Stiller Protest auf Facebook: „Fridays for Hubraum“ kam auf mehr Fans als Greta-Gruppe

Von 26. September 2019 Aktualisiert: 26. September 2019 17:54
In nur drei Tagen schaffte es die Facebook-Gruppe „Fridays for Hubraum“, die aus Protest gegen eine übergriffige Klimapolitik gegründet wurde, fast 400 000 Nutzer für sich zu gewinnen. Das war ein Vielfaches dessen, was die größte Unterstützergruppe von „Fridays for Future“ aufwies. Mittlerweile ist die Gruppe deaktiviert – der große Zuspruch deutet aber auf eine hohe versteckte Unzufriedenheit mit Deutschlands Klimapolitik hin.

Das Konzept der „kulturellen Hegemonie“ war jenes, auf das die radikale Linke in westlichen Ländern setzen musste, als sich abzeichnete, dass orthodox-kommunistische Parteien infolge ihrer Diskreditierung durch totalitäre Diktaturen in Osteuropa, Afrika oder Ostasien mit keinen parlamentarischen Mehrheiten rechnen konnten.

Projekt ohne Widerspruch?

Im wiedervereinigten Deutschland hat sich diese Strategie als außerordentlich erfolgreich erwiesen – und ein aktuelles Beispiel dafür ist der breite Rückhalt, den die „Klimastreik“-Bewegung in Politik, Medien und öffentlichem Leben bis hin zu Großunternehmen und Prominenten genoss. Mit 1,4 Millionen Teilnehmern an den Aufmärschen in Deutschland waren zwar weniger als zwei Prozent der Einwohner des Landes auf den Straßen – die stetige Präsenz des Themas in den Medien und die Woge der Sympathie, die von dort kam, konnte jedoch den Eindruck erwecken, ganz Deutschland unterstütze die Forderungen von „Fridays for Future“.

Gleichzeitig kamen kritische Stimmen in den reichweitenstärksten Medien nur in marginalem Ausmaß oder gar nicht zu Wort. Getreu dem aus den 1970er Jahren stammenden Bonmot „Was das Fernsehen bringt, gilt als offiziell, was es nicht bringt, als nonexistent“ musste beim oberflächlichen Beobachter so zwangsläufig der Eindruck entstehen, nur eine bedeutungslose Minderheit würde höhere Steuern und weitreichende Eingriffe des Staates in persönliche und wirtschaftliche Freiheiten im Interesse des „Klimaschutzes“ ablehnen.

Soziale Medien und die Kommentarspalten von Leitmedien vermochten diesen Eindruck nicht zu stützen. Dort übten zahlreiche Nutzer Kritik an der Klimapolitik im Allgemeinen und dem Auftreten oder den Forderungen von „Fridays for Future“ im Besonderen. Anlass dazu waren unter anderem Videos über die Nötigung von SUV-Fahrern über Übergriffe gegen fremdes Eigentum in deutschen Städten bis hin zu Greta Thunbergs aggressivem Auftritt vor der UN-Klimakonferenz. Auch Nachrichten über deutlichen Stellenabbau in der Autoindustrie und bei Zulieferern wurden mit der Dominanz des Klima-Themas und von „Fridays for Future“ in Verbindung gebracht.

Der Sarrazin-Faktor und die sozialen Medien

Seit Beginn der 2010er Jahre machte Deutschland mehrere Male Bekanntschaft mit Phänomenen, die zum Ausdruck brachten, dass die Breite des in den Medien und von den etablierten abgebildeten Meinungsspektrums die Auffassungen vieler Bürger nicht mehr adäquat zum Ausdruck brachten. Die sozialen Medien verstärkten jeweils diesen Effekt.

Ein frühes Beispiel dafür war der Verkaufserfolg des umstrittenen Buchs „Deutschland schafft sich ab“ von Ex-Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin, das vor allem die Debatten rund um Einwanderung, Integration und Islam anheizte. Im Zusammenhang mit der Plagiatsaffäre rund um den früheren Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg konnte ein Mainzer Unternehmer – mutmaßlich zum Teil mithilfe von Astroturfing-Taktiken – knapp 400 000 Facebook-Nutzer innerhalb von nur zwei Wochen zum Liken einer Solidaritätsseite begeistern.

Ähnliche Entwicklungen vollzogen sich im Zusammenhang mit der Eurokrise, der Ukrainekrise (die Nachfrage nach Onlinemedien wie RT Deutsch schuf), Pegida oder der Flüchtlingskrise. Dass die AfD auf Facebook eine deutlich höhere Reichweite verbuchen kann als die übrigen im Bundestag vertretenen Parteien, illustriert ein ähnliches Phänomen.

Was die Klimapolitik betrifft, war eine auffällige Gegenmobilisierung zu den forcierten Bemühungen von Politik, Medien und Influencern, hier Druck aufzubauen, bis dato nicht zu bemerken. Einige Seitenbetreiber und Gruppen versuchten zwar, die „Gelbwesten“-Proteste in Frankreich über die sozialen Medien nach Deutschland zu holen. Die Resonanz blieb aber überschaubar, ebenso wie die Protestbewegung auf den Straßen.

Absage an deutsche Weltrettungsambitionen

Dass nun jedoch eine Gruppe mit dem Namen „Fridays for Hubraum“ ohne offensive Eigenwerbung innerhalb von nur drei Tagen auf fast 400 000 Mitglieder kommen konnte, lässt erahnen, dass es in Deutschland eine versteckte Unzufriedenheit mit den „Klimaschutz“-Bemühungen der Politik und der Katastrophenrhetorik besteht, die größer ist als der Tenor der Medienberichterstattung es erahnen lässt.

Als eine der ersten etablierten Publikationen berichtete die „Thüringische Landeszeitung“ über die rasch wachsende Facebook-Gruppe:

Die Forderungen der Fridays-for-Future-Bewegung kommen nicht bei allen gut an. Nicht zuletzt Autofahrer fühlen sich in ihrer Freiheit bedroht – schließlich könnten durch die Proteste der Klimaaktivisten massive Einschränkungen auf sie zukommen. Auf Facebook versuchen die Gegner der Jugendbewegung nun gegenzusteuern und haben dafür eine eigene Facebook-Gruppe ins Leben gerufen.“

In der Selbstbeschreibung erklärten die Gründer über sich und ihre Mission:

„Wir sind mehr! Erstes Ziel ist, mehr Mitglieder als ‚Fridays for Future Deutschland‘ zu bekommen. Diese Gruppe möchte dem überhandnehmenden Klima-Wahn mit Spaß entgegentreten. Klimawandel gibt es schon seit Bestehen der Erdgeschichte. Wir können in Deutschland nicht auf Kosten von tausenden Arbeitsplätzen die Welt retten. Die Umwelt sollte aber jeder so gut er kann schützen. Seid bitte nett in dieser Gruppe!“

„Humor war schon immer die schärfste Waffe des Zweifelnden“

Dirk Maxeiner von der „Achse des Guten“ sieht in der Gruppe einen Ausdruck des Protests einer schweigenden bzw. zum Schweigen verdonnerten Mehrheit arbeitender und steuerzahlender Bürger, die von einer kleinen, dank Rückhalt in Medien und Politik aber sehr lauten Gruppe nicht an der Wertschöpfung beteiligter Personen einer „Gesinnungs-Tyrannei“ unterworfen werde. Die Art und Weise, wie sie sich wehre, sei klassisch und angemessen:

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„Humor war schon immer die schärfste Waffe des Zweifelnden und macht es dem politischen Gegner schwer die Moralkeule zu schwingen, weil er Gefahr läuft, dass er sich damit selbst vor den Kopf haut. Und vor allem: Humor ist für alle anschlussfähig. Bei den meisten Menschen, die sich von gegenwärtiger Politik und der veröffentlichten Meinung nicht mehr repräsentiert fühlen, handelt es sich mitnichten um abgehängte Dumpfbacken, sondern um offene Leute, die mitten im Leben stehen und ganz konkret und als erste die Auswirkungen von irrsinnigen Polit-Kampagnen zu spüren bekommen. ‚Fridays for Hubraum‘ ist insofern ein Zeichen. Ich will das nicht überbewerten, aber es ist ein kleines Räuspern eines Elefanten, der schon länger im Raum steht.“

Ihr Ziel, mehr Mitglieder für sich zu gewinnen als der Facebook-Auftritt von „Fridays for Future“ aufweist – das sind etwas mehr als 73 000 Personen – war schnell geknackt. Zwar ist Facebook bei Schülern, die den Hauptanteil der Schulstreik-Bewegung ausmachen, nicht mehr der primäre Kommunikationskanal, dennoch war diese rasche und intensive Mobilisierung zweifelsohne ein Achtungserfolg, zumal sich das Wachstum in hohem Tempo fortsetzte.

Unerwünschte Eigendynamik

Die Gruppe, die von Autobegeisterten gegründet wurde und sich auf primär humorvolle Art gegen die Exzesse des deutschen Klimawahns richten sollte, entwickelte jedoch offenbar eine Eigendynamik, die auch den Gründern nicht mehr ins Konzept passte.

Neben Spott und Häme über „Fridays for Future“ und deren Aushängeschild Greta Thunberg sollen Gruppenmitglieder auch vermehrt politische Beiträge gepostet haben. Diese sollen in weiterer Folge Nutzer dazu motiviert haben, extreme Inhalte oder solche zu posten, die zum Teil weit unter die Gürtellinie gingen. Sogar Morddrohungen und Gewaltfantasien sollen gepostet worden sein. Dies sorgte nicht nur intern für Unruhe, sondern bewirkte auch, dass die Gründer unter Druck und in Rechtfertigungszwang gerieten.

Die Administratoren haben die Gruppe deshalb mittlerweile deaktiviert. In einem Beitrag rechtfertigen sie dies mit den Morddrohungen, die geäußert worden sein sollen, sowie mit unautorisierter Werbung für Merchandising-Artikel und sogar Spendengeldern. Nun will das Team erst einmal „aufräumen“ und nach Wegen suchen, wie man Grundregeln verankern und durchsetzen kann.

Es ist nicht davon auszugehen, dass „Fridays for Hubraum“ dauerhaft offline bleibt. Die Nachfrage ist offenbar enorm – die Gruppe traf einen Nerv und stellte einen ersten eindrucksvollen stillen Protest dar, der in weiterer Folge aber auch zum Kristallisationspunkt für einen Protest werden könnte, der auch offline die Öffentlichkeit sucht.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.