Gadamers Zwischenruf: Der Kampf der Öffentlich-Rechtlichen gegen Björn Höcke

Von 18. September 2019 Aktualisiert: 18. September 2019 15:24
Natürlich kann man Höcke als einen aus westlicher Sicht versponnenen Nationalromantiker abtun und ihn deshalb, wie es praktisch alle Medien tun, verteufeln. Aber das ist eben nur die westlich-politische Mainstream-Sicht.

Es ist schon seltsam, mit welchen demagogischen Mitteln die Vertreter einer demokratischen Partei ins Abseits gestellt werden. In einem ZDF-Interview mit Björn Höcke kam es zum Eklat, bei dem Höcke das Interview abbrach.

Als Einspieler wurden Parteikollegen aus der AfD gefragt, ob zwei Zitate aus Hitlers „Mein Kampf“ oder von Höcke stammten. Die Absicht ist klar: Um ein maximales Feindbild zu generieren, wurden Hitler und Höcke als austauschbar dargestellt.

Nun sollte man denken, auf dies durchsichtige Spiel lässt sich nicht einmal ein halbintelligenter AfD-Parlamentarier ein. Aber weit gefehlt. Gerade die, von denen man ein Maximum an Misstrauen gegenüber den Mainstream-Medien erwarten sollte, stellten sich am naivsten an.

Man stelle sich einfach als Gegenprobe vor, Grüne/Linke wären gefragt worden: Ist dieses Zitat von Stalin oder von Hofreiter/Kipping. Man stelle sich vor, man fragte danach, ob Zitate von Mao Tse Dong oder von Kevin Kühnert kämen. Oder man stelle sich vor CDU-Parlamentarier würden gefragt, ob folgende Zitate von Kanzlerin Angela Merkel oder von ihrem ehemaligen Vorsitzenden Erich Honecker stammten.

Dann stelle man sich den medialen Aufschrei vor, der zurecht von dieser demagogischen Versuchsanordnung ausginge. Das Blätterrauschen würde zu einem gewaltigen Sturm eskalieren, der die verantwortlichen Journalisten augenblicklich hinwegfegen und für immer zu einer Persona non grata erklärten.

Wahrscheinlich hätten schon vorher die befragten Parlamentarier diese Frage als Unverschämtheit erkannt und sich diese als eine freche Unterstellung verbeten. Dass dies die AfD-Abgeordneten nicht tun, lässt sich schwer erklären. Es gehört schon eine große Naivität dazu, die Tendenz dieser Fragestellung nicht zu durchschauen und dies sofort offen zur Sprache zu bringen.

Vielleicht trägt zur Naivität der AfDler bei, dass der ZDF-Interviewer das Zitate-Raten als einen Spaß darstellte und die Abgeordneten deshalb mit lautem Lachen antworten. Aber in diesem Augenblick hatten sie sich schon auf das infame Spiel des ZDF-Mannes eingelassen und damit verloren.

Natürlich spielt Höcke bewusst mit Begriffen wie „Lebensraum“ und „Entartung“. Ihr Gewicht bekommen derlei Begriff aber erst durch die immerwährende Empörungsbereitschaft der politisch korrekten Sprachwächter.

Natürlich kann man Höcke als einen aus westlicher Sicht versponnenen Nationalromantiker abtun und ihn deshalb, wie es praktisch alle Medien tun, verteufeln. Aber das ist eben nur die westlich-politische Mainstream-Sicht.

Im Osten sieht das ein erheblicher Teil der Bevölkerung anders. Da ist eben Höcke der Held und die westlichen Medien ein versponnenes Geflecht, dessen Ziel es ist, abweichende Meinungen medial hinzurichten. Anstatt nun aber diese Spaltung zu überwinden, versuchen Mainstream-Medien diese Spaltung weiter zu vertiefen. Und da sie sich in der Deutungshoheit wähnen, versuchen sie im Dienste des Guten den „Ost-Nazi“ zu entlarven und dann abzuservieren.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey sprach im „ZDF-Mittagsmagazin“ sogar von einem „vorbildlichen Interview“. Er übte keine Selbstkritik, sondern forderte die AfD auf, sich dazu zu positionieren, dass Höcke einem Journalisten mit „massiven Konsequenzen“ droht. Allerdings ließ Frey den zweiten Teil des Höcke Zitats weg. Höcke hatte mit massiven Konsequenzen gedroht, die sich auf das Vertrauensverhältnis zwischen AfD-Politikern und Medien auswirken würden. Diesen letzten Teilsatz ließ Frey weg, anscheinend um damit ein falsches Bild zu erzeugen. Auch hier ist die Absicht zu diffamieren mit Händen zu greifen. Wenn hier „Lügenpresse“ gerufen wird, braucht sich niemand zu wundern.

Höcke weiter: „Es geht doch darum, das spüren Sie doch auch, dass wir mittlerweile in einem Stadium angekommen sind, wo Politiker und Journalisten nicht mehr offen miteinander reden können, weil man das Gefühl hat als Politiker, ich rede jetzt einmal als AfD-Politiker, dass der Journalist nicht mehr neutral ist, sondern dass er irgendwie einen politischen Auftrag exekutiert.“ …

Dann spricht Höcke von typischen Verhörsituationen, denen er sich ausgesetzt sieht. Nun ja, es ist klar, dass Politiker heute mehr oder weniger kritisch interviewt werden. Merkel-Kritik in Interviews findet praktisch gar nicht statt. Dagegen geht es bei allen AfD-Interviews um Demaskierung und Entlarvung. Diese Doppelstandards fallen nicht nur Höcke auf.

Hatespeach von den Hatespeach-Bekämpfern. Populismus pur von den Anti-Populisten. Aber darauf fällt auch nur die bisher eingeschworene Anti-AfD-Front herein. Jeder etwas aufgeklärte Denker wendet sich mit Graus, und eingeschworene AfD-Wähler fühlen sich wieder einmal bestätigt. Soviel also zum „aufklärerischen“ Fernsehen, das diesen Pfad schon längst verlassen hat und seine Propaganda-Kampagnen gegen missliebige Personen fährt.

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Ähnlich bösartige Unterstellungen sind auch Politikern nicht fremd. So hatte Lafontaine gegenüber Helmut Schmidt im „Stern“ gesagt, mit den von Schmidt gelobten Sekundärtugenden „Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit“ könne man „auch ein KZ betreiben“. Helmut Schmidt zahlte es ihm später in „Bild am Sonntag“ mit gleicher übler Münze zurück, als er sagte: „Auch Adolf Nazi war ein charismatischer Redner. Oskar Lafontaine ist es auch.“ Dies ist auch bei politischen Gegnern eine inakzeptable Polemik.

Aber demagogische Tricks als Teil einer antidemokratischen Propaganda sind von einem zur Neutralität verpflichteten öffentlichen Medium, wie das ZDF es ist, völlig inakzeptabel.

Autor Klaus-Jürgen Gadamer, Journalist und Buchautor

In seinem Buch „So fremd, so vertraut“ schildert K.-J. Gadamer unterhaltsam die Unterschiede zwischen westlicher und östlicher Kultur. Zum Multi-Media-Buch gibt es unter gadamers-reisen 19 Fotoshows und Filme.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.