Egon W. Kreutzer: „Deutschland ist von der Leugneritis befallen“ – Wer leugnet da eigentlich was?

Von 16. Oktober 2019 Aktualisiert: 16. Oktober 2019 16:04
Was ist ein Leugner? Eine klare Antwort auf diese Frage ist im Kontext der heute grassierenden Leugneritis gar nicht möglich. Gastautor Egon W. Kreutzer unternimmt trotzdem einen Deutungsversuch.

Es kann lediglich angegeben werden, wer heute das Risiko auf sich nimmt, als Leugner diffamiert zu werden. Dies zu formulieren ist wiederum sehr (vielleicht zu) einfach:

Als Leugner wird bezeichnet,

  • wer das in sich geschlossene Set von Behauptungen, Annahmen und Fakten,
  • welche als Begründung für wesentliche politische Entscheidungen und Handlungsweisen der
  • regierenden Mehrheit dienen,
  • durch die Benennung zusätzlicher Fakten und darauf basierenden Hypothesen
  • auf eine Weise in Zweifel zieht,
  • die geeignet ist, die Durchsetzbarkeit der Zielsetzungen und Maßnahmen zu erschweren.

Im Grunde erfüllt der Leugner also genau jene Erwartungen, die man im demokratischen Staat an die freie Wissenschaft, an den (investigativen) Journalismus und letztlich auch an die politische Opposition richtet.

Der Schluss, der sich aus dem letzten Satz heraus aufdrängt, dass nämlich ein Staat, in dem freie Wissenschaftler, investigative Journalisten und politische Opposition, immer dann, wenn ihre Erkenntnisse Anlass zum Zweifel am Regierungshandeln geben, als „Leugner“ aus der Diskussion ausgeschlossen werden, kein demokratischer Staat mehr sein könne, ist durch die bloße Behauptung:

Wir sind die Demokraten!“,

nicht wirklich zu widerlegen, auch dann nicht, wenn es sich dabei um eine Mehrheit handelt, noch nicht einmal, wenn es sich um die große, erdrückende, überwältigende Mehrheit handelt. Mehrheit ist eine quantitative Größe – fragen Sie mal einen Goldwäscher …!

Wissenschaft, die sich weigert, ihre Erkenntnisse immer wieder neu auf den Prüfstand stellen zu lassen, und nicht bereit ist, alte Fehler zu korrigieren und neue Erkenntnisse aufzunehmen, ist geistig tot.

Journalisten, die das ihnen angebotene Futter nicht neugierig hinterfragen, sind allenfalls Hofberichterstatter, und wer mit dem Segen der Regierung für das auf die Straße geht, was die Regierung durchsetzen will, kann sich nicht ernsthaft Opposition nennen wollen.

Damit wird allmählich erkennbar, dass der Begriff „Leugner“ verwendet wird, um damit den diffamierenden Eindruck zu vermitteln, der „Leugner“ übe nicht konstruktive Kritik, sondern verhalte sich aktiv destruktiv. Mit dieser Strategie lässt sich nämlich verschleiern, dass sich in der Auseinandersetzung nicht etwa die Besitzer des unumstößlichen Faktenwissens und die Leugner eben dieser Fakten gegenüber stehen, sondern in die Ecke gedrängte Gläubige, deren einzige Verteidigung daran besteht, Kritiker als Ungläubige aus der Gesellschaft der Rechtgläubigen auszugrenzen und für vogelfrei zu erklären,.

Das Problem, das Gläubige mit Ungläubigen grundsätzlich haben, besteht darin, dass „Glaube“ in letzter Konsequenz auf die Tatsache zurückgeworfen wird, dass „der Beweis“ fehlt, während die Ungläubigen mit faktenbasierter und schlüssiger Argumentation mit nur geringer Mühe den Nachweis führen können, dass die Gläubigen letztlich nichts beweisen können.

Wer diesen einfachen Überlegungen geduldig bis an diesen Punkt gefolgt ist, dem erschließt sich nun die in der Überschrift ausgesprochene Frage: „Wer leugnet da eigentlich was?“

Es sind die Gläubigen,
die alles leugnen,
was sich nicht in ihr Credo integrieren lässt.

Und bei diesem Leugnen stellen sie sich auch noch einigermaßen ungeschickt an, um nicht zu sagen, sie pfeifen argumentativ aus dem letzten Loch. Das klingt in der überwältigenden Mehrzahl der Fälle so:

a) 99 Prozent aller xyz sind sich einig. / Nur Verrückte wollen es nicht einsehen.

b) Wir haben keine Zeit mehr. / Das ist doch alles längst geklärt.

c) Die sind doch alle gekauft. / Das sind doch Verschwörungstheorien.

Dabei ist es völlig egal, um welchen Glaubensinhalt es geht, das grundsätzliche Reaktionsmuster ist immer das gleiche. Die Gläubigen leugnen rundweg ab.

Nein, ich meine nicht nur das Klima, bei dem die Gläubigen den Einfluss aller natürlichen Faktoren, die schon wirkten, als die Menschen noch viel weniger waren und fast kein CO2 emittierten, schlicht leugnen, obwohl sich alleine damit das ganze Glaubensgebäude zum Einsturz bringen ließe.

Es ist ebenso die – mit dem Klima verbundene – Energiewende, bei der jegliche Gefahr für die Sicherheit der Elektrizitätsversorgung geleugnet wird, obwohl sich an drei Fingern abzählen lässt, dass der durch die E-Mobilität gesteigerte Strombedarf und der gleichzeitige Abbau der sicher verfügbaren Stromerzeugungskapazitäten (Atom, Kohle) zwangsläufig in den massiven Blackout führen werden, selbst wenn nur eines der Ziele termingemäß erreicht werden sollte.

Seit nunmehr vier Jahren wird jede negative Auswirkung der unkontrollierten Zuwanderung nach Deutschland geleugnet:

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Am Wohnungsmangel und den explodierenden Mieten sind die Vermieter schuld, und Zuwanderung in die Sozialsysteme wird ebenso bestritten wie die Zunahme der Ausländerkriminalität. Jeder Zweifel an der Schwarzen Null trifft auf die Aussage, Millionen schwäbischer Hausfrauen können nicht irren, jede Kritik am Euro wird mit Glaubenssätzen, wie „scheitert der Euro, dann scheitert Europa“ abgewiesen und alle manifesten Lücken in der demokratischen Legitimation der EU-Institutionen werden hurtig weggeleugnet.

Ebenso üben sich die Gläubigen bereits darin, die Existenz einer über die Sprache hinausgehenden, „deutschen Kultur“ und die Existenzberechtigung des eigenen Staates dergestalt zu verleugnen, dass das Eintreten für nationale Interesse der Integration in die Vereinigten Staaten von Europa im Wege stünde.

Ist Ihnen bewusst, dass zu all den hier angesprochenen Themen große Mengen von bis ins Detail durchdachten und ausgearbeiteten kritischen Analysen und konstruktiven Verbesserungsvorschlägen existieren, über die von den Verantwortlichen nie ernsthaft diskutiert wurde?

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass alle diese Fragestellungen von den Rechtgläubigen längst nicht mehr zur Diskussion angenommen, sondern mit nachgerade inquisitorischen Methoden unterdrückt werden?

Die Strategie ist töricht. Das, worüber nicht gesprochen wird, was ausgeblendet oder mit dem Etikett „Lüge“ oder gleich „Hass“ versehen wird, kann zwar der Aufmerksamkeit der Mehrheit der Menschen entzogen werden, aber es verschwindet deshalb nicht. Im Gegenteil: Diese Probleme wachsen und gedeihen prächtig unter den Schutzschilden der Gläubigen.

Diese Verweigerungshaltung, die aus der Unwilligkeit resultiert, eigene Entscheidungen zu hinterfragen und gegebenenfalls zu revidieren, einer Unwilligkeit, die wiederum von der Sorge genährt wird, der politische Gegner könnte politisches Kapital daraus schlagen, ist im Grunde nichts anderes als eine erbärmliche, verantwortungslose Feigheit und jener Fatalismus, der seit jeher in der Einstellung: „Nach uns die Sintflut!“, zum Ausdruck kommt.

Mehr will ich den gläubigen Leugnern gar nicht unterstellen, bzw. zubilligen. Weder Dummheit, denn dafür sind sie zu erfolgreich aufgestiegen, noch böse Absicht, denn zur bösen Absicht dieses Umfangs bräuchte es dämonische Größe.

Zuerst erschienen auf EGON-W-KREUTZER-de

 

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.