Der Westen sollte sich Sorgen machen: Über eine immer stärker werdende chinesisch-russische Allianz

Von 9. Januar 2019 Aktualisiert: 9. Januar 2019 19:28
"Der Westen verschläft die Entwicklung: In naher Zukunft wird auf der Grundlage der „Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit“ ein neues globales Kraftzentrum in einer multipolaren Weltordnung entstehen. Ohne die EU. Und vermutlich auch ohne die USA," meint Gastautor Alexander Rahr

Das Jahr 2019 erinnert uns daran, dass die schnelllebige Welt bereits vor der Schwelle des dritten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts steht. Man muss nicht Nostradamus sein um zu behaupten, dass die Weltordnung in den anbrechenden 20er Jahren einen dramatischen Umbruch erleben wird, vergleichbar mit den Umwälzungen 1989-91, die das Ende des Kalten Krieges herbeiführten, die Zweiteilung der Welt beendeten und eine vom Westen dominierte monopolare globale Ordnung schufen.

Nach einer Dekade fast himmlischer Ruhe auf Erden – den 1990er Jahren – werden Historiker irgendwann einmal die Jahre 1999-2020 als schmerzvollen und konfliktträchtigen Beginn einer neuen multipolaren Weltordnung begreifen.

Die Friedensdividende aus den 1990er Jahren wurde schnell aufgebraucht. Die Nuller-Jahre nach der Jahrtausendwende hatten zunächst den Anschein, als ob sich die Welt einem Nord-Süd-Konflikt nähern würde. Die Terroranschläge von 9/11 bedeuteten für manche Beobachter den Beginn eines Dritten Weltkrieges: des freiheitlichen Westens gegen den wachsenden Islamismus im Nahen- und Mittleren Osten, sowie in Afrika.

USA und EU gehen unterschiedliche Wege – und versuchen, sich gegen China zu wehren

Der Krieg des Westens gegen den Islamismus wird seit 18 Jahren geführt, nur wird er von den tradierten Konflikten des 20. Jahrhunderts überlagert. Der Westen und Russland ziehen im Nahen und Mittleren Osten nicht am gleichen Strang. Tatsächlich aber rutschte die Welt zu Beginn der Zehner-Jahre aus dem Nord-Süd-Konflikt wieder in einen Ost-West-Konflikt, der gegenwärtig sogar dreidimensional erscheint.

Zum einen steht der Westen vor der Gefahr der eigenen Spaltung: die angelsächsischen Mächte, denn die USA und Großbritannien verlassen den europäischen Kontinent. Wird es demnächst zwei Teile des Westens geben, mit unterschiedlichen Wirtschafts- und Sicherheitssystemen?

Zum zweiten vertieft sich der Graben zwischen dem Westen und Russland – aufgrund von geopolitischen Zankereien und anwachsenden Wertekonflikten. Russland will im Osten Europas einen eigenen zivilisatorischen Machtblock errichten, eine Art „anderes Europa“. Der Westen wird ein neues russisches Imperium verhindern, eine militärische Konfrontation ist erschreckenderweise gar nicht mehr so abwegig. Der Welt droht eine neue Rüstungsspirale.

Die dritte Ost-West-Auseinandersetzung, die bestimmt das dritte Jahrzehnt bestimmen wird, ist die politische, wirtschaftliche und militärische Expansion Chinas in den eurasischen Raum, nach Asien, Afrika und auch nach Osteuropa hinein. Sie einzudämmen wird für den Westen schwer, denn das reiche China setzt für seine geopolitischen Ziele finanzkräftige Instrumente ein, die den USA und der EU (mit ihren Rettungsschirmen für die schwächelnde Euro-Zone und kostspieligen Sozialsystemen) fehlen.

Der Traum von einer Transatlantischen Freihandelszone ist geplatzt. USA und EU gehen unterschiedliche Wege. Doch beide werden versuchen, sich gegen Chinas Übermacht zu stemmen. Die USA – durch einen Handelskrieg und anti-chinesische Allianzen in Südasien, wie QUAD, wobei Washington alles daran setzen wird, eine Seestreitmacht und eine Militärpräsenz Chinas einzudämmen. Die EU wird einen letzten verzweifelten Vorstoß in den eurasischen Raum, vornehmlich nach Zentralasien unternehmen, um die Seidenstraße-Strategie der Chinesen zu konterkarieren – mit zweifelhaftem Erfolg.

Die russisch-chinesische Allianz wird immer stärker

Vielmehr sollte sich der Westen Sorge machen über eine immer stärker werdende chinesisch-russische Allianz. Russland, vom Westen abgestoßen, wirft sich – was soll es anderes tun – in die Arme Chinas.
Während NATO und EU an ihren natürlichen Grenzen der Ausdehnung angelangt sind, wächst die von Moskau und Peking in den Nuller-Jahren gegründete „Schanghai Organisation für Zusammenarbeit“ (SOZ) stetig an.

Mit Indien und Pakistan sind diesem Bündnis kürzlich zwei Atommächte beigetreten. Iran und die Türkei könnten folgen. Die SOZ spielt ganz nach chinesischer Manier: sie leugnet jegliche geopolitischen Ambitionen, will sich keinesfalls als Gegenstück zur NATO und EU verstehen – in der Realität geht die Entwicklung aber genau in diese Richtung.

In den Zwanziger-Jahren dieses Jahrhunderts wird höchstwahrscheinlich auf der Grundlage der SOZ eine neue asiatische Sicherheitsarchitektur und ein riesiger Energiemarkt entstehen: ein neues globales Kraftzentrum in einer multipolaren Weltordnung, die der Westen verschläft.

Friede, Freude, Eierkuchen in Europa?

Westliche Politiker und Experten haben für solche Gedankenspiele nur Spott übrig.

Die Europäer sprechen sich momentan wieder Mut zu, frohlocken. Wirtschaftlich geht es der EU nicht schlechter. Emanuel Macron steht die Massendemonstrationen in seinem Land durch. Donald Trump wird stürzen oder abgewählt werden, ein demokratischer US-Präsident dann alles zum Besseren wenden. Der Brexit könnte noch zurückgenommen werden – dann wäre die EU so vereint wie zuvor. Rechtspopulistische und euroskeptische EU-Mitgliedsstaaten können von Brüssel „eingefangen“ und wieder auf den richtigen Kurs gebracht. Griechenland überwindet seine Schuldenkrise.

Die drohende Migrationskrise wird durch die seichte Abschottung Europas an seinen Außengrenzen bewältigt. Russland ist wirtschaftlich so geschwächt, dass es kein ernstzunehmender Konkurrent werden kann. Mit China kann die EU die Weltmärkte vor dem Ende der Globalisierung bewahren. Und in Deutschland eröffnet sich eine neue liberale Perspektive: eine schwarz-grüne Koalitionsregierung könnte nach derzeitigem Stand eine Mehrheit erzielen.

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Stimmt diese Momentaufnahme? Oder sind Friede, Freude, Eierkuchen doch nur eine oberflächlich intakte, friedlich sorglose Fassade, die die eigentlichen Herausforderungen und aufkommenden Umbrüche nicht bemerkt? In der Generation der jetzigen westlichen Führungseliten gibt es keine Menschen mehr, die aus persönlichen Schicksalen heraus leidvolle Erinnerungen an Kriege besitzen oder das Gefühl für das Nahen einer Katastrophe entwickelt haben. Die vorangegangenen Politikergenerationen besaßen noch diese Eigenschaften.

 

Zum Autor: Prof. Alexander Rahr gilt als einer der erfahrensten Osteuropa-Historiker, er ist Politologe und Publizist. Er ist Projektleiter beim Deutsch-Russischen Forum und Deutschlandberater von Gazprom.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar.  Er muss nicht zwangsläufig die Meinung des Verlags oder die Meinung anderer Autoren dieser Seiten wiedergeben.

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