Zu wenig parteiisch? WDR-Rundfunkrat will sich nach Sendung mit AfD-Politiker mit Plasberg befassen

Von 3. Juli 2019 Aktualisiert: 3. Juli 2019 16:57
Der WDR-Rundfunkrat ist offenbar nicht glücklich mit der Entscheidung der „Hart aber fair“-Redaktion, den AfD-Politiker Uwe Junge zu einem Talk über „rechten Hass“ eingeladen zu haben. Am Freitag will sich das Gremium in Köln offenbar mit der Sendung vom Montagabend beschäftigen.

Beim WDR hängt, glaubt man Medienberichten, nach der „Hart aber fair“-Sendung vom Montagabend der Haussegen schief. Grund dafür ist offenbar, dass die Redaktion der Sendung mit Frank Plasberg ungeachtet anderslautender Forderungen von Politikern und Social-Media-Nutzern im Vorfeld an der Einladung des AfD-Landesvorsitzenden von Rheinland-Pfalz, Uwe Junge, festgehalten hat.

Im Rahmen der Sendung hatten neben Junge noch Journalist Georg Mascolo, die Politiker Herbert Reul (CDU) und Irene Mihalic (Die Grünen) sowie der NSU-Opferanwalt Mehmet Daimagüler zum Thema „Aus Worten werden Schüsse: Wie gefährlich ist rechter Hass?“ diskutiert.

Social-Media-Nutzer und Politiker holten, nachdem sie von der Einladung erfahren hatten, einen Tweet des Politikers vom Dezember 2017 aus der Versenkung, in dem dieser unter dem Eindruck des Mordes an der 15-jährigen Mia aus Kandel durch einen afghanischen Asylbewerber geschrieben hatte:

Der Tag wird kommen, an dem wir alle Ignoranten, Unterstützer, Beschwichtiger, Befürworter und Aktivisten der Willkommenskultur im Namen der unschuldigen Opfer zur Rechenschaft ziehen werden.“

Daraus sei eine Androhung der Verfolgung Andersdenkender herauszulesen, hieß es vonseiten der AfD-Gegner, und deshalb solle Junge ausgeladen werden, statt seine Position zum Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke darzulegen.

Redaktion pocht auf programmatische Autonomie

Für diesen träfe die AfD nach Auffassung prominenter Politiker eine „Mitverantwortung“ infolge einer von ihr bewirkten „Verrohung der Sprache“. Eine Verrohung, die offenbar so weit gediehen ist, dass selbst Gegner der AfD wie SPD-Vize Ralf Stegner oder Linke-MdB Niema Movassat nicht anders konnten, als zu Begriffen wie „geistiger Müll“, „elender Hetzer“ oder Nazi-Vergleichen zu greifen.

Die Social-Media-Redaktion der ARD reagierte auf die Ausladungsforderung mit einem Tweet, in dem es hieß:

Die Redaktionen der Talksendungen bemühen sich insbesondere, AfD-Vertreterinnen kein Forum für ihre Zwecke zu bieten. Je nach Thema ist es aber von Fall zu Fall nötig, AfD-PolitikerInnen selbst zu Wort kommen zu lassen.“

Nachdem nun Anhänger der AfD auf den Plan getreten waren und diese Aussage als Beweis für eine parteiliche und ihren gesetzlichen Ausgewogenheitsverpflichtungen zuwiderlaufende Position der ARD präsentiert hatten, distanzierte sich die Leiterin der Zuschauerredaktion, Sabine Knott, vom vorhergehenden Beitrag der Social-Media-Redaktion und schrieb:

„Dieser Tweet war leider nicht mit der Redaktion von ‚Hart aber fair‘ abgestimmt. Dafür entschuldigen wir uns. Wir betonen, dass bei uns für alle Parteien dieselben Standards gelten. Im Übrigen entscheidet jede Redaktion für sich, wen sie zu welchem Thema einlädt.“

„Pluralere Zusammensetzung“ angemahnt

Nach der Sendung klagten Medien darüber, dass Junge ihrer Meinung nach zu viel Redezeit eingeräumt bekommen oder dass Plasberg sich dem Studiogast gegenüber zu freundlich verhalten hätte.

Wie die „Dresdner Neuesten Nachrichten“ berichten, will sich nun der WDR-Rundfunkrat mit der Sendung beschäftigen. Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erklärte Claudia Reischauer, die Geschäftsführerin des Gremiums, sie gehe „stark davon aus“, dass das Thema bei der bevorstehenden Sitzung am Freitag in Köln angesprochen werde. Auch WDR-Intendant Tom Buhrow werde an der Sitzung teilnehmen.

Der Rundfunkrat hatte sich bereits mehrfach kritisch über die vom WDR produzierten Talks „Maischberger“ und „Hart aber fair“ geäußert. Erst am 4. Juni hieß es in einer Stellungnahme, man sehe „noch Handlungsbedarf bei der Auswahl der Gäste“. Man mahnte eine „pluralere Zusammensetzung der Gäste“ an, die „für die Diskussionskultur als sinnvoll erachtet“ werde. Man betrachte insbesondere „Frauen, jüngere Menschen sowie Experten“ als weiterhin unterrepräsentiert.

Dass auch AfD-Vertreter bislang zumindest nicht überrepräsentiert waren, erklärte der WDR selbst in einer Reaktion auf die Kritik an der Einladung Junges. Dem Sender gehe es bei der Auswahl der jeweiligen Gäste um die Relevanz. Gegenüber dem RND hieß es, beim aktuellen Thema „war die größte Oppositionspartei im Bundestag von besonderer Relevanz. Und Herr Junge wiederum ist als Vorsitzender eines Landesverbands eine relevante Person innerhalb seiner Partei.“

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Rechtskonservative Positionen eindeutig nicht überrepräsentiert

Die Redaktion hinterfrage alle Positionen mit derselben journalistischen Distanz. Dass „Hart aber fair“ rechtskonservativen Personen und Positionen zu viel Raum einräume, sei durch Fakten nicht gedeckt: „In den bisher 18 Sendungen des laufenden Jahres waren drei Mal Vertreter der AfD zu Gast.“ Andere Themen habe man nicht als „klassische AfD-Themen“ erachtet.

Im Dezember 2017 hatte der WDR-Rundfunkrat „Hart aber fair“ und „Maischberger“ vorgeworfen, nach wie vor „zu häufig auf populistische Reizthemen“ zu setzen. Die Shows operierten zudem mit „alarmistischen Zuspitzungen sowohl in Titeln wie auch in der Moderation“, wodurch „Populismus und Vereinfachung gefördert“ werden könnten.

Auch wenn die ARD infolge ihrer öffentlich-rechtlichen Stellung nicht im gleichen Maße wie private Medien dem Druck unterliegt, die Zuschauerzahlen um jeden Preis zu maximieren, gelten dennoch auch für deren Rundfunkanstalten die Gesetze der Aufmerksamkeitsökonomie. Auch an den Interessen des Publikums vorbeizusenden, würde früher oder später die Legitimität des Rundfunksystems infrage stellen. Plasberg-Talks zu weniger kontroversen Themen wie „Entwicklungsperspektiven des Angelsports“ oder „Faktoren für und wider die Verwendung von Stützstrümpfen“ würden da möglicherweise nicht weiterhelfen.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.