Zwei Wochen nach Fake-News-Skandal: BuzzFeed entlässt 200 Mitarbeiter – deutsche Belegschaft bleibt

Von 29. Januar 2019 Aktualisiert: 29. Januar 2019 10:27
Dass sogar Russland-Sonderermittler Robert Mueller sich genötigt sah, eine vermeintlich brandheiße BuzzFeed-Story über Donald Trump zurückzuweisen, war für das liberale Onlinemedium eine Ernüchterung. Auch geschäftlich bleibt Luft nach oben. In der deutschen Redaktion ändert sich aber nichts.

Der Prophet gilt nichts im eigenen Land, lautet eine biblische Weisheit – und das liberale Onlineportal BuzzFeed muss diese bittere Erfahrung derzeit in den USA machen. Noch vor knapp zwei Wochen übernahmen Medien weltweit die als exklusive Enthüllung angepriesene BuzzFeed-Story, US-Präsident Donald Trump habe seinen früheren Anwalt Michael Cohen angewiesen, bei seiner Aussage vor dem Kongress über ein angebliches Bauprojekt von Trumps Firmenkonglomerat die Unwahrheit zu sagen.

Zwei anonyme Ermittler, die an einer Untersuchung des Vorfalls beteiligt seien, sollen BuzzFeed dies anvertraut haben. Die Demokraten im Kongress forderten daraufhin eine Anklage gegen Trump, deutsche Medien erklärten, angesichts dieser „Enthüllung“ wäre eine Amtsenthebung des Präsidenten nur noch eine Frage der Zeit.

Bitter für BuzzFeed: Das Tatsachensubstrat hinter der Geschichte scheint so wenig belastbar zu sein, dass sogar Russland-Sonderermittler Robert Mueller von seiner sonst gepflegten Praxis der Zurückhaltung gegenüber Medienberichten abrückte. Er ließ erklären, „BuzzFeeds Beschreibung bestimmter Stellungnahmen gegenüber dem Büro des Sonderermittlers und die Charakterisierung von Dokumenten und Aussagen, die dieses Büro erhalten hat, in Bezug auf Michael Cohens Aussage vor dem Kongress“ sei „nicht korrekt“. US-Präsident Donald Trump und sein Umfeld wählten drastischere Worte und sprachen von Fake-News.

Gegen Facebook und Google ohne Chance auf dem Werbemarkt

Die ernüchternde Bilanz dieser Story ist zweifellos nicht der Hauptgrund, warum das Portal trotz eines Umsatzwachstums von 15 Prozent im vergangenen Jahr demnächst weltweit 200 Stellen abbauen muss. Wie der Branchendienst „Meedia“ berichtete, mussten bereits 2017 etwa 100 Mitarbeiter gehen, hauptsächlich in den USA und Großbritannien.

In einer internen Mitteilung von CEO Jonah Peretti, aus der „Techcrunch“ zitiert, ist die Rede von Kostensenkungen und einer Verbesserung des Betriebsmodells, die es dem Unternehmen ermöglichen soll, künftig „unsere Ziele selbst entwickeln und kontrollieren [zu können], ohne jemals wieder auf externe Investoren angewiesen zu sein“.

Bereits 2017 war BuzzFeed hinter seinen Umsatzzielen um 15 bis 20 Prozent zurückgeblieben. Gegenüber Google und Facebook blieb man auf dem Online-Werbemarkt hoffnungslos abgeschlagen. Derzeit arbeiten weltweit noch mehr als 1300 Beschäftigte für die Medienplattform, der Umsatz lag laut Meedia im Vorjahr bei etwa 300 Millionen US-Dollar. Zu den Risikokapitalgebern zählt unter anderem das Medienunternehmen NBCUniversal.

Mindestens ebenso bedeutend für das Wachsen und Gedeihen von BuzzFeed dürfte jedoch auch dessen Einbindung in ein progressives Netzwerk von Medien und Journalisten sein, das sich im Umfeld der 2004 gegründeten Nichtregierungsorganisation „Media Matters“ gebildet hat und das, wie der „Daily Caller“ bereits 2012 recherchierte, eine enge Abstimmung untereinander, mit Investoren und mit Führungskadern der Demokratischen Partei pflegt. In der Ära von Präsident Barack Obama soll sogar eine Koordination mit dortigen Funktionsträgern selbst erfolgt sein.

Netanjahu, Birnbaum und Finkelstein hinter „antisemitischer“ Kampagne gegen Soros

Der Chefredakteur von BuzzFeed USA, Ben Smith, wurde jedenfalls von einem früheren Mitarbeiter der NGO als einer der verlässlichsten Multiplikatoren für die jeweils forcierte Agenda charakterisiert:

Ben Smith nimmt die Storys und schreibt, was man von ihm gerne geschrieben haben möchte.“

Die Mitarbeiter von Media Matters „wussten, sie könnten Zeug bei Ben Smith abladen, sie wussten, sie konnten es bei Plum Line [Blog von Greg Sargent von der ‚Washington Post‘] abladen, also schickten sie es auch dorthin.“

Smith nahm zu den Aussagen, die der „Daily Caller“ zitierte, nicht Stellung und erklärte auf Twitter später, er habe Media Matters kritisch gegenübergestanden.

Über die treibenden Kräfte und Hauptsponsoren von Media Matters will man bei BuzzFeed allerdings offenbar auch nichts kommen lassen. So nahm erst kürzlich eine Analyse über eine angeblich „antisemitische“ Kampagne, die der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu zusammen mit den US-amerikanischen Politikberatern George Eli Birnbaum und Arthur Finkelstein gegen den Atheisten und selbsternannten Philanthropen George Soros geführt haben sollen, auf BuzzFeed breiten Raum ein.

Richtige Gesinnung kann ausbleibenden Gewinn nicht auf Dauer aufwiegen

In Deutschland, wo BuzzFeed jüngst mit einer Story über eine Südafrika-Reise des AfD-Bundestagsabgeordneten Petr Bystron aufgewartet hatte, die – wie sich später herausstellte – allerdings ebenfalls einige Unschärfen aufwies, müssen die Beschäftigten allerdings zumindest vorerst nicht um ihre Zukunft bei BuzzFeed bangen.

Wie BuzzFeed-News-Chefredakteur Daniel Drepper auf Twitter betonte, müssten derzeit weder der Entertainment-Bereich noch dessen Investigativ-Ableger Buzzfeed News Stellen abbauen. “Wir können in der aktuellen Besetzung weiterarbeiten”, erklärte Drepper auf dem Kurznachrichtendienst.

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Das Beispiel von George Soros zeigt: Liberalen Investoren geht es bei der Finanzierung ihnen nahe stehender Medien nicht ausschließlich um den Gewinn, den die entsprechenden Begünstigten über einen bestimmten Zeitraum erzielen. Gerade in Deutschland, wo progressiver Haltungsjournalismus in seiner traditionellen Form seit Jahren spürbare Auflagenverluste zu verkraften hat, die nicht vollständig durch Zuwächse im Online-Bereich egalisiert werden, ist ein bekanntes und internationales Onlinemagazin ein Asset, von dem man sich nicht leichtfertig trennt.

Andererseits gibt es auch in diesem Segment keine Bestandsgarantien: Die deutsche Ausgabe der „Huffington Post“ wird Ende März ihren Betrieb einstellen.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.