Jammern hilft nicht: Gegen das Monster Hoffnungslosigkeit

Von 19. April 2019 Aktualisiert: 19. April 2019 16:02
Viele Menschen pflegen eine Kultur der Hoffnungslosigkeit, sie jammern hier und nörgeln dort. Doch das Gehirn merkt sich Gewohnheiten schneller, als einem lieb ist – und plötzlich hat man den Ruf eines ewigen Nörglers weg. Wie kommt man aus dieser Falle wieder raus?

Zwei Leute treffen sich und was passiert? Ehe sie sich versehen, wird gründlich gejammert. Das Wetter. Die Trockenheit. Die Regierung. Die Unfähigen in der Firma. Die Enkel, die die Oma nicht anrufen und die Oma, die Angst vorm Alleinsein hat. Ach ja, sie haben es schwer und stöhnen. Keiner ist bereit, sein Elend allein auszusitzen – da kommt ein Anderer doch wie gerufen.

Schon steckt man in der Falle. Das Gehirn will es einfach, es will sich unnötigen Aufwand ersparen und legt sich Muster an. Sieht es ein paarmal Absurdes aus der EU-Bürokratie oder der Politik, speichert es das ab. Später wird das Muster einfach wieder abgerufen.

So entstehen Gewohnheiten. Ein paar Mal über die Politik geschimpft und prompt speichert das Gehirn das Muster ab: Politik gleich absurd. Schlimmer noch, nach einiger Zeit im Jammer-Modus hat sich das Gehirn so vernetzt, dass es automatisch eine negative Richtung einschlägt. Unabhängig davon, um was es eigentlich geht – wie der Psychologe Jeffrey Lohr von der Arkansas University herausfand.

Der Jammer-Modus ist ansteckend

Jammern nervt und ist leider ansteckend, am Telefon, beim Chef, zum Frühstück, Mittag und Abendbrot. Es gibt keine Impfung dagegen. Doch warum wird gejammert? Die Antwort ist simpel: Um andere Menschen für die eigene Unzufriedenheit verantwortlich zu machen. Gute Tipps prallen an den Nörglern ab wie Gummibälle. Ist ihr Problem gelöst (der Enkel ruft nie an) wird einfach etwas Neues zum Jammern gesucht.

Wir jammern auch, dass wir vergesslich geworden sind. Logisch. Zumindest für Forscher der Stanford University. Sie wissen, dass ewiges Jammern den Hippocampus im Gehirn schrumpfen lässt. Dieser Teil des Gehirns zählt zum limbischen System und ist für das Gedächtnis zuständig. Eine Gesellschaft mit Alzheimer vergisst sich und ihre besten Traditionen.

Nörgler können durch ihr Jammern auch nicht entspannen. Das „lass deinen Frust raus“ ist einfach nur Umweltverschmutzung. Wenn das Gehirn Ärger ausspuckt, schaltet der Körper in den Stressmodus. Das Stresshormon Cortisol pulsiert in den Adern – und ein über längere Zeit erhöhter Cortisol-Pegel steht mit Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Fettleibigkeit, Diabetes und Depressionen in Verbindung (das vermuten zumindest die Mediziner).

Raus aus dem Jammertal, raus aus dem Neid

Was senkt den Cortisol-Pegel? So etwas einfaches wie Dankbarkeit. Allein durch Dankbarkeit sinkt dieser um 23 Prozent, wie Forscher der University of California in Davis nachgewiesen haben.

„Dankbarkeit blockiert giftige Emotionen wie Neid, Ressentiments, Bedauern und Depressionen, die unser Glück zerstören können.“ Robert Emmons, Professor für Psychologie an der UC Davis erklärt deutlich:

Es ist unmöglich, gleichzeitig neidisch und dankbar zu sein.“

Aller Anfang ist schwer. Er schlägt vor damit zu beginnen, erst einmal zu erkennen, wofür man dankbar ist. Unsere beiden Jammerer vom Anfang könnten ja damit beginnen, dankbar dafür zu sein, den anderen getroffen zu haben, oder?

Professor Emmons empfiehlt als erstes, ein Tagebuch der Dankbarkeit zu führen und darin aufzulisten, wofür man zu Beginn und am Ende jedes Tages dankbar ist. In seinen Forschungen nahm er nach zwei Wochen wahr, dass der wahrgenommene Stress von Ärzten um 28 Prozent und ihre Depressionen um 16 Prozent zurück gingen.

Als zweites schlägt er vor, Briefe zu schreiben. Dankbarkeitsbriefe. Zu alten Zeiten, als es noch keine Mails gab und von Hand auf ausgesuchtem Briefpapier geschrieben wurde, war dies eine alltägliche Übung.

Gegen die Gesellschaft der Hoffnungslosigkeit

Allein diese beiden Dinge, das Tagebuch der Dankbarkeit und Dankesbriefe, reduzieren das Risiko von Depressionen, die Hoffnungslosigkeit bei Suizid-Gefährdeten (um 88 Prozent) und erhöhte den Optimismus von 94 Prozent seiner Studienteilnehmer.

Nicht nur seine Studien gehen noch weiter. Sie zeigen, dass dankbare Menschen mehr Sport treiben, ein besseres Ernährungsverhalten haben, weniger wahrscheinlich Alkohol trinken und rauchen und weniger Medikamente benötigen.

Bleibt die Frage nach dem „Warum funktioniert das?“ Die Antwort ist nach Professor Emmons simpel: Weil sich das Gehirn auf das konzentriert, was der Mensch bereits hat und nicht auf etwas, was fehlt.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.
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