Frankreich: Die Angst des Tormanns

Von 3. Dezember 2018 Aktualisiert: 3. Dezember 2018 15:13
Das grelle gelbe Pfeifen ist nicht mehr zu überhören. Und Macron ist nicht der abgebrühte Tormann, der das Weiße im Auge des Elfmeterschützen erspäht und seinem Blick wie ein Fels in der Brandung trotzt.

Angst. Putin hat keine. Zumindest tut er so. Merkel scheint von Haus aus resistent gegen Angst zu sein, wenn auch aus absurdesten Gründen.

Nur Macron, der kleine Emmanuel, steht bang zwischen weit voneinander entfernten Pfosten in einem nationalen Tor, das immer heftiger beschossen wird. Doch es sind keine Bälle, die sein Gehäuse bedrohen, sondern Wutwellen seines aufgebrachten Bürgertums. Der Tormann ist die letzte „Instanz“ vor dem großen Sturm. Seine Angst entscheidet darüber, ob das Europäische Spiel verloren geht.

In Merkels Teutonia, dem oberflächlich noch bravsten Euro-Land, kommt die jüngste französische Misere noch immer nur am Rande vor. Dass Paris mindestens schon flackert, vielleicht bald ganz brennt – noch vor Italiens im Müll versinkenden Metropolen – und damit das Frankreich der morschen Eliten, ist den deutschen Leitmedien nur ein paar Zeilen wert; im Fernsehen wird gar so getan, als würden eben nur ein paar Wirrköpfe mal wieder die Champs Elysee „ein bisschen“ verwüsten, nach altgewerkschaftlicher Streikherrenart. Selbst über größtenteils total islamisierte Banlieues, jene trostlosen Vorstädte im Stil von Ghettos der 70-er Jahre, die der einstmalige Präsident Sarkozy sogar schon einmal „auszuräuchern“ gedachte, hören wir nur mit feuilletonister Leichtigkeit versprühte Kommentare, obgleich auch hier schon „die Hütte brennt“. Und zwar heftig.

Ein anonym gebliebenes Regierungsmitglied im Kabinett Macron hat sogar schon hinter vorgehaltener Hand davon gesprochen, dass – wenn die schwarz-arabischen Migranten-Quartiere von Paris, Marseille und Lyon „gar auch noch implodieren“ sollten – das Land dann rat- und hilflos sei, weil man für erforderliche Gegenmaßnahmen gar „nicht genügend Leute“ habe.

Merkels maroder Regierungsflieger scheint jedenfalls hierzulande mehr Kopfzerbrechen zu bereiten, als die heraufziehende Katastrophe in Frankreich, wo der kleine Präsident mit den großen Träumen bereits mit dem Rücken an der Wand steht. Und er zeigt Nerven, wenn auch nicht für jedermann sichtbar.

Macron ist nicht der abgebrühte Tormann, der das Weiße im Auge des Elfmeterschützen erspäht und seinem Blick wie ein Fels in der Brandung trotzt.

Dass nun mehr und mehr vermummte Krawallmacher sich unter die standhaften „Gelbwesten“ mischen und durch sinnlose Zerstörung noch mehr Gewalt von Seiten der Polizei provozieren, diskreditiert natürlich die Reihen der Demonstranten und verschafft Macron auch noch eine kurze, doch nur fordergründig politische Atempause. Denn er steht so schlecht da, wie noch nie ein Präsident Frankreichs. Selbst der introvertierte François Hollande hatte allerdings zum Schluss noch ein bisschen mehr Zustimmung, als derzeit Emmanuel Macron. Und das nach diesem „Hype“ um den smarten Senkrechtstarter, der einen neuen Aufbruch Frankreichs in das 21. Jahrhundert verkündete und sich als Retter Europas inszenierte.

Hätte er sich mal besser gleich um die wirklichen Nöte seiner Landsleute gekümmert.

Die Verwerfungen in Frankreichs Staatsgebilde sind in der Tat eklatant. Frankreich ist pleite. Das auf Kosten der Steuerzahler nur ansatzweise zu überwinden, hat Macron den massiven Zorn fast aller beschert. Seine vermeintliche Freundin Angela hilft ihm jedoch auch nicht aus der Patsche, auch nicht via Europäische Union – was er gleich anfangs leicht durchschaubar, allerdings erfolglos, versucht hat. Das war – ergo – vorauszusehen. Nun kann Emmanuel das grelle Pfeifen nicht mehr überhören.

Er steht ziemlich hilflos im eigenen Tor, während die globalen Spieler, die den Platz wirklich beherrschen, sich über ganz andere Regelverstöße streiten. Nun schlagen schon die ersten Querflanken ein. Die Angst des Tormanns ist eine schreckliche Liaison aus Beklemmung und panischem Entsetzen. Sie pocht im Hirn wie der Hammer auf den Amboss.
Wenn dieser Keeper, der doch Kapitän sein wollte, in den Schlamm fällt, wird sich das Mitleid in Grenzen halten.

Joseph-Emich Rasch – Jahrgang 1953 – ist Linguist, Dramaturg und Kolumnist, schrieb und inszenierte diverse Theaterstücke sowie zahlreiche Satire-Programme, wandte sich im vergangenen Jahrzehnt vermehrt der Analytischen Philosophie zu. Er ist Dozent für Kommunikation, Rhetorik und Dialektik.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.
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