Jeder wird in seinem Leben Schwierigkeiten haben. Wenn man gegen diese Tatsache ankämpft, macht man sich das Leben nur unnötig schwer.Foto: iStock

Je härter das Leben wird, desto entspannter müssen wir sein

Von 24. Juli 2021 Aktualisiert: 24. Juli 2021 11:17
Wenn wir verspannt auf Schicksalsschläge reagieren, machen wir unser Leben nur schwerer, als nötig. Entspannt bleiben, heißt die Devise.

Wenn das Leben hart wird und die Dinge schieflaufen, ist die unlogischste und scheinbar unmöglichste Entscheidung, sich zu entspannen und alles, was passiert, leicht zu nehmen. Denn schließlich, warum sollten wir uns entspannen, wenn wir uns fühlen, als würden wir die Kontrolle über unser Leben verlieren?

Wenn Schwierigkeiten auftauchen, stemmen wir uns gegen sie. Unser Widerstand ist eine Art zu sagen, dass wir mit der Realität nicht einverstanden sind und etwas anderes haben wollen. Leider funktioniert das Leben nicht auf diese Weise, und diese Gefühle des Unbehagens helfen nicht.

Nicht gegen die Realität ankämpfen, …

Mit vier gebrochenen Knochen in meinem Fuß fahre ich momentan mit einem Knie-Rollator durch New York. Wie Sie sich vielleicht vorstellen können, ist die Fahrt holprig.

Mein Rollator ist kein Mountainbike, seine Räder sind klein und zerbrechlich. Es braucht nicht mehr als einen Zweig oder einen Kieselstein, um ihn umzuwerfen. Ich bin schon viele Male hingeflogen und auf meinem gebrochenen Fuß gelandet – unerträgliche Schmerzen inklusive.

Mit zunehmender Erfahrung als „Rollator-Pilotin“ ist mir etwas Wichtiges aufgefallen, was die Fahrt schwieriger macht: Je unebener die Straße, je unsicherer mein Weg war, desto fester umklammerte ich den Lenker.

Ich spannte meinen Körper an und stemmte mich gegen die Erschütterungen meines kleinen Fahrzeugs. Ich wurde steifer – sowohl in meinem Körper als auch im Geist.

Da ich mich dauerhaft anspannte und meine Muskeln zusammenzog, bekam ich einen krampfenden oberen Rücken und verspannte Brustmuskeln, die ein tiefes Durchatmen unmöglich machten.

Nach einer Weile bemerkte ich jedoch, dass ich nicht umkippte, wenn ich bei Unebenheiten meine Hände öffnete und meinen Griff lockerte. Ich lernte, meinen Oberkörper zu entspannen, während der Rollator sich in dem unebenen Gelände selbst richtigstellte.

Ich musste das Holpern, Neigen und Schütteln einfach geschehen lassen. Der Rollator würde sich anpassen und seinen Weg finden, ohne dass ich dagegen ankämpfen müsste oder mir auf dem Weg irgendetwas anderes brach.

Das brachte mich zu einer wichtigen Erkenntnis: Wenn es im Leben brenzlig wird, neigen wir dazu, uns dagegenzustemmen und zu versuchen, es zu kontrollieren.

Wenn wir unseren Job verlieren, der Arzt mit schlechten Nachrichten anruft oder eine Pandemie eintrifft, spannen wir unseren Geist und Körper an, um dagegen anzukämpfen.

Je schwieriger das Leben wird, desto fester klammern wir uns an das, was wir kennen – was oft ein imaginäres Gefühl von Sicherheit und Beständigkeit ist. Wir klammern uns an eine Vorstellung von dem, was wir hatten und was wir verlieren werden.

Je mehr Flexibilität das Leben fordert, desto starrer werden wir – und desto mehr leiden wir.

… denn die Realität gewinnt immer

Wenn das Leben uns mit einem harten Ball mitten am Knie trifft, leiden wir unter unserer zertrümmerten Kniescheibe sowie unter dem Gedanken, dass uns das nicht hätte passieren sollen.

Wir „sollten“ nicht am Knie getroffen werden, das haben wir nicht verdient, das ist nicht das Leben, das wir haben wollten. Wir bleiben in der Vorstellung stecken, wie unser Leben aussehen „sollte“.

Wir kämpfen gegen die Realität an, doch die Realität hat kein Interesse an unseren Protesten – und die Realität gewinnt immer.

Wenn Schwierigkeiten auftauchen, werden wir vorübergehend aus unserer Illusion gerissen, dass wir auf magische Weise vor schwierigen Zeiten geschützt wären.

Doch anstatt dies zu akzeptieren, bilden wir uns weiterhin ein, die Schwierigkeiten würden nur uns geschehen und sie hätten es auf uns abgesehen.

Wir fühlen uns, als würden wir bestraft, ungerecht behandelt und dessen beraubt werden, was wir verdient hätten. Wir fühlen uns, als würden uns Schwierigkeiten belasten, die wir „nicht“ ertragen sollten. Die Folge: Wir leiden mehr.

Die Lösung: Die Realität akzeptieren

Wie sieht es also aus, wenn wir im wirklichen Leben unseren Griff am Lenker lockern? Wie können wir über die Unebenheiten auf unserer Lebensstraße rollen, ohne uns zu verspannen?

Zuerst sollten wir aufhören, mit der Wahrheit zu kämpfen. Wir lassen die Vorstellung los, dass dies nicht sein kann. Ob wir es wollen oder nicht, dies ist unsere Realität.

Die Unebenheiten sind da. Das bedeutet nicht, dass wir die Unebenheiten mögen oder aufhören sollten, alles zu tun, um sie auszubessern.

Doch je früher wir unsere Realität akzeptieren, desto eher können wir anfangen, uns an sie anzupassen und uns in ihr zurechtzufinden.

Mehr als alles andere müssen wir diese gefährliche und schädliche Vorstellung loslassen, wie unser Leben sein „sollte“. Wir müssen erkennen, dass unser Leben nicht von Natur aus anders als alle anderen Leben und irgendwie vor Schmerz geschützt sei.

Wir haben keinen Anspruch auf ein Leben ohne große Unebenheiten.

Ein ruhiges und leichtes Leben ohne große Härten haben zu wollen, ist natürlich und gesund. Doch sich zu quälen und sich durch die Tatsache bestraft zu fühlen, dass unser Leben wie andere Leben – mit all ihrem Leid und Kampf – ist, heißt, uns zu zwingen, mehr als nötig zu leiden.

Das menschliche Leben schließt Härte mit ein. Sie sind ein Mensch. Den Rest können Sie sich denken.

Schwierigkeiten machen uns stärker

Unseren Griff um den Lenker zu lösen, erfordert Akzeptanz. Diese Unebenheiten oder Risse auf unserem Weg sind nicht etwas, das wir kontrollieren können; das geht weit über uns hinaus. Was sie hier sollen, warum das Universum sie uns in den Weg legte, werden wir vielleicht nie erfahren.

Vorwärtszugehen beinhaltet den tiefgreifenden Schritt des Loslassens. Wenn wir uns wirklich der Tatsache hingeben, dass wir diese Herausforderung nicht wegwünschen, wegbeten, wegplanen, wegwischen oder wegreden können, treten wir mit einer anderen Art von Gelassenheit den Weg zu einer sanfteren Fahrt an.

Um Schwierigkeiten gelassen zu begegnen, gehört auch, die Möglichkeit zu erwägen, dass wir aus diesem holprigen Weg etwas lernen können.

Dieses kaputte Pflaster mag jetzt zwar ein großes und beängstigendes Hindernis sein. Doch etwas in all diesen Turbulenzen kann uns später vielleicht von Nutzen sein und uns helfen, zu wachsen.

Wenn Sie durch Ihr Leben gleiten und auf die Unebenheiten stoßen, die in jedem Leben vorkommen, denken Sie darüber nach, was es Ihnen bringen könnte, Ihren Griff am Lenker zu lockern.

Fragen Sie sich, wie das aussehen würde. Schauen Sie, ob es einen Weg gibt, Ihren Kampf mit der Realität aufzugeben, egal wie sehr Ihnen das auch missfallen mag.

Sicher ist, dass wir, wenn wir uns gegen die Herausforderungen des Lebens stemmen, unsere menschliche Verletzlichkeit ablehnen. Wir kämpfen gegen die Realität an, verspannen weitere Muskeln, brechen weitere Knochen und leiden letztlich mehr, als wir müssen.

Wie unlogisch das auch klingen mag: Wenn wir uns selbst das Geschenk der Ruhe und Akzeptanz machen – wenn wir uns mit unserer Situation abfinden –, bieten wir uns selbst die sanfteste Fahrt auf einem von Natur aus holprigen Weg an.

Stärke und Belastbarkeit sind großartige Eigenschaften. Doch ist es unsere Fähigkeit, uns zu entspannen und nach vorne zu schreiten, wenn das Leben hart wird, die letztendlich unser Durchhaltevermögen und unser Wohl bestimmt.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.


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