durch Länder wie China reagiert hat.

Ich stimme zu, dass frühere US-Regierungen zwar darüber gesprochen aber nichts dagegen unternommen haben“, sagte er.

Brock argumentiert, dass Zölle eine ineffektive Waffe und eine kurzfristige Steuer für US-Verbraucher sind.

Daher sollte die US-Regierung ihre Unterstützung für die WTO beibehalten und sicherstellen, dass „sich alle an die Regeln halten“, sagte er und fügte hinzu, dass „das amerikanische Volk einen enormen Anteil an einer Handelswelt hat, in der die Globalisierung weitergeht“.

Jeder fünfte Arbeitsplatz in Amerika ist direkt vom internationalen Handel abhängig.“

Anstieg der Ungleichheit

Laut Weltwirtschaftsforum hat die Globalisierung die Vermögenslücke zwischen reichen und armen Nationen in den letzten Jahrzehnten deutlich verringert. Sie hat aber auch zu einer größeren Ungleichheit innerhalb der westlichen Länder geführt.

Die Kluft zwischen Arm und Reich in den Vereinigten Staaten hat nach den neuesten Daten des Census Bureau den höchsten Stand seit fünf Jahrzehnten erreicht.

Ich denke, was in der amerikanischen Wirtschaft und Gesellschaft passiert, ist eine sehr deutliche Erinnerung an die Notwendigkeit, die Globalisierung zu überdenken und zu reformieren“, sagt O’Sullivan.

Er glaubt jedoch, dass die Globalisierung nicht der Hauptverantwortliche für die zunehmende Ungleichheit in den Vereinigten Staaten ist.

„Die Menschen missdeuten das was auf den Straßen von Detroit und Pittsburgh passierte – beide erlebten einen Niedergang und leben jetzt wieder auf – als Folge der Globalisierung. Eigentlich beruhte es ausschließlich auf den Entscheidungen, die die Amerikaner und ihre Führer getroffen haben“, sagte er.

„Wenn man eine Liste der am stärksten globalisierten Länder der Welt erstellt, sind viele von ihnen kleine, offene Volkswirtschaften, wie die Niederlande, Schweden, Irland und die Schweiz. Und nur wenige von ihnen haben ein Problem mit Ungleichheit.“


Das Original erschien in The Epoch Times (USA) (deutsche Bearbeitung von al)
Originalartikel: Crisis in World Trade Signals Globalism’s Failure

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.