Symbolbild.Foto: AFP / Getty Images

Abwärtstrend an Chinas Aktienmarkt: Marktregelungen dienen der politischen Kontrolle

Von 29. August 2021 Aktualisiert: 29. August 2021 10:55
Trotz des hohen inländischen Wirtschaftswachstums und des soliden weltweiten Aufschwungs verzeichnet der chinesische Aktienmarkt momentan einen leichten Abwärtstrend.

Der China Securities 300 Index (CSI) liegt 5 Prozent unter dem S&P 500 (Standard & Poor’s). In den letzten fünf Jahren ist er um 51 Prozent gestiegen, was im Vergleich zum S&P 500 (+103 Prozent) zwar beachtliche, aber im Vergleich bescheidene Zahl ist.

Außerdem präsentiert sich der chinesische Aktienmarkt rein optisch minderwertig. Mit dem 12,7-Fachen des geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) von 2021 ist er laut Bloomberg deutlich billiger als die meisten entwickelten Volkswirtschaften und viele Schwellenländer. Warum sage ich also „optisch“? Weil die Bewertung des chinesischen Aktienmarktes wichtige Abschläge enthält, die jeder Anleger berücksichtigt. Politische Risiken und staatliche Eingriffe sind relevante Abschlagsfaktoren, die nicht ignoriert werden können. Das kürzliche harte Durchgreifen in den Bereichen Technologie und Bildung ist ein Beweis dafür.

Die Risiken von politischen und staatlichen Eingriffen erklären einen Großteil des Bewertungsabschlags. Das gibt es nicht nur bei chinesischen Aktien. Diese Risiken sind auch bei den Aktien von Ländern wie Russland, aber auch auf dem spanischen oder italienischen Markt zu beobachten. Es handelt sich nicht nur um behördliche Risiken, die in zahlreichen Sektoren weltweit bestehen. Die Risiken beziehen sich auch auf willkürliche, politisch motivierte und destruktive Eingriffe.

Wenn Politiker die Kontrolle über private Unternehmen übernehmen wollen, werden Gewinnwachstum und Gewinnspannen irrelevant. Hinzu kommt, dass Politiker, die Bilanzen privater Unternehmen für politische Zwecke ausnutzen, potenziell auch die Möglichkeit einer Unternehmensübernahme haben können.

Bei dem jüngsten harten Durchgreifen in China geht es nicht um Ausgleich, sondern um Kontrolle. Wenn die Regierung die Ungleichheit verringern wollte, hätte sie steuerliche Maßnahmen ergriffen, die effektiver gewesen wären als die Knebelung des Aktienmarktes.

Das starke Wachstum der chinesischen Wirtschaft spiegelt sich meines Erachtens aus zwei Hauptgründen nicht in den Bewertungen wider. Erstens ist der größte Teil dieses Wachstums zentral geplant und wird durch eine massive Verschuldung angetrieben. Zweitens ist das Risiko von willkürlichen Änderungen in der Unternehmensführung und -strategie aufgrund politischer Motive in den letzten 10 Jahren gestiegen. Seit Xi Jinpings Amtszeit auf unbestimmte Zeit verlängert wurde, hat sich die chinesische Wirtschaft nicht mehr weiter entwickelt, sondern wurde eher eingeschränkt.

Eines der Hauptziele dieser intervenierenden Regierung ist es, den Unternehmenssektor anzugreifen und die Kontrolle über private Unternehmen zu übernehmen. Auch wenn das bedeutet, ihre finanzielle Situation zu schwächen, ihren Zugang zu den Kapitalmärkten zu beschränken und die Bedenken der Investoren zu wecken.

Dieses politische Risiko ist ein großer Belastungsfaktor für die Bewertungen, weil die Anleger wissen, dass die Politiker die Interessen der Aktionäre und Interessensvertreter nicht berücksichtigen und wahrscheinlich die Bilanz des Unternehmens nutzen werden, um die politische Kontrolle zu erlangen.

Manche Leser meinen vielleicht, dass die Regierung gute Absichten hat und dass Politiker in Unternehmen nicht unbedingt eine Wertvernichtung bedeuten. Aber diese naiven Gedanken sind falsch. Hätten Politiker die besten Absichten und den guten Willen der Bürger im Sinn, würden sie die Unabhängigkeit der Regulierungsbehörden stärken, anstatt die politische Kontrolle über private Unternehmen zu übernehmen.

Ein Politiker, der das beste Interesse seines Volkes im Sinn hat, lässt unabhängige Fachleute die Entscheidungen in der Wirtschaft und bei der Regulierung treffen, gerade um politisch belastete Entscheidungen zu vermeiden.

Wenn Politiker jedoch die Unabhängigkeit der Regulierungsbehörden schwächen und ihren Einfluss auf die Unternehmensführung verstärken, profitieren weder die Bürger noch die Aktionäre davon. Es ist einfach Interventionismus, um eine politische Agenda voranzutreiben. Der Cashflow wird vergeudet, die Verschuldung steigt und die Ungleichheit nimmt zu, weil Verdienste zugunsten politischer Gehorsamkeit verschwinden.

Wenn das chinesische Regime über Ungleichheit und Marktmacht wirklich besorgt ist, warum hat es dann nicht unabhängige und transparente Regulierungsbehörden geschaffen, anstatt sie noch abhängiger von der Regierung zu machen?

Der Rückgang des chinesischen Aktienmarktes ist auch eine Folge des Interventionismus der Vergangenheit und der Devise „Wachstum um jeden Preis“. Ein Land mit einem so hohen Wachstum und Potenzial weist einen Index mit sehr schwachen Finanzwerten auf. Das Verhältnis zwischen Nettoverschuldung und Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) beträgt mehr als das 6,9-fache, was vor allem auf die staatlichen Unternehmen zurückzuführen ist, die sich immer weiter verschuldet haben und gleichzeitig eine sehr schlechte Rentabilität aufweisen. Die Gesamtkapitalrendite des Shanghai-Index liegt laut Bloomberg bei schwachen 1,18 Prozent, und die Gewinnmarge beträgt lediglich 7,9 Prozent nach einer massiven Bruttomarge von 16 Prozent.

Hat der chinesische Markt Potenzial? Auf jeden Fall, und es ist enorm. Um jedoch das entsprechende Aufwertungspotenzial zu erreichen, sollte das chinesische Regime Transparenz, unabhängige Vorstände, Betriebsprüfungen und Vorschriften sowie klare Unternehmensführungsregeln zum Schutz der Anleger und Interessengruppen fördern.

Alle Maßnahmen, die sich gegen die Unabhängigkeit von Regulierungsbehörden und Unternehmensmanagern sowie gegen offene und transparente Kapitalmärkte richten, gehen nach hinten los, weil sie den Bürgern in keiner Weise helfen und das Geschäfts- und Investitionsgefüge schwächen.

Die Besetzung von Unternehmen mit politisch ernannten Managern bedeutet weniger Innovation, fehlende Hinterfragung von Fehlentscheidungen und massive Fehlinvestitionen. Eigenschaften, die China schnell reduzieren könnte, wenn es seine Wirtschaft öffnen würde, anstatt sie zu verschließen.

Dies ist eine Lehre für diejenigen im Westen, die Chinas zunehmenden Interventionismus für eine gute Idee halten. Politischer Interventionismus bedeutet eine schlechte Kapitalallokation, eine Verschlechterung der Beschäftigungslage und die schlimmste Art der Ungleichheit, nämlich die politisch motivierte.

Daniel Lacalle, Ph.D., ist Chefökonom des Hedgefonds Tressis und Autor von „Freedom or Equality“, „Escape from the Central Bank Trap“ und „Life in the Financial Markets“.

Das englische Original erschien zuerst in der englischen Ausgabe der The Epoch Times unter dem Titel: China Crackdown Is About Political Control. Die deutsche Bearbeitung erfolgte durch: ha.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.


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