Egon W. Kreutzer fragt bei Notre-Dame nach dem Zweck des Feuers

Von 23. April 2019 Aktualisiert: 23. April 2019 14:36
Unsinnig erscheint eine große Katastrophe, wenn die Verantwortlichen – noch während die Feuerwehrleute mit den Löscharbeiten beschäftigt sind, ohne dass auch nur ein Brandsachverständiger in die Nähe der Unglücksstelle gekommen ist – verkünden, es handle sich sicherlich nicht um Brandstiftung.

Als in Berlin der Reichstag brannte, lag der Zweck darin, Gesetze zur Festigung der Inneren Sicherheit erlassen zu können. Schon am nächsten Tag wurde die „Reichstagsbrandverordnung“ erlassen, „zur Abwehr kommunistischer und staatsgefährdender Gewaltakte“.

Als die Twin Towers und ein Nebengebäude des WTC einstürzten und „irgendetwas“ ein Loch ins Pentagon riss und irgendetwas eine sehr tiefe Furche in einem Acker in Pennsylvania hinterließ, konnte endlich der „War on Terror“ weltweit beginnen.

Katastrophen, die einen Nutzen hatten, sind in der Geschichte nicht selten. Die Versenkung der Lousitania gehört ebenso dazu, wie der zweckmäßigerweise zugelassene japanische Angriff auf Pearl Harbour.

Das Ergebnis war jeweils eine günstige Stimmung in der Bevölkerung, die mehrheitlich dazu gebracht werden konnte, sich GEGEN etwas zu stellen und den Kampf gegen dieses Etwas zu befürworten. Gegen Kommunisten, gegen Brandsachverständiger, gegen das Deutsche Reich, gegen die Japaner …

Es fällt auf, dass die Massen – und diesen Begriff wähle ich bewusst in Anlehnung an Le Bon – sich um so leichter mobilisieren lassen, je deutlicher man ihnen einen gemeinsamen Feind präsentiert.

Miteinander gegen etwas zu sein, fällt dem Menschen offenbar sehr viel leichter, als miteinander für etwas zu sein. Betrachten wir alle größeren Bewegungen im Nachkriegsdeutschland, dann gab es erhebliche Widerstände gegen die Wiederbewaffnung, gegen die Notstandsgesetze, gegen die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf, gegen die Startbahn West, gegen den NATO-Doppelbeschluss und derzeit befinden wir uns mitten in der Massenbewegung gegen Diesel, CO2 und Feinstaub.

Wer je für etwas war, hatte immer einen viel schlechteren Stand. Willy Brandt und die Ostverträge wurden nicht von begeisterten Pro-Demonstrationen begleitet, und selbst wo die Ziele positiv formuliert sind, funktioniert nichts ohne das Feindbild, das diesen Zielen im Wege steht und daher abgeräumt werden muss.

Wie wäre die Refugees-Welcome-Aktion wohl verlaufen, hätte man sich nicht von Anfang an GEGEN die Nazis in Stellung bringen können, wie das bayerische Volksbegehren zum Natur- und Artenschutz „Rettet die Bienen“, hätte man nicht mit der Landwirtschaft ein ganz klares Feindbild vor Augen gehabt?

Zerstören ist immer einfacher als aufbauen. Das ist eine Kinderzimmer-Weisheit. Wenn kaputtgemacht ist, was als störend empfunden wird, ist die Sache erledigt. Danach wird alles von ganz alleine gut. Wer jedoch etwas aufbauen will, und tatsächlich damit beginnt, wird sich vor Kritik und Widerspruch kaum retten können, es sei denn, er kann einen Feind vorweisen, gegen den sein Werk gerichtet ist. So sind die christlichen Missionare hinausgezogen in alle Welt, mit dem Teufel als Feind, um die Heiden – zur Not mit Gewalt – zu erretten.

Nennen wir es den dieser Welt innewohnenden, sie absolut prägenden Dualismus, in dem noch nicht einmal ein Loch für sich alleine existieren kann, ohne den „Stoff“, in dem es sich befindet.

Das Loch und seine Umgebung können zwar durchaus über lange Zeit friedlich koexistieren, doch bieten sie grundsätzlich jede mögliche Chance, einen Konflikt daran zu entzünden, wobei es am einfachsten ist, Loch Loch bleiben zu lassen, und die Umgebung des Loches ebenfalls so hinzunehmen, wie sie ist, sondern, statt für die Schließung des Loches zu plädieren, lieber den Verursacher, den Schöpfer des Loches ausfindig zu machen und ihn zum Feind zu erklären, auf dass er nie mehr ein Loch reißen könne.

Dass Schuldige benannt und verfolgt werden, während zum Beispiel der ausgebrannte Reichstag einfach als Ruine achtlos liegen gelassen wird, das ist der Zweck vieler großer inszenierter oder billigend in Kauf genommener Katastrophen gewesen, weil nur die Katastrophe den zündenden Funken für die Beeinflussung der Massen bietet.

Da kann ein Innenminister noch so oft erklären, Polizei und Geheimdiensten sei es gelungen, einen oder mehrere Anschläge zu verhindern – das hat praktisch überhaupt keine Wirkung und erzeugt kein Feindbild.

Ebenso unsinnig erscheint eine große Katastrophe, wenn die Verantwortlichen – noch während die Feuerwehrleute mit den Löscharbeiten beschäftigt sind, ohne dass auch nur ein Brandsachverständiger in die Nähe der Unglücksstelle gekommen ist – verkünden, es handle sich sicherlich nicht um Brandstiftung.

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Eine solche Behauptung kann eigentlich nur aufstellen, wer im Besitz privilegierten Wissens ist und dieses zu verheimlichen versucht.

Natürlich gibt es daneben noch eine Reihe anderer Erklärungsmöglichkeiten, doch auch die beruhen auf privilegiertem Wissen, das ausgespielt wird, zum Beispiel auf einem Wissen, das die Dienste vermittelt haben könnten, dass Frankreich kurz vor einem Bürgerkrieg steht, der nur mit äußerster Zurückhaltung noch vermieden werden kann, weshalb die sicherste Erklärung die „Selbstentzündung“ gewesen wäre. Allerdings sind „die Bauarbeiten“ und der unglaubwürdige „Kurzschluss“ als Auslöser doch wenigstens ein bisschen wahrscheinlicher.

Nehmen wir an, der Brand sei tatsächlich zweckfrei entstanden

Dann sehen wir einen Präsidenten der Republik, der trotz der einzigartigen Gelegenheit nur sehr bescheidene Anstrengungen unternommen hat, aus der „nationalen Katastrophe“ politisches Kapital zu schlagen. Wiederaufbau binnen fünf Jahren, schöner denn je zuvor, und innerhalb kürzester Zeit, rund eine Milliarde Spenden aus der französischen Oberschicht eingesammelt, dss erweckt keine „Bewegung“, die die Franzosen im Kampf gegen weitere Schäden, im Kampf gegen die Finanznot beim Wiederaufbau einen könnte, wie das zumindest teil- und zeitweise mit der Dresdner Frauenkirche gelungen ist.

Kaum eine Woche nach dem Brand ist für die Öffentlichkeit alles so paletti, dass sich Frankreich getrost zurücklehnen und abwarten kann, bis Notre-Dame wieder ein Dach hat.

Der 23. Samstag mit Gelbwesten-Protesten hat folgerichtig gezeigt, dass Notre-Dame neben den Problemen der „kleinen Leute“ ziemlich bedeutungslos geblieben ist. 60.000 Polizisten und Gendarmen waren aufgeboten, um die Demonstrationen unter Kontrolle behalten zu können. Die Live-Bilder aus Paris vom Samstag erweckten bei mir den Eindruck, dass das Verhältnis von Demonstranten zu Ordnungshütern mindestens bei 5 : 1 gelegen haben muss.

Wobei mir eine neue Taktik der Polizei aufgefallen ist. Immer wieder rannte aus den Reihen der Polizei am Rande der Demonstration ein halbes Dutzend der schwarzen Kampfameisen über zwanzig, dreißig Meter los, um einen einzelnen Demonstranten anzuspringen, ihn zu Fall zu bringen, auf diesem herumzusteigen, um ihn schließlich im festen Griff in Richtung auf die Polizei-Armada abzuschleppen. Blaue Flecken sind das Mindeste, was den armen ausgeguckten Opfern als Erinnerung bleiben wird.

Zu der ersten Frage, warum der Katastrophe keine Schuldzuweisung, kein sauber präpariertes Feindbild folgte, gesellt sich nun die zweite: Warum hat Macron nichts daraus gemacht?

Ich biete drei Erklärungen an:

  1. Es hat Macron tatsächlich kalt und vollkommen unvorbereitet erwischt. Von Emotionen übermannt war er weder willens, noch in der Lage, die Katastrophe in irgendeiner Weise zu instrumentalisieren. Dass ausgerechnet Notre-Dame Ziel eines Anschlags gewesen sein könnte, war ihm vollkommen unvorstellbar. Seine Reaktionen waren die Reaktionen des Bürgers Macron, und bis er als Präsident wieder aus dem Albtraum erwachte, war die Chance, etwas daraus zu machen, schon lange verflogen.
  2. Nach vielen vorangegangenen Kirchenschändungen und Brandstiftungen in jüngster Zeit, die vermutlich von islamistischen Feinden des Christentums verübt wurden, fürchtete Macron unkontrollierbare Reaktionen der Franzosen, sollte dieser große Anschlag öffentlich den Islamisten zugeschrieben werden. Noch mehr Unruhe, als sie von den Gelbwesten sowieso schon ausgelöst wird, konnte er absolut nicht gebrauchen und hat sich daher ohne Kenntnis der wahren Ursachen/Verursacher entschieden, jeglichen Verdacht einer Brandstiftung von vornherein auszuschließen und, um nicht selbst zum Ziel von Verschwörungstheorien zu werden, ansonsten kein zusätzliches Kapital daraus zu schlagen.
  3. Es ist etwas schiefgegangen. Womöglich ist der Brandstifter, der der Öffentlichkeit präsentiert werden sollte, auf bisher ungeklärte Weise rechtzeitig entwischt, ohne wenigstens ein Bekennerschreiben und seinen Pass im Brandschutt zu hinterlassen. Die vorbereitete Schuldzuweisung konnte mangels beweiskräftiger Leiche nicht verwendet werden – und jede Äußerung eines Verdachts in Bezug auf einen Anschlag, könnte vollkommen unerwünschte Nachforschungen auslösen, die wiederum neue Probleme aufwerfen könnten.

Die Zeit wird zeigen, wie der Brand in Paris endgültig eingeordnet werden muss.

Der Artikel erschien zuerst bei

Egon W. Kreutzer ist Unternehmensberater, Autor und Verleger

 

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.