82 Prozent der Deutschen dachten, Clinton würde die Wahl gegen Trump gewinnen – Wie kommt das?

Von 2. April 2019 Aktualisiert: 2. April 2019 10:42
Dass die US-Präsidentschaftswahlen knapp verlaufen würden, war eigentlich klar. Und so war es ja auch, Trump gewann mit 49 : 51 Prozent der Stimmen, weil er deutlich mehr Bundesstaaten gewann und so 306 der 538 Wahlmänner für ihn stimmten.

In einer Facebookgruppe habe ich etwas erlebt, was mir Gelegenheit gibt, zu verdeutlichen, womit Aufklärungsarbeit und sachliche, unparteiische Information angesichts der immensen ideologischen Verblendungen auf nahezu allen Seiten inzwischen massiv zu kämpfen haben.

Den US-Präsidenten wählen nicht Deutsche, sondern US-Amerikaner

Kurz vor der US-Präsidentschaftswahl hat Infratest dimap für die ARD die deutsche Bevölkerung in Deutschland gefragt, was sie glaubt, wer die Wahl in den USA gewinnen werde, Clinton oder Trump. 82 Prozent der Befragten in Deutschland meinten, Clinton würde die Wahl gewinnen, nur 9 Prozent tippten auf Trump (siehe Titelbild). Es kam genau umgekehrt wie wir alle wissen. An diesem Beispiel lassen sich nun gleich mehrere Dinge aufzeigen:

1. Wie sehr die deutsche Bevölkerung nach links verrutscht ist. Hätte die Deutschen den US-Präsidenten wählen dürfen, hätte Trump sogar noch weniger als 9 Prozent bekommen, nämlich nur ca. 4 Prozent.

2. Nun wählen aber nicht die Deutschen den US-Präsidenten, sondern die wahlberechtigten US-Bürger. Soweit dürfte jeder noch folgen können. Insofern ist eine Befragung unter Deutschen, was sie glauben, was die US-Amerikaner wählen werden, etwas vollkommen anderes als eine Befragung der US-Wähler, was sie beabsichtigen zu wählen. An der Stelle dürften etliche bereits aussteigen: „Es sind doch beides nur Umfragen.“ Selbst diesen elementaren Unterschied klar zu machen, wird nicht mehr bei allen gelingen. Offensichtlich stößt man hier schon an Grenzen.

3. Das Ganze zeigt natürlich auch, wie einseitig die Berichterstattung gerade der deutschen Massenmedien ist, die hier in der freien, demokratischen Welt womöglich sogar das Schlusslicht sein könnten. Objektive, sachliche, faire Berichterstattung und Beurteilung findet nicht nur in der ARD (wahrscheinlich die Schlimmsten von allen) und im ZDF, sondern auch in den deutschen Presseorganen kaum noch statt. Das erkennen und spüren sehr viele.

Es ist ein Unterschied, ob ich US-Amerikaner frage, was Sie wählen wollen, oder ob ich Deutsche frage, was Sie meinen, was US-Amerikaner wählen werden

4. Diese sind aber nicht selten unfähig, überhaupt noch zwischen a) sachlicher, unparteiischer, fairer und b) parteiischer, ideologisch verblendeter Berichterstattung und Beurteilung zu unterscheiden. Was einem persönlich nicht gefällt, wird automatisch in (b) rubriziert, um sich so selbst Entlastung zu verschaffen vor Fakten, die man nicht hören und nicht lesen will. Wir sehen hier also genau das gleiche Phänomen wie auf der Gegenseite, es werden jeweils die Augen verschlossen vor allem, was einem nicht gefällt.

5. Insbesondere bei Umfragen fällt es vielen zudem extrem schwer, überhaupt die Fragestellungen und den Informationsgehalt der Ergebnisse zu verstehen. (Bei vielen Postings fällt es vielen sogar schwer, überhaupt auch nur das Thema zu erfassen, um das es geht. Oft wird einfach nur ein Schlagwort erfasst und dann wild assoziiert, was einem eben gerade so einfällt. Manche kucken sogar nur das Bild an und lesen den Text schon gar nicht mehr. Das wird wohl auch bei diesem Artikel so sein.)

Man denkt, das müsste doch jedem klar sein, dass es ein Unterschied ist, ob ich A frage, was er demnächst zu machen gedenkt, oder ob ich D frage, was er denkt, was A tun wird, wenn D zudem noch wenig Ahnung hat von A, diesen gar nicht persönlich kennt und nur von M Informationen über A bekommt, wobei M eigene Interessen verfolgt. Das können tatsächlich wohl viele nicht unterscheiden und erzählen dann, die Umfragen bei der US-Wahl wären vollkommen falsch gewesen.

Wenn viele auf A tippen, heißt das nicht, dass sie einen hohen Sieg über B erwarten

6. Zu diesen Umfragen ist zu sagen, dass das Wahlrecht in den USA ein anderes ist. Hier zählt zunächst jeder Bundesstaat für sich aus. Gewinnen die Republikaner einen Staat für sich und sei es nur mit 50,x Prozent der Stimmen, dann wählen in aller Regel alle Wahlmänner (100 Prozent) dieses Bundesstaates den Republiker-Kandidaten und umgekehrt natürlich bei den Demokraten genauso. Daher kann es leicht passieren, dass ein Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen aller US-Amerikaner erhält, aber dennoch verliert. So war es auch bei Hillary Clinton. Sie erhielt ca. 2,6 Millionen mehr Stimmen als Trump, kam auf etwa 51 Prozent, Trump auf 49. Das half ihr aber nicht, weil Trump deutlich mehr Bundesstaaten für sich entscheiden konnte und so mit 306 : 232 Stimmen der Wahlmänner klar gewann.

7. Die Grafik suggeriert zudem, dass man einen haushochen Sieg von Clinton zu erwarten hätte. Auch das besagt die Grafik nicht. Wenn zwei Mannschaften gegeneinander spielen, zum Beispiel im Fußball Deutschland gegen Italien, dann kann es sein, dass 80 Prozent der Deutschen auf einen knappen Sieg mit 1:0 oder 2:1 für Deutschland tippen (und 80 Prozent der Italiener für einen knappen Sieg für Italien). Das heißt aber nicht, dass sie tippen, ihre Mannschaft würde 8:1 gewinnen.

Die Güte von deutschen Umfragen und von Wahl-O-Matrix

Dass die US-Präsidentschaftswahlen knapp verlaufen würde, war eigentlich klar. Und so war es ja auch, Trump gewann mit 49 : 51 Prozent der Stimmen, weil er deutlich mehr Bundesstaaten gewann und so 306 der 538 Wahlmänner für ihn stimmten. Das Entscheidende bei dieser Umfrage von Infratest dimap war aber, wie in Punkt 5 schon beschrieben, dass dies keine Umfrage in den USA unter US-Wählern war, sondern eine in Deutschland unter Leuten, die gar nicht wahlberechtigt waren in den USA und die zudem durch die deutschen Massenmedien völlig einseitig gegen Trump informiert wurden und noch immer werden, allen voran durch die ARD.

Insofern hat dies nichts mit deutschen Umfragen zu tun, die sich auf Wahlen beziehen, in denen Deutsche wahlberechtigt sind und nicht gefragt werden, was sei denken, was andere machen werden, sondern in denen Sie zum Beispiel gefragt werden: „Wenn jetzt am Sonntag Bundestagswahlen (oder Landtagswahlen oder EU-Wahl) wäre, wem würden Sie dann ihre Stimme geben?“

Ich hoffe, dass ich den Unterschied ein wenig verdeutlichen und die allgemeine Verwirrung etwas auflösen konnte. Hier können Sie im übrigen sehen, wie treffsicher deutsche Umfragen, die sich auf deutsche Wahlen beziehen meist sind, und wie gut die Prognosen von Wahl-O-Matrix, dem von mir gegründeten Meta-Analyse-Tool.

Der Artikel erschien zuerst auf JFB

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Jürgen Fritz studierte in Heidelberg Philosophie, Erziehungswissenschaft, Mathematik, Physik und Geschichte (Lehramt). Nach dem zweiten Staatsexamen absolvierte er eine zusätzliche Ausbildung zum Financial Consultant unter anderem an der heutigen MLP Corporate University. Er ist seit Jahren als freier Autor tätig. Sein Blog: JFB

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.