„Merhaba“ statt „Hello“? Chef des Landesintegrationsrats NRW will Grundschul-Englisch durch Türkisch ersetzen

Von 8. Februar 2019 Aktualisiert: 8. Februar 2019 18:05
Das Schulministerium in NRW will Englisch künftig erst ab der 3. Klasse an der Grundschule lehren. Der Vorsitzende des Landesintegrationsrats, Tayfun Keltek, schlägt jetzt vor, es komplett aus der Grundschule zu nehmen und stattdessen erst die häufigsten Einwanderersprachen zu unterrichten.

Mit einem ungewöhnlichen Vorschlag hat der Vorsitzende des nordrhein-westfälischen Integrationsrats, Tayfun Keltek, in der Bildungsdebatte aufhorchen lassen.

Angesichts der steigenden Zahl an Kindern aus Einwandererfamilien, die zweisprachig aufwachsen oder in deren Familien kaum Deutsch gesprochen wird, regte er gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ an, den Englischunterricht, der in NRW von der ersten Klasse an erteilt wird, wegfallen zu lassen.

Stattdessen sollten die am häufigsten gesprochenen Einwanderersprachen wie Polnisch, Russisch und Türkisch von Beginn an neben der Landessprache unterrichtet werden, sodass die Kinder neben dem Deutschunterricht auch regulär die Muttersprache als Pflichtfach belegen könnten.

Die Gefahr eines Defizits in der Weltsprache Englisch sieht Keltek nicht, sollte der Lernbeginn aufgeschoben werden. Das Grundschul-Englisch, so Keltek, könnte auch „innerhalb von drei Wochen an einer weiterführenden Schule“ erlernt werden. Rückenwind erhält Kelteks Vorstoß durch das angebliche Vorhaben des nordrhein-westfälischen Schulministeriums, das dem Kölner Stadt-Anzeiger zufolge tatsächlich plane, das Fach Englisch künftig erst ab der dritten Klasse zu unterrichten. Schulministerin Yvonne Gebauer will stattdessen jedoch mehr Stunden für Deutsch und Mathematik vorsehen.

Für Muttersprachler gibt es bereits jetzt Herkunftssprachlichen Ergänzungsunterricht

Es mache Sinn, stattdessen die muttersprachlichen Kenntnisse der Grundschulkinder zu stärken. Auch würden Barrieren zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund abgebaut, wenn diese zumindest Grundkenntnisse in den Muttersprachen ihrer anderssprachigen Mitschüler erwürben.

Jedes dritte Kind in Nordrhein-Westfalen habe einen Migrationshintergrund, gibt Keltek zu bedenken.

Sie sprechen zum Beispiel Türkisch, Russisch, Polnisch […] Für die deutschen Kinder wäre es einfacher, sie würden diese Sprachen erlernen.“

Zugleich hätten die Kinder mit Migrationshintergrund mehr Zeit, sich auf das Deutsche zu konzentrieren. Gelänge es ihnen, ihre Kenntnisse in der Muttersprache ebenso wie in Deutsch zu vertiefen, fiele ihnen später auch das Englische leichter, meint Kelek.

In zehn von 16 Bundesländern, darunter auch in NRW, gibt es bereits jetzt die Möglichkeit für Einwandererkinder, den sogenannten Herkunftssprachlichen Ergänzungsunterricht zu besuchen. Diesen gibt es in zahlreichen Sprachen und er wird je nach Bedarf und Bevölkerungszusammensetzung angeboten. Neben Türkisch, Polnisch oder Russisch gibt es auch Klassen in Arabisch, Serbisch, Farsi, Vietnamesisch und vielen mehr.

Türkisch-Lehrbücher von GEW für zu wenig „Geschlechterdemokratie“ gerügt

In Hamburg legen neun von zehn Erziehungsberechtigten mit Migrationshintergrund Wert darauf, dass ihre Kinder diesen Unterricht besuchen. In Baden-Württemberg, wo die Konsulate mit der Durchführung betraut sind, nehmen immerhin knapp 40 000 Schüler daran teil.

Kinder mit deutscher Muttersprache dürfen offiziell nicht an diesem Unterricht teilnehmen, da der entsprechende Erlass auf den ursprünglichen Sinn des Herkunftssprachlichen Ergänzungsunterrichts Bezug nimmt, der Kinder der sogenannten Gastarbeiter auf eine spätere Rückkehr in die Heimat vorzubereiten. Im Jahr 2012 sorgte in diesem Zusammenhang der „Fall Chiara“ für Aufsehen, als aus diesem Grund einem deutschen Kind die angestrebte Teilnahme am Türkischunterricht versagt worden war.

Im Jahr 2013 hatte wiederum die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Anstoß an Lehrmaterial des türkischen Generalkonsulats für den Herkunftssprachlichen Ergänzungsunterricht beanstandet, weil dieses zu patriotisch sei und sich ihrer Auffassung nach gegen „Geschlechterdemokratie“ und „interkulturelle Öffnung“ wende.

Stattdessen werde ein „heroischer Mythos vom heldenhaften Türkentum beschrieben“ und Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk über Gebühr verherrlicht. Dies würde „befremdlich“ wirken und nicht den „didaktisch-methodischen Standards“ in Deutschland entsprechen.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.
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