Norwegens Staatsfonds glaubt nicht an Europa – und schichtet in US-Aktien um

Von 28. August 2019 Aktualisiert: 28. August 2019 11:47
„America first“ lautet nicht nur das politische Credo des US-Präsidenten Donald Trump. Auch der norwegische Staatsfonds findet Gefallen an diesem Gedanken – vor allem mit Blick auf sein Anlageportfolio. Der mächtige Fonds, der in erheblichem Umfang zu Staatshaushalt und Altersversorgung des Landes beiträgt, schichtet von europäischen zu amerikanischen Werten um.

Wie „Politico“ jüngst berichtete, planen Spitzenbeamte der EU die Errichtung eines „Europäischen Zukunftsfonds“. Mithilfe öffentlicher Mittel von zumindest 100 Milliarden Euro soll dieser Fonds zum einen der EU ein aggressiveres Agieren im Handelsstreit mit den USA ermöglichen, zum anderen soll er dazu dienen, über Beteiligungsmodelle europäische Global Player aufzubauen, die es mit Apple, Microsoft, Google oder Facebook aufnehmen könnten.

Dass öffentliche Mittel dafür zum Einsatz kommen sollen, liegt daran, dass es in Europa keine solchen Unternehmen gibt, wie im dazugehörigen Papier eingeräumt wird. Dies liegt den Gesetzen der Logik zufolge darin begründet, dass es nicht genug private Investoren gegeben hat, die auf solche Player gesetzt hätten.

Rendite und Risikomaß in Nordamerika optimal

Auf einen bedeutsamen staatlichen Akteur eines europäischen Nicht-EU-Staates kann die EU-Kommission offenbar auch nicht zählen: Wie das „Handelsblatt“ berichtet, will der Ölfonds, der 1,4 Prozent sämtlicher auf der Welt ausgegebener Aktien besitzt und zuletzt ein Fondsvermögen von umgerechnet etwa einer Billion US-Dollar aufwies, bis zu 100 Milliarden Euro aus europäischen Titeln abziehen und diese stattdessen in US-amerikanische Aktien investieren.

Der für den Fonds verantwortliche Notenbank-Vizechef Egil Matsen begründete den Schritt gegenüber Reuters damit, dass „sowohl die Rendite als auch das Risikomaß in Nordamerika in den letzten Jahren besser war als im Rest der Welt“. Seinen Statuten gemäß darf der 1996 eingerichtete Fonds bis zu 70 Prozent seines Vermögens in Aktien investieren. Zuletzt hatte er unter dem Eindruck der Auswirkungen niedriger Leitzinsen auf Staatsanleihen die Aktienquote auf den bislang höchsten Stand angehoben.

Bereits jetzt besteht lediglich noch etwa ein Drittel des Portfolios des norwegischen Staatsfonds aus europäischen Titeln. Im Jahr 2012 waren es noch 50 Prozent. Etwa 41 Prozent entfallen auf amerikanische Werte, Tendenz: steigend. Die größten Beteiligungen betreffen exakt jene Titel, denen die EU-Kommission künftig mittels europäischer Unternehmenskonglomerate aus der Retorte zu Leibe rücken will: Microsoft, Apple, Amazon.

Seismograf für Investoren

Der Ölfonds und seine Erträge bilden eine bedeutende Größe im norwegischen Staatshaushalt. Auch für die Altersversorgung der Norweger spielt der Fonds eine bedeutende Rolle. Derzeit werden Renditen bis zu vier Prozent aus dem Fonds der öffentlichen Hand zur Verfügung gestellt. Was darüber hinausgeht, wird reinvestiert.

Publizist Gabor Steingart sieht in seinem „Morning Briefing“ vom Mittwoch (28.8.) die Entscheidung des norwegischen Staatsfonds als eine von großer Tragweite – die zudem auch andere Investoren in ihren Entscheidungen als Seismograf beeinflussen könnte:

Zittert die Kompassnadel, wackeln bald schon die Märkte. Man schätzt die Gründlichkeit und die Unvoreingenommenheit der norwegischen Notenbanker. Deshalb ist das, was die Notenbank gestern dem Parlament empfohlen hat, von historischer Bedeutung: America first, Europe later.“

Steingart sieht eine „toxische Kombination von Wachstumsverlangsamung, Innovationsschwäche und politischer Ambitionslosigkeit in Europa“.

Europa verliert auf ganzer Linie

In nicht weniger als fünf zentralen Bereichen, so diagnostiziert der Publizist, ist Europa im Laufe der vergangenen zehn Jahre deutlich hinter die USA zurückgefallen: Die Banken haben sich nach der Finanzkrise der späten 2000er Jahre in Nordamerika deutlich besser erholt. Der Aktienmarkt war vitaler, in Europa stagniert er spätestens seit 2015.

In den jeweiligen Kernmärkten boomt die US-Digitalwirtschaft weiterhin, die deutsche Autoindustrie, die auch auf europäischer Ebene stets ein Zugpferd war, ist in der Krise. Beim Wirtschaftswachstum halten die Amerikaner Europa problemlos auf Distanz, auch in der Geldpolitik hat die US-Notenbank noch Spielräume, die EZB hingegen ist beim Leitzins auf null angelangt und hat im Einlagenbereich sogar einen Minuszins verordnet.

Europa fällt weiter zurück“, diagnostiziert Steingart. „Der norwegische Staatsfonds ist der Sturmvogel, der vor dem heraufziehenden Unwetter warnt. Gestern ist er gegen unsere deutsche Filterblase geflogen.“

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.

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