Brief aus Süddeutschland: Obey – Gehorche! Und wo bleibt die Menschlichkeit?

Von 28. August 2021 Aktualisiert: 28. August 2021 9:45
Marc Friedrich berichtet von einer ganz alltäglichen Begegnung im Supermarkt - oder war sie doch nicht so alltäglich? Sein Fazit ist: Corona spaltet und tötet alles Menschliche .

Der folgende Text erschien etwas kürzer zuerst auf meinem Twitter Profil @marcfriedrich7 und ging völlig überraschend viral. Nach 24 Stunden wurde mein Tweet 500.000 mal gelesen. Die enorme Resonanz hat mich sowohl positiv als auch negativ überrascht. Die Kommentare haben mir aufgezeigt, wie tief wir uns als Gesellschaft, als Menschen haben spalten lassen. Doch nun zum Auslöser:

Eine ältere Dame (ca. 80 Jahre) steht ohne Maske vor mir an der Kasse im Supermarkt. Auf dem Band hat sie liegen Margarine, Brot, Zwieback, Harzer Käse, Haferflocken, zwei H-Milch, Eier, einen Apfel, zwei Bananen und wenig weiteres. Es sieht nach ihrem Wocheneinkauf aus.

Die Kassiererin schaut sie kurz an und sagt schroff: Sie müssen Maske tragen!“

Die Frau antwortet: Ich kann unter der Maske so schlecht atmen, die beklemmt mich und es ist heute so heiss.“

Daraufhin die Kassenfrau: Dann kann ich Ihnen nichts verkaufen. Wir haben Maskenpflicht im ganzen Laden. Entweder Sie ziehen eine Maske an oder müssen den Laden verlassen – ohne Ware!“

Die ältere Dame ringt um Fassung und noch mehr um Worte: Aber… ich habe ….nichts mehr zu Hause. Ich kann doch nicht atmen mit Maske.“

Ich mische mich ein und sage zur Kassiererin: Machen Sie doch eine Ausnahme.“

Die Kassiererin schaut mich mit weit aufgerissen Augen böse an und sagt laut: „Nein! Es gilt Maskenpflicht! Das sind die Vorgaben der Zentrale und der Marktleitung. Wenn ich mich nicht dran halte, bekomme ich den Ärger.“

Ich erwidere: Aber Sie tragen doch auch keine Maske.“

Jetzt wird die Dame an der Kasse rot im Gesicht und wird noch lauter und schnippisch: „Brauch ich nicht – ich sitze hinter der PVC Scheibe, die schützt mich.“ (Das Plastikding hängt an zwei Metallketten von der Decke herunter, hat ein Loch unten, um das Geld oder die EC-Karte entgegenzunehmen und endet etwa einen Meter über ihrem Kopf.)

Ich sage zu ihr: „Na, dann ist doch alles gut. Dann brauchen Sie ja keine Angst zu haben und die Dame braucht keine Maske aufzuziehen.“

Die Kassiererin ignoriert mich und wendet sich genervt zur Kundin: Haben Sie eine Maskenbefreiung?“  Die alte Frau schüttelt den Kopf und sagt nein. „Dann müssen Sie eine Maske jetzt aufziehen ansonsten können Sie hier nichts einkaufen“, erwidert die Kassiererin und schaut unruhig auf die immer länger werdende Schlange vor ihrer Kasse.

„Aber ich bin geimpft“, sagt die ältere Dame mit brüchiger und unsicherer Stimme und schaut hoffnungsvoll auf die Reaktion der Kassiererin.

„Das ist egal“,sagt die kurzangebunden und während die ältere Dame aufgelöst und zittrig eine zusammengeknüllte medizinische Maske aus ihrer Handtasche rauszieht, sage ich zur Kassiererin, dass sie jetzt alles abkassieren soll und ich den Einkauf mache.

Beide schauen mich daraufhin völlig verwirrt an. Die ältere Dame, weil sie nicht sicher ist, was meine Intention ist und die Kassiererin, weil sie nicht sicher ist ob sie mich richtig verstanden hat. Ich löse das ratlose Staunen auf indem ich erkläre: Ich trage eine Maske, also darf ich einkaufen.“

Ich wende mich zur älteren Dame und sage: „Gehen Sie raus und warten Sie. Ich bringe Ihnen Ihren Einkauf.“

Sie ist verdattert und sagt: „Nein, das will ich nicht“ und bleibt stehen. Die Kassiererin wiederholt ihre Warnung: Sie müssen jetzt wirklich die Maske aufziehen oder gehen.“

Die Dame geht schließlich langsamen Schrittes Richtung Ausgang, dreht sich nochmal um und schaut mich verunsichert an. Die Kassiererin zieht ungläubig die Waren über den Scanner und faselt mit erhobenen Augenbrauen was von Ausnahmsweise.

Hinter mir sagt jemand Bravo und klatscht. Ich konzentriere mich auf das Einpacken der Einkäufe. Ich zahle, gehe raus und gebe der Frau ihren Einkauf. Sie hat Tränen in den Augen und bedankt sich. Verunsichert greift sie meine Hand. Als sie merkt, das ich nicht zurückweiche, sondern zurückdrücke, legt sie ihre andere Hand drauf und lässt mich fast nicht los. Ihre Hände sind knochig, aber warm. Ich gehe nach Hause, traurig!

Dieses Erlebnis hat mich stark beschäftigt und ich wollte es eigentlich gar nicht veröffentlichen. Aber es zeigt so vieles auf, was gerade alles falsch läuft. Es bestätigt auch meine These aus meinem aktuellen Bestseller (Die größte Chance aller Zeiten), dass wir uns in einer historischen Zeitenwende befinden.

Nichts wird mehr in Frage gestellt, wir sind so gespalten wie noch nie. Mir kommt Divide et impera in den Sinn. Mich macht diese Entwicklung extrem traurig und teilweise fassungslos.

Was machen wir hier? Wo sind wir hingekommen? Wo ist die Menschlichkeit? Schon vor Corona lebten wir in einer oberflächlichen und sinnentleerten Konsumgesellschaft, mehr nebeneinander statt miteinander. Jetzt aber jetzt ist es noch schlimmer. Jetzt sogar gegeneinander. Obey – Gehorche!

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.


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