Symbolbild.Foto: Istockphoto/artisteer

„Cancelt Rudolf Steiner!“

Von 29. Juni 2021 Aktualisiert: 30. Juni 2021 10:56
Dem Begründer der Anthroposophie und Waldorfpädagogik wird gerade Antisemitismus und Rassismus vorgeworfen – mal wieder. Doch hinter der durchsichtigen Kampagne steckt etwas anderes. Eine Kolumne von Milosz Matuschek.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber: Wenn einer Person heutzutage die Diffamierungsattribute „antisemitisch“, „rassistisch“ oder „verschwörungstheoretisch“ angehängt werden, horche ich innerlich kaum mehr auf, so abgenutzt und nichtssagend sind die Vorwürfe in der Regel geworden.

Im Gegenteil: Ich frage mich zunehmend, ob sich hinter dem Diffamierten womöglich eine besonders interessante Persönlichkeit versteckt; interessant deshalb, weil man ja theoretisch jemanden, der massiv mit etwas danebenliegt, widerlegen könnte, man genau das aber unterlässt, um zu diffamieren. Könnte es sein, dass diese Person dann also mit etwas womöglich Recht hat?

Gerade ist Rudolf Steiner an der Reihe – und die Vorwürfe sind nicht neu. Jedenfalls nicht so neu, dass es sowohl im „Spiegel“ als auch in der „NZZ“ (hier und hier) angezeigt gewesen wäre, die Person Steiner und die Anthroposophie im Allgemeinen hart anzugehen. Was also steckt dahinter, wenn ein Gastkommentator in der „NZZ“ vom Rassismus und Antisemitismus Steiners spricht?

Warum werden Anthroposophen pauschal als Veganer, Atomkraftskeptiker und Gegner „der Chemie“ diffamiert, eine Denke übrigens, die in ihrer monolithischen Zuspitzung nicht weit weg von rassistischen Denkmustern ist? Ganz einfach: Es geht hier (mal wieder) weder um Rassismus noch um Antisemitismus, sondern um etwas ganz anderes. Aber „Rassismus“ und „Antisemitismus“ sind nun mal die Signalfarben, die man braucht, damit auch jeder kapiert, dass hier und jetzt ungehemmt drauf los gedroschen werden darf – und soll.

Das Pandemieregime braucht neue Feinde

Im Kampf um das Virus braucht es schlicht immer wieder neue Gegner, vor allem wenn die Mutanten nicht so gefährlich sind, wie man sie im Vorfeld lautstark ausgerufen hat. Und wer wäre in Zeiten nachvollziehbarer Impfskepsis nach dem AstraZeneca-Debakel und den Herzmuskelentzündungen durch Biontech eine geeignetere Diffamierungsgruppe als, nennen wir sie mal pauschal, „Esoteriker“?

Wer „gegen Chemie“ ist, ist sicher auch gegen Pharma und damit gegen das Impfen. Hätten Impfgegner eine Farbe, wäre es wohl das Esoterikerviolett. Neuerdings werden letztere auch gerne „Rechts-Esoteriker“ genannt, das ist dann der publizistische Service für alle Korrektleser, die noch etwas signalstutzig sind.

Der biologisch-dynamische Apfel fällt jedenfalls gerade nicht weit vom Nazi-Stamm. Ja, er muss es sogar, denn erst dann können die Impfluenzer besonders einfach und effektiv die Schiene Esoteriker = Impfgegner = Nazis ausspielen. Dass Impfgegner eine Zielscheibe staatlicher und sogar geheimdienstlicher Aktivitäten sind, ist kein Geheimnis. Die Impfkampagne ist ein staatlich-medialer Werbefeldzug, der seinesgleichen sucht, und soll – so ist das auch bei Gottesdiensten – bitte von niemandem gestört werden. Das Steiner-Bashing ist eine durchschaubare Strohmann-Exekution, pünktlich zum hundertjährigen Weleda-Jubiläum.

Steiner mag vielen heute geheimnisvoll bis obskur vorkommen, ob zu Recht oder zu Unrecht sei mal dahingestellt. Im Vergleich zum logischen Hakenschlagen der Covid-Kult-Anhänger ist jedoch selbst seine Lehre vom Astralkörper noch als glasklar zu bezeichnen. Wer sich heute ein Verdienstmedaillon des Mainstreams ans Revers heften will, darf offenbar im Zeichen der Bekämpfung des Antisemitismus die Anthroposophen zu den neuen Juden machen.

„Ist Rudolf Steiner ein Fall für die Cancel-Culture?“, fragt der Gastkommentator der „NZZ“ auch noch etwas scheinheilig, um aber dann gnädig davon abzusehen, denn die Antwort triefte ja schon aus jedem Satz und womöglich dachte sich der eine oder andere brav („für die Freiheit!“) geimpfte „NZZ“-Leser noch ein „und hängt ihn höher“ dazu.

„Impfen ist Nächstenliebe“

Antisemitismus, war da nicht auch was bei Luther? Letzterem wurde vor ein paar Jahren ja nicht nur ein Gedenktag, ein Gedenkjahr, sondern sogar eine ganze Luther-Dekade gewidmet. Es gibt offenbar also selbst bei den Antisemiten noch eine Trennung in gute und schlechte Antisemiten. Und ist Luther nicht der Deutschen liebster Antisemit? Er ist jedenfalls der Judenhasser zum Gernhaben mit den heute korrektesten Schäfchen im Schlepptau. „Impfen ist Nächstenliebe“ verkündete die evangelische Kirche unlängst und immer wieder.

Es scheint so, als könne der allmächtige Impfstoff wenn schon nicht das Coronavirus, so doch zumindest den Antisemitismus besiegen. Der Corona-Impfstoff ist nämlich, bitte glauben Sie es einfach, ein verstecktes Entnazifizierungsprogramm für Anthroposophen. Mit nur einem Pieks kommt man ins Purgatorium, wo die Evangelen schon verharren. Billiger gab es das noch nie.

Über den Autor: Milosz Matuschek ist Jurist, Journalist & Autor mehrerer Bücher, und er publiziert regelmäßig in seinem Blog Freischwebende Intelligenz.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.


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