Axel Stöckers Tipp an die AfD: Nächstes Mal Dunja Hayali einladen

Von 6. Februar 2019 Aktualisiert: 6. Februar 2019 14:36
Journalisten müssen unabhängig sein! Mangelnde Distanz zu Politikern ist daher ein absolutes Nogo. Gerade in der deutschen Presselandschaft werden Verstöße gegen dieses ungeschriebene Gesetz mit einer Konsequenz geahndet, die ihresgleichen sucht.

Entsprechend zerknirscht geben sich Journalisten, die bei Verstößen erwischt werden. Ich meine mich noch genau der harschen Kritik zu erinnern, die Dunja Hayali nach dem Presseball 2011 entgegenschlug, nachdem sie dort mit Ursula von der Leyen in zärtlicher Pose abgelichtet worden war. Ich meine auch, die ZDF-Journalistin habe sich damals zu folgender Erklärung veranlasst gesehen (ich zitiere aus dem Kopf, da sie im Netz merkwürdigerweise nicht mehr auffindbar war):

Causa Hayali

„Beim Bundespresseball ist ein Foto entstanden, auf dem zu sehen ist, wie ich Ursula von der Leyen (CDU), Bundesministerin für Arbeit und Soziales, an den Hintern fasse. Dieses Bild ist von verschiedenen Medien verbreitet worden. Es wäre richtig gewesen, das Gesäß der Ministerin nicht zu berühren. Als JournalistIn sollte man auf Distanz zu PolitikerInnen achten. Es gibt freilich keinen Grund, aus dieser Berührung des Ministerinnenhinterns weiter gehende Schlüsse zu ziehen. Ich bitte um Entschuldigung und gelobe, bei der nächsten Gelegenheit vorsichtiger zu sein.“

Das Lechzen nach Anerkennung und ein Stück Normalität

Der jüngste Fall journalistischen Distanzmangels war nun der WELT-Journalist Hendryk M. Broder, der nach einem Vortrag bei der AfD-Bundestagsfraktion eine Erklärung abgab, die der Hayalis in manchen Passagen wörtlich entspricht (vielleicht hat er sich bei der Kollegin Rat geholt, was ja nur legitim wäre). Wie kam es dazu?

Man sollte vielleicht vorwegschicken, dass die Befindlichkeit des deutschen Michels und seiner Politiker Anfang 2019 nicht mit jener von 2011 vergleichbar ist. Damals gab es noch keine AfD und das personifizierte Böse und „Hässliche“ (Johannes Kahrs) hatte daher auch noch keinen Einzug ins Parlament halten können. Heute bemühen sich die etablierten Parteien nach Kräften die Fraktion des Oppositionsführers aus Gremien herauszuhalten oder ihr den Posten des Bundestagsvizepräsidenten zu verwehren. Und erstaunlicherweise gibt es ähnliche Tendenzen bei den Medien, obwohl diese, wie eingangs erwähnt, ja völlig unabhängig vom politischen Betrieb agieren. So ist zum Beispiel der Zugang zu Talkshows für die AfD schwierig.

Auf der anderen Seite richten sich manche der so Gescholtenen und Geschmähten in ihrer vielzitierten „Opferrolle“ bequem ein. Aber im Grunde lechzen sie natürlich nach Anerkennung und einem Stück Normalität.

Der Fehlschluss: Wer uns nicht ausgrenzt, der gehört schon zu uns!

In diese Gemengelage von Gefühlen stieß nun Hendryk Broder, als er sich zu Beginn der Woche zu einem Vortrag bei AfD-Bundestagfraktion aufmachte. Er tat dies, wie er selbst sagte, auch in der Absicht, den Auftrag des Bundespräsidenten – nämlich aufeinander zuzugehen und Brücken zu bauen – umzusetzen.

Leider benahmen sich manche der Gastgeber wie Kinder, die zu lange auf’s Christkind gewartet haben. Man erinnerte sich wohl des unausgesprochenen Mottos der Etablierten – Wer die AfD nicht ausgrenzt, den grenzen wir aus! – und zog daraus den voreiligen Umkehrschluss: Wer uns nicht ausgrenzt, der gehört schon zu uns!

So tätschelte der einladende Abgeordnete Martin Renner immer wieder verzückt Broders Handgelenk. Das eigentliche Problem war aber die Fraktionsvorsitzende Alice Weidel, die Broder kurzerhand um den Hals fiel und sich dann mit ihm ablichten ließ.

Tipp: Als nächstes Dunja Hayali einladen

Nun bin ich der letzte, der die Begeisterung für Broder nicht nachvollziehen könnte. Ich vermute sogar, dass nur seine journalistische Tätigkeit mich in den letzten drei Jahren vor einem Magengeschwür bewahrt hat. Leider hat man aber mit dem unprofessionell-emotionalen Verhalten in diesem Rahmen Broder und letztlich auch sich selbst einen Bärendienst erwiesen, wie Jürgen Fritz schon dargelegt hat.

Denn es kam, wie man es hätte vorhersehen können: Das Foto war im Netz und der Shitstorm brach los, bevor auch nur eine Zeile von Broder Rede bekannt war. Broder selbst meinte in seiner unnachahmlichen Art dazu: „…dass sie sich dermaßen über ein Bild aufregen, ohne zu wissen was ich gesagt habe – das finde ich kommt einer kollektiven Ejaculatio Praecox sehr nahe.“

Es wird nun nicht unbedingt einfacher für die AfD, Journalisten zu sich einzuladen. Man sollte es aber weiterhin versuchen. Mein Tipp: Die AfD sollte als nächstes bei Dunja Hayali anfragen. Die will auch Brücken bauen. Und sie hat für Weidels kleines Missgeschick sicher Verständnis und kommt trotzdem. Aber diesmal keine Fotos!

P.S.

Leider hat man auch erreicht, dass viel über das Foto aber wenig über Broders sehr gute Rede gesprochen wird. Die sollte man aber unbedingt lesen oder anhören, was man hier tun kann.

Der Artikel erschien zuerst auf JFB

Zum Autor: Axel Stöcker, Jg. 1967, hat Mathematik und Chemie studiert und ist Gymnasiallehrer. Auf seinem Blog, die-grossen-fragen.com, arbeitet er sich an den großen Fragen zwischen Naturwissenschaft und Philosophie ab. Doch auch politische Verwerfungen stacheln ihn gelegentlich zu Kommentaren an.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.
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