Wider „mehr Reichtum für Reiche“: Nobelviertel-Bewohner Gunther Emmerlich singt gegen die AfD

Von 17. April 2019 Aktualisiert: 17. April 2019 22:51
Einer Künstlergruppe in Sachsen, die einem Wahlerfolg der AfD gegensteuern will, ist ein großer Coup gelungen. Der bekannte Entertainer und Sänger Gunther Emmerlich hat sich bereit erklärt, ein Lied gegen die AfD mitaufzunehmen, das am 12. Mai erscheinen soll. Der Text birgt einige burleske Elemente.

Die sächsische Landtagswahl rückt näher, und in aktuellen Umfragen kommt die rechtskonservative AfD auf 25 Prozent der Stimmen, womit sie auf Tuchfühlung zur CDU bleibt, die mit 28 Prozent an der Spitze liegt. Linksgerichtete Parteien kommen hingegen bislang kaum aus den Startlöchern, was nicht nur bei deren Mitgliedern und Funktionären, sondern auch in deren Umfeld für zunehmende Nervosität sorgt.

Um ein hohes Wahlergebnis der AfD zu verhindern, haben sich nun die so genannten „Künstler mit Herz“ zusammengefunden und wollen ein Lied aufnehmen, das die Wähler im Land über vermeintliche oder tatsächliche politische Ziele der Partei „aufklären“ soll.

Urbane Intellektuelle wissen, was echte Sachsen wollen

Schauspieler Tom Quaas und Berufskollegin Kati Grasse haben sogar den bekannten Entertainer und Opernsänger Gunther Emmerlich zur Mitarbeit an ihrer „NoAfD“-Kantate gewonnen. Der im Dresdner Nobelstadtteil „Weißer Hirsch“ ansässige Emmerlich, der bereits im DDR-Fernsehen die Sendung „Showkolade“ und später Sendungen wie „Zauberhafte Heimat“ oder die „Krone der Volksmusik“ moderiert hatte, soll dem Vorhaben offenbar einen volkstümlichen Anstrich geben – ebenso wie die Tatsache, dass der Text in ansatzweiser sächsischer Mundart verfasst ist.

Die Prämisse, von der die „Künstler mit Herz“ bei ihrem Projekt ausgehen, lautet, dass Wähler der AfD diese nur aus einem Bauchgefühl heraus wählten, aber über ihre Inhalte nicht Bescheid wüssten. Über acht Strophen hinweg wird der AfD in der Kantate nun unter anderem angekreidet, für freien Waffenbesitz, für Kohle und Atom, gegen „Klimaschutz“ und gegen die Abschaffung von Förderschulen zu sein.

Was die wirklich vor ham, kann keen echter Sachse wolln“, heißt es zudem im Text. Nach Meinung der Initiatoren will ein solcher stattdessen, dass der öffentliche Rundfunk weiter üppig finanziert wird, ebenso wie Alleinerziehen als Lifestyle. Der bislang nicht unbedingt als Sinnbild sexueller Freizügigkeit in der Öffentlichkeit verankerte Gunther Emmerlich empört sich dann auch noch, weil es bei der AfD heiße: „Wer een Kind abtreiben muss, begeht eene Straftat“.

Die Kirche als historische Schutzmacht der Schwulen und Lesben

Die Passage „De Kersche braucht laut AfD hierzulande keener; da wirds wie früher, wehe schwul und lesbisch is noch eener“ kolportiert wiederum die bislang wenig geläufige These, dass die Abschaffung des §175 StGB vor allem durch den Klerus vorangetrieben worden wäre. Abschließend stört es den „Weißer Hirsch“-Bewohner, dass durch das AfD-Programm „der Reichtum aller Reichen […] weiter potenziert“ würde.

In der Nach-Wende-Ära hatte sich Emmerlich gerne zum „unangepassten“ Künstler stilisiert, der sich regelmäßig mit den DDR-Oberen angelegt habe. Dass er dennoch im DDR-Fernsehen eine eigene Sendung bekam, weckte mancherorts Erstaunen.

Im Jahr 1993 berichtete das „Neue Deutschland“, dass Emmerlich zugesagt hätte, eine Festveranstaltung zum Gründungsjubiläum des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) im Februar 1990 zu moderieren. Der Zusammenbruch der DDR habe das Vorhaben vereitelt, sagte der frühere Leiter der Abteilung XX der Stasi-Bezirksverwaltung Dresden, Ernst Tzscheutschler, damals vor einem Sonderausschuss des Sächsischen Landtags.

Jörg Urban (AfD) freut sich über „indirekte Werbung“

Der Landesvorsitzende der AfD Sachsen, Jörg Urban, meinte zu dem Vorhaben auf Facebook, er „freue sich“, wenn berühmte sächsische Künstler ihre Bekanntheit nutzten, um „indirekt für die AfD zu werben“.

Mehr Aufmerksamkeit und Beachtung kann uns gar nicht geschenkt werden, als dass Herr Emmerlich seine wertvolle künstlerische und kreative Schaffenszeit für die AfD verwendet“, schreibt Urban weiter.

Obwohl das AfD-Landeswahlprogramm bis zum 12.5. noch gar nicht festgelegt und beschlossen sei, wollten die Künstler jetzt schon ihr Wahlprogramm „erklären“. Er lasse sich „gerne überraschen, welche Kritik das AfD-Kommunalwahlprogramm erfährt, zumal die vielen ehrenamtlichen Kandidaten ihre Programme an die Bedürfnisse ihrer Gemeinden abgestimmt haben“.

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