Islamophiles Framing – Ein Kommentar

Von 1. Mai 2019 Aktualisiert: 1. Mai 2019 13:54
Framing ist ein seit langem in der Kommunikationswissenschaft gängiger Begriff – es gibt umfangreiche seriöse Fachliteratur hierzu. Inzwischen spricht es sich in weiten Kreisen herum. Der Autor und Orientalist Dr. Alfred Schlicht zeigt Beispiele.

Erst seit Frau Elisabeth Wehling auf ‚Framing-Tour’ durch die Talkshows der Republik tingelt, von den Redaktionen herumgereicht wird und die Selbstvermarktung ihres Buches zu dem Thema zunehmend erfolgreich gestaltet, haben auch die Frau und der Mann aus dem Volk – also etwa auch die ARD-Redaktionen und die  Skribenten einschlägiger Organe – sich ‚Framing’ , das Wort und was sich [vermeintlich] dahinter verbirgt, zueigen und nutzbar gemacht.

Framing, so wollen sie den unbedarften Medienkonsumenten suggerieren, ist eine besonders perfide Methode der Rechtspopulisten, ihre kruden und dumpfen Scheinwahrheiten unters Volk zu bringen.

Die Hypothese, dass dort das Toolkit des Framing relativ oft zum Einsatz gelangt, ist auch nicht ganz von der Hand zu weisen – ein Monopol auf ‚Framing’ haben die Rechtspopulisten indes keineswegs. Auch in der rotgrünen Meinungsindustrie ist Framing seit längerer Zeit [schon vor der Terminus als solcher Gemeingut wurde] gängiges Instrument der Konstruktion von ‚Wahrheiten’.

Wenn etwa nicht sehr frauenfreundliche Züge des Islam hervorgehoben werden, wird konstatiert, auch das Christentum sei nicht immer frauenfreundlich gewesen und habe die Rechte der Frauen erst ziemlich spät anerkannt.

Wenn man dann darauf hinweist, dass selbst in der Gegenwart Imame in deutschsprachigen Publikationen das Recht des Ehemannes, seine Frau zu schlagen, geltend machen [selbst der erzkonservativste katholische Kardinal käme nie auf eine solche Idee], dann „sollen Muslime und Frauen gegeneinander ausgespielt werden.“

Ein besonders schönes Beispiel für Framing war die Berichterstattung in der Saarbrücker Zeitung’, die dann vom SPIEGEL übernommen wurde, über eine Anfrage der AfD nach den Vornamen von Messerstechern im Saarland.

Triumphal konnte man verkünden: Die Mehrzahl der Messerstecher hat urdeutsche Vornamen – jawoll! Hieraus wurde dann die Essenz geframet, dass Messerstecher ja wohl zumeist ‚Biodeutsche’ seien. Wohl kein Wunder, sondern eine Plattitüde – angesichts von 90 Prozent ‚Deutschen’ in der Gesamtbevölkerung.

Das Dumme war nur, dass nicht alle Leser auf diese durchsichtige Argumentation hereinfielen. Ein Lob der ‚Saarbrücker Zeitung’, dass sie die entsprechenden Richtigstellungen publizierte. Um ein korrektes Ergebnis zu erhalten, muss die Zahl der Muslime oder Flüchtlinge oder ‚Syrer und Afghanen’ in Relation gesetzt werden zur Zahl der Messerstecher aus den jeweiligen Gruppen. Und einige Leser haben das konkret unter Zugrundelegung offizieller Zahlen vorgerechnet.

Siehe da! Es zeigte sich, dass die Zahl der Messerstecher unter den Flüchtlingen unverhältnismäßig hoch ist. Wer hätte das gedacht!

Wurde dies nicht immer mit skurrilsten Begründungen bestritten?

[Die 2015 gängige Legende von den ’Fachkräften’, die vorwiegend zu uns kommen, hat man in letzter Zeit allerdings kaum mehr gehört.]

Framing vom Feinsten auch anlässlich des muslimischen Massakers auf Sri Lanka. Herausragendes Beispiel die ARD Tagesschau-Ausgabe um 18h30 vom Ostersonntag: Kein Wort davon, dass es wahrscheinlich muslimische Extremisten waren, die Hunderte von Christen liquidierten. Nein, die Berichterstattung wurde in den Rahmen des Bürgerkriegs in Sri Lanka gestellt, der vor längerer Zeit dort getobt hatte, aber schon vor Jahren beendet worden war.

Viele Jahre alte Interviews mit damaligen VN-Generalsekretären wurden gezeigt, tamilische Guerilleros bemüht, Terror aus dem damaligen Kontext wurde aus der Mottenkiste gezogen. Zur gleichen Zeit sprachen seriöse Medien, BBC und CNN, die Wahrscheinlichkeit eines islamistischen Anschlags offen an und legten auch dar, dass die Anschläge auf Sri Lanka der Typologie von IS-Anschlägen in Vielem entsprachen.

Das erinnert an den Abend des Attentats auf dem Breitscheidplatz: Bis in die Nacht hinein schwadronierte der Slomkanal [vulgo ZDF] damals, es sei noch nicht mit letzter Sicherheit auszuschließen, dass man es nicht doch mit einem Verkehrsunfall zu tun habe. Auch damals sprachen BBC und CNN längst schon von islamistischem Terror.

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All das ficht die islamophilen Framing-Experten in keiner Weise an. Wenn sie auf unliebsame Fakten treffen, die beim besten Willen nicht bestritten und weggeschwafelt werden können, dann wird eben die Nennung solcher Tatsachen als „nicht hilfreich“ abgewertet. Freilich:

Die Realität ist ‚nicht hilfreich’ für die, die sie nicht wahrhaben wollen, weil sie der eigenen Ideologie widerspricht.

Dr. Alfred Schlicht ist Orientalist und arbeitete viele Jahre im Nahen Osten. Zu seinen Werken gehören u.a. „Die Araber und Europa. 2000 Jahre gemeinsamer Geschichte“ (Kohlhammer 2008) und „Geschichte der arabischen Welt“ (Reclam 2013). Sein Buch „Gehört der Islam zu Deutschland?“ erschien 2017 in Zürich (Orell&Fuessli)

 

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.