Kreutzer: Der Gedanke, man könne als Spender seiner Spende widersprechen, ist blödsinnig

Von 3. April 2019 Aktualisiert: 3. April 2019 14:03
Falls Spahn also mit seiner Widerspruchslösung durchkommen sollte, dann kann von Organspende nicht mehr gesprochen werden, sondern nur noch von Organentnahme.

Entweder ich spende, dann bin ich Spender, oder ich spende nicht, dann bin ich kein Spender. Falls Spahn also mit seiner Widerspruchslösung durchkommen sollte, dann kann von Organspende nicht mehr gesprochen werden, sondern nur noch von Organentnahme.

Diese Verfälschung von Begriffen, die Umkehr von Ursache und Wirkung, ist eine spezielle Form von Lug und Betrug, die zu ersinnen und anzuwenden ein hohes Maß an Energie erfordert. Nein – nicht zwingend krimineller Energie – es kann auch einfach nur Fanatismus, gepaart mit Torheit, sein, oder eine Zwangsneurose, unter Umständen kann es auch darauf zurückzuführen sein, dass jemand Stimmen hört, die ihm Befehle auftragen.

Wer jedoch reinen Herzens ist, wird nicht auf die Idee kommen, einen Bestohlenen als Spender zu bezeichnen, nur weil dieser nicht rechtzeitig in einem eigens dafür eingerichteten Register hat eintragen lassen, dass er jedem Versuch, ihn zu bestehlen, bei notariell beglaubigter, voller geistiger Gesundheit widerspreche.

Niemand käme auf die verrückte Idee, jedwedem Diebstahl prophylaktisch widersprechen zu müssen. Es ist ja auch noch keine Diebesbande auf die Idee gekommen, in ganzseitigen Zeitungsanzeigen einen Raubzug anzukündigen, von dem lediglich verschont bliebe, wer vorher rechtsgültig Widerspruch einlegt.

Alleine die Idee, es könne „Jemandem“ ein Recht auf „Etwas“ solange zugesprochen werden, solange der Eigentümer dieser Rechtsanmaßung nicht widerspricht, ist absurd.

Warum kann und soll es also nicht bei der bisherigen Regelung bleiben? Warum kann und soll es nicht bei der Einverständniserklärung per Organspendeausweis bleiben?

Warum muss der Staat hier immer weiter zu Gunsten der Transplantationsmedizin Partei ergreifen?

Weint Herr Spahn nächtens mit jenen 10.000 Schwerkranken und deren Angehörigen, die auf ein Spenderorgan warten?
Zerfrisst es seine Seele vor Gram, dass er selbst nicht genug Organe in sich trägt, die allen Bedarf decken könnten, wenn er denn einmal hirntot sein sollte, und vor allem, dass er selbst noch nicht hirntot ist?

Entschuldigung, das ist makaber, aber ich muss so drastisch formulieren, um die Verlogenheit der Argumentation deutlich machen zu können.

Worum geht es einem Gesundheitsminister hierzulande primär?

Richtig: Seit Jahrzehnten immer nur um die Kostendämpfung im Gesundheitswesen, soweit, wie möglich, solange die medizinisch unbedingt notwendige Versorgung noch halbwegs gewährt bleibt.

Außerdem geht es dem Gesundheitsminister allerdings um das Wohlergehen der großen Player im Gesundheitswesen, denn die, und insofern denkt der Gesundheitsminister für den Wirtschaftsminister mit, sind ausschlaggebend für das BIP und dessen Wachstum.

Der kleine niedergelassene Allgemeinarzt interessiert den Gesundheitsminister nur am Rande, die vielen kleinen Facharztpraxen sind ebenfalls eher uninteressant. Da kämpft jeder für sich alleine, der eine erfolgreicher, der andere weniger erfolgreich, und wenn einer eingeht, wird ein anderer nachrücken. Denen kann man die Budgets deckeln, man kann ihnen längere Sprechzeiten für Kassenpatienten aufdrücken, man kann überhaupt so ziemlich alles von ihnen verlangen – ihre Lobby ist zu schwach, um sich dem ernsthaft zu widersetzen.

Mit den kleinen Krankenhäusern und Kliniken verhält es sich ähnlich. Hier läuft eher der Versuch, eines nach dem anderen zu schließen, weil die Versorgung der Bevölkerung in den großen „Leuchtturm-Kliniken“ der privaten Krankenhauskonzerne für diese großen Player einfach erst die richtig hohe Auslastung bringt, die erforderlich ist, um die Gewinne sprudeln zu lassen.

Noch wichtiger als die großen Klinikkonzerne sind die großen Pharma-Konzerne. Für diese Pharma-Konzerne wird gerne über eine Impfpflicht nachgedacht. Für diese großen Pharma-Konzerne wird aber auch gerne über eine Widerspruchslösung bei der Organentnahme nachgedacht.

Die Pharma-Konzerne machen nämlich das eigentliche Geschäft – auch bei der Transplantationsmedizin

Die Kliniken selbst haben an Organtransplantationen eher wenig Interesse. Die notwendigen Strukturen und die erforderliche Organisation vorzuhalten ist aufwändig und teuer. Wo nicht wie am Fließband transplantiert werden kann, ist das wirtschaftliche Interesse gering – und der medizinische Nutzen von Organtransplantationen ist zumindest zweifelhaft.

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Was aber viel zu wenig bekannt ist, das ist die Tatsache, dass Menschen, die ein Spenderorgan erhalten haben, lebenslänglich auf Medikamente angewiesen sind, welche die Abstoßungsreaktionen des Immunsystems unterdrücken (Immunsuppressiva). Das ist heute, rein in Bezug auf die Transplantationsmedizin in Deutschland, ein Markt von über 400 Millionen Euro jährlich, alleine die gesetzlichen Krankenkassen haben dafür im Jahr 2017 schon 350 Millionen ausgegeben, für die PKV liegen entsprechende Zahlen leider nicht vor, dürften aber eher deutlich über den 50 Millionen liegen, die ich hier vorsichtig hinzugeschätzt habe.

2018 wurden in Deutschland 955 Organspendern (ohne Lebendspender) 3.113 Organe entnommen. Transplantiert wurden in Deutschland etwas mehr, nämlich 3.264 Organe. Sollte sich die Widerspruchslösung durchsetzen, und tatsächlich die erhoffte Steigerung der Fallzahlen bringen, dann wird der Umsatz mit Immunsuppressiva im Zusammenhang mit Transplantationen steil ansteigen und sich innerhalb weniger Jahre verdoppeln. Dazu muss angemerkt werden, dass es in der Pharma-Industrie nicht anders ist als in der Rüstungsindustrie: Die Entwicklungskosten sind immens, die Herstellungskosten der Medikamente dagegen gering, was bedeutet, dass der Mehr-Umsatz, wenn die Entwicklungskosten eingespielt sind, fast vollständig als ein Mehr-Gewinn verbucht werden kann.

Wo also – über den dicken Daumen gepeilt – ohne weiteres eigenes kostspieliges Zutun jährlich eine halbe Milliarde Gewinn lockt, nur indem der Staat dafür sorgt, dass weniger gefragt werden muss und dafür mehr transplantiert werden kann, wird es an Unterstützung jeglicher Art für ein solches Gesetzesvorhaben nicht fehlen. Da fallen Studien vom Himmel, da scheppert es im Blätterwald, und selbst in den unvermeidlichen Talkshows wird das hohe Lied des Lebens mit gespendeten Organen gesungen.

Dass Menschen mit Transplantaten sich damit ein weitgehend unterdrücktes (zerstörtes) Immunsystem einhandeln, ein stark erhöhtes Krebsrisiko, und zusätzlich die Nebenwirkungen der Immunsuppressiva wie nachstehend beispielhaft für ein bei Organtransplantationen gerne eingesetzten Medikament angegeben, darüber wird öffentlich möglichst nicht gesprochen:

Sehr häufig: Verschlechterung der Nierenfunktion, Bluthochdruck, Zittern (Tremor), Müdigkeit, Missempfindungen (Parästhesien), Zahnfleischgeschwüre, Magen-Darm-Beschwerden (wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Magenschleimhautentzündung), übermäßige Behaarung (Hypertrichose) und Anstieg der Blutfettwerte.

Häufig: Krämpfe, Magengeschwüre, Gewichtszunahme, Anstieg des Blutzuckerspiegels, Akne, Hautausschlag, allergische Reaktionen, Blutarmut, Schwellungen im Gesicht, Störungen der Regelblutung, Gicht.

Betrachtet man den Katalog derjenigen Leistungen, die der Masse der Kassenpatienten vom regulierenden Gesundheitsminister vorenthalten werden, liegt die Frage nahe, ob da nicht zu Gunsten der Profite der Pharma-Industrie im Rahmen der Transplantationsmedizin an der falschen Stelle gespart wird. Letzlich eine ethische Entscheidung, bei der Lebenszeit und Lebensqualität einiger weniger und Lebenszeit und Lebensqualität vieler Patienten gegeneinander abgewogen werden müssen.

Ich habe für mich schon vor langen Jahren nach gründlicher Abwägung aller Aspekte dafür entschieden, dass ich – selbst wenn es nicht ums Geschäft ginge, selbst wenn es keine skandalösen Machenschaften um Spender-Organe gegeben hätte – weder ein Spender-Organ erhalten, noch Organspender sein will. Und gesetzlich zum Ersatzteillager erklärter Hirntoter will ich ganz bestimmt nicht sein.

Die Widerspruchslösung betrachte ich als absolut unzulässigen Übergriff des Staates. Ein entsprechendes Gesetz zur Legalisierung wäre Unrecht.
Blanker Rechtspositivismus ist die Tür, welche der Diktator durchschreiten muss.

Zuerst erschienen auf antides.de

Egon W. Kreutzer ist Unternehmensberater, Autor und Verleger.

 

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.