Wider die Corona-Mythen: Deutschland ist kein Musterland – und China ist kein Vorbild

Von 25. Oktober 2020 Aktualisiert: 25. November 2020 15:42
Während es in Deutschland zum guten Ton gehört, die USA und Donald Trump für ihre Corona-Politik zu schelten, wird das totalitäre China zum Vorbild erhoben. Es zeigt sich, wie viele Meinungsmultiplikatoren die Illusion von Sicherheit höher bewerten als Freiheit.

Die Corona-Krise ist seit mehr als einem halben Jahr in Europa präsent, und statt endlich zur Normalität zurückkehren zu können, wie man es in Anbetracht der positiven Entwicklungen des Frühsommers erhofft hatte, bäumt sich das Virus auf und die steigende Zahl an positiven Ergebnissen hat neue Einschränkungen bis hin zu Lockdown-Drohungen zur Folge.

Auch die Wahrnehmungssysteme in Politik und Medien haben ihren Schaden genommen: Während die USA und Präsident Donald Trump weiter dämonisiert werden, beweihräuchert sich Deutschland selbst als Corona-Musterknabe und sucht das Optimierungspotenzial im Umgang mit der Seuche ausgerechnet bei deren Verursacher, dem totalitären KP-Regime im China.

Corona – gekommen, um zu bleiben?

Wie lange die Corona-Krise noch andauern wird, bis die Welt sie so weit in den Griff bekommen hat, dass die Normalität zurückkehren kann, ist ungewiss. Selbst die Fachwelt ist sich uneinig, ob Corona perspektivisch als neue, zusätzliche saisonabhängige Infektionskrankheit neben die Grippe treten wird und uns auf diese Weise – wenn auch in beherrschbarer Form – erhalten bleibt. Dies erwartet beispielsweise der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit, der dazu rät, wir müssten „lernen, mit dem Virus zu leben“.

Auf der anderen Seite gibt es Experten wie Prof. Dr. med. Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie an der Medizinischen Hochschule Hannover, die davon ausgehen, dass Corona wie auch andere Viruspandemien in der Geschichte nach spätestens zwei oder drei Jahren verschwunden sein wird.

Seriöse Einschätzungen noch gar nicht möglich

Man könnte meinen, dass es im Angesicht so hoher Restunsicherheiten eindeutig noch zu früh ist, um überhaupt eine realistische und seriöse Einschätzung treffen zu können, wer wann und auf welche Weise richtige oder falsche Entscheidungen im Umgang mit der Pandemie getroffen hätte.

Zumal es jeweils unterschiedliche Konzepte, Voraussetzungen und Umstände gab und gibt, die dabei beachtet werden sollten.

Einige Länder wie Großbritannien habe ihre Strategien auch über die Monate hinweg modifiziert und angepasst. Zahlreiche Parameter sind zu bedenken, um seriös beurteilen zu können, ob ein Land im Umgang mit Corona mehr oder weniger erfolgreich war. Die reine Zahl der Infizierten alleine ist dabei kein Maßstab, nicht einmal die der Todesfälle.

Zu beachten sind Faktoren wie Zahl der positiv Getesteten und Erkrankten gemessen an der Gesamtbevölkerung, regionale Cluster und strukturelle Unterschiede, Zahl der Tests, aber auch Fragen wie die Auswirkungen auf das öffentliche Leben, längerfristige Wirksamkeit der Maßnahmen oder Wirtschaftsentwicklung. Wenn Menschen an den Folgen von Armut oder Unterernährung statt an jenen einer Corona-Infektion sterben, ist im Ergebnis schließlich auch nichts gewonnen.

Schweden oder Österreich erfolgreicher?

Ist das schwedische Modell ohne nennenswerte Einschränkungen des öffentlichen Lebens, auf das die Lockdown-Kritiker von Beginn an hingewiesen haben, das erfolgreichere gewesen? Tatsächlich ist in dem nordeuropäischen Land bis dato keine „zweite Welle“ feststellbar. Der vom IWF prognostizierte Rückgang des BIP hält sich 2020 mit minus 4,7 Prozent im Rahmen, insbesondere im Vergleich zu den meisten anderen EU-Staaten.

Gegen das Modell ließ sich von Beginn an anführen, dass die Sterberate in Schweden vergleichsweise höher war als in Ländern mit strikten Lockdowns wie etwa Österreich – wo das BIP dem IWF zufolge um 6,7 Prozent sinken wird. Außerdem sind die Verhältnisse in Schweden schon strukturell nicht unbedingt verallgemeinerbar, da im Großteil des Landes eine so geringe Bevölkerungsdichte herrscht, dass Abstandsgebote gar nicht erst verordnet werden müssten. Das Infektionsgeschehen konzentrierte sich entsprechend weitgehend vor allem auf die bevölkerungsreichen Städte im Süden des Landes.

In der Summe hat Österreich weniger Corona-Tote gemessen an der Bevölkerungszahl und weniger Fälle, allerdings mittlerweile wieder einen Anstieg der SARS-CoV-2-Positiven und neue Einschränkungen, deren Auswirkungen auf die Wirtschaft noch nicht absehbar sind.

Bei USA-Betrachtung Äpfel und Birnen verglichen

Die USA weisen zwar eine absolut gesehen hohe Zahl an Infizierten auf und auch an Todesfällen, allerdings gehören sie auch zu den Ländern mit der weltweit höchsten Testintensität und Anzahl der Tests bezogen auf die Gesamtbevölkerung.

Was in der USA- und Trump-Schelte im Zusammenhang mit der dortigen Corona-Politik ebenfalls regelmäßig missachtet wird, ist der Umstand, dass Äpfel nicht mit Birnen verglichen werden sollten.

Schon im Zusammenhang mit der Debatte um die Krankenversicherung in den USA – Stichwort: Obamacare – wurde regelmäßig außer Acht gelassen, dass das Verhältnis zwischen der Zentrale in Washington, D. C. und den einzelnen Bundesstaaten weniger mit jenem zwischen der Bundesregierung in Berlin und den deutschen Bundesländern zu vergleichen ist, sondern eher mit jenem zwischen der EU und deren einzelnen Mitgliedstaaten.

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Und so wenig es ein einheitliches EU-weites Krankenversicherungssystem in der EU gibt, sondern stattdessen die Mitgliedstaaten die Kompetenzen in diesem Bereich behalten haben, so wenig ist das Gesundheitssystem in den USA hauptsächlich Sache des Federal Governments in Washington.

Die Gouverneure der Bundesstaaten und der Bürgermeister des District of Columbia sind auch wenig geneigt, auf ihre Mitsprache und Selbstgestaltungsfreiheit zu verzichten. Deshalb aber macht es auch wenig Sinn, in diesem Bereich Vergleiche zwischen Deutschland, Frankreich, Italien usw. mit den USA insgesamt anzustellen, sondern die Vergleiche müssten sich auf jeweils strukturell ähnliche US-Bundesstaaten beziehen.

Aber selbst im Vergleich zwischen den USA und einzelnen Staaten der EU schneiden Länder wie Spanien oder Belgien, die ein einheitliches Sozialversicherungssystem haben, in fast allen Parametern schlechter ab als die USA.

Spahn-Vollmachten für Azar undenkbar

Der Umstand, dass Donald Trump nicht der einzige Entscheidungsträger in der US-amerikanischen Corona-Politik ist, sondern durch die Rechte von 49 Gouverneuren und dem Bürgermeister von D. C. in seinen Befugnissen beschränkt ist, liegt im Wesen der US-amerikanischen Verfassung begründet.

Deutsche Verhältnisse wären in den USA jedenfalls undenkbar: Hätte etwa US-Gesundheitsminister Alex Azar (wie viele Bürger Deutschlands könnten ihn, ohne Google zu bemühen, überhaupt korrekterweise als Funktionsträger benennen?) Senat und Repräsentantenhaus darum gebeten, ihm bis 31. März 2021 eine Blankovollmacht für Corona-Verordnungen zu erteilen? Hätte Donald Trump zusammen mit den Gouverneuren im Verordnungswege regiert, während der Kongress zum Statisten degradiert worden wäre? Dann wären liberale US-Medien und Deutschland die Ersten gewesen, die Trump vorgeworfen hätten, eine „Diktatur“ errichten zu wollen.

Der Microsoft-Gründer und vielfache Trump-Kritiker in der Corona-Politik, Bill Gates, selbst war es, der zu bedenken gegeben hat, dass dirigistische Lockdown-Maßnahmen wie in Europa in den USA nicht denkbar wären, weil „wir an die Freiheit glauben“.

Selbstbeweihräucherung nicht angebracht

Genau dies scheinen führende Politiker und Publizisten in Europa nicht zu tun. Auch wenn die USA in der Corona-Krise bis dato gemessen an der Gesamtbevölkerung nicht signifikant mehr Fälle oder Tote pro 100.000 Einwohner aufweisen als der EU/EWR-Raum oder der europäische Kontinent insgesamt, ist ihnen der Gedanke, die Bekämpfung der Corona-Krise könne auch ohne weitreichende Beschränkungen des öffentlichen Lebens vonstattengehen, erkennbar zuwider.

Und das, obwohl Deutschland sowie die EU insgesamt der IWF-Prognose zudem auch noch einen deutlich stärkeren BIP-Einbruch zu verzeichnen haben als die USA, als „Ausreißer“ Schweden und als die Weltwirtschaft insgesamt.

Deutschland mag es geschafft haben, die Zahl der Corona-Infektionen und der Todesfälle in Grenzen zu halten. Das hat viel mit glücklichen Umständen wie der raschen Entdeckung der Ischgl- und Heinsberg-Cluster zu Beginn zu tun, aber auch damit, dass die Gesundheitsinfrastruktur in Deutschland ihre hohen Kosten in diesem Fall gerechtfertigt hatte. Die Selbstüberschätzung als vermeintlicher Musterschüler ist dennoch nicht angebracht.

Wie Prof. Dr. Erich Weede am 14. Oktober beim „Forum Freiheit 2020 – Kapitalismus, Sozialismus und Corona“ der Friedrich August von Hayek-Gesellschaft und ihrer Partner in Berlin darlegte, liegt die Zahl der Corona-Opfer in Japan oder Südkorea bei einem Bruchteil dessen, was Deutschland zu beklagen hatte.

Taiwan: 23 Corona-Fälle auf 1 Millionen Einwohner – Deutschland liegt bei 5.117

Vor allem Taiwan hat den selbsternannten Musterknaben Deutschland bei der Bekämpfung von Corona in den Schatten gestellt – und das, obwohl es noch zu einem Zeitpunkt hohe Einreisefrequenzen aus chinesischen Corona-Gebieten gegeben hatte, als das Regime in Peking die Seuche noch vertuschte.

Taiwan, das nach wie vor auf Druck des KP-Regimes aus der WHO gehalten wird, weist 23 Corona-Fälle auf eine Million Einwohner auf (Deutschland: 5.117) und 0,3 Tote (Deutschland: 121).

Man muss die Gefahren der Corona-Seuche nicht unterschätzen und erst recht nicht zu der Fraktion derjenigen gehören, die in unangemessenen Vergleichen zweifellos unkomfortable, aber unterm Strich nicht übermäßig invasive Maßnahmen wie Maskengebote mit der Stigmatisierung von Juden im Dritten Reich vergleichen, um zu erkennen, dass der deutsche Ansatz zur Corona-Bekämpfung gefährliche Charaktereigenschaften kultiviert.

Dies zeigt sich nicht nur daran, wie viele sich selbst für die moralische Avantgarde in der Moral-Supermacht sich täglich auf Twitter ihres energischen Einschreitens gegen vermeintliche Corona-Sünder brüsten. Und auch nicht nur an Maßnahmen wie der Denunziationsplattform des Ordnungsamtes der Stadt Essen, dem ähnlich lautenden Aufruf der Ärztekammer Nordrhein oder Berichten über Personen, die im März in Bayern Kinder auf Spielplätzen meldeten.

Lobhudelei auf Chinas Totalitarismus im „Cicero“

Deutschland erhebt ausgerechnet jene totalitäre Diktatur in Peking zum Vorbild und Partner, der die Welt die Corona-Pandemie erst verdankt.

Statt die Erfolgsgeschichte Taiwans zu würdigen und sich an dessen Weg ein Beispiel zu nehmen, die Seuche mithilfe von Technologie, aber weitgehend ohne invasive Maßnahmen auf Kosten der Freiheit zu bekämpfen, wird das totalitäre Regime in China für seine vermeintlichen Erfolge gelobt.

Klaus Mühlhahn kann im „Cicero“ seine Begeisterung darüber kaum im Zaum halten, dass das Regime in China seine „Leistungsfähigkeit“ unter Beweis gestellt habe, indem es frisierte Zahlen präsentierte (die Mühlhahn in Abrede stellte), „diskussionslos“ weitreichende Überwachungsmaßnahmen in Gang setzte, strikte Reisebeschränkungen verhängte, „Dörfer […] wie mittelalterliche Burgen befestigt“ und „Wohngebiete wie unter Kriegsrecht abgeriegelt“ hatte.

Für Mühlhahn ein willkommenes Gegenmodell zum „Versagen“ des Westens, das sich im Vorgehen Trumps und im „unentschlossenen Krisenmanagement in Europa“ manifestiere.

Bayerns Staatsminister: Stelldichein beim Botschafter des KP-Regimes

Auch in der Regierungsetage des Freistaats Bayern scheint man dem totalitären Konzept Pekings mehr abzugewinnen als Trump, Schweden, Taiwan oder jedem anderen Ansatz, der nicht die Illusion von Sicherheit über das Beharren auf Freiheit stellt.

Wie die Botschaft des KP-Regimes begeistert mitteilt, hatte es am 27. August eine Zusammenkunft zwischen Botschafter Wu Ken und dem bayerischen Staatsminister für Auswärtige Angelegenheiten, Dr. Florian Herrmann, gegeben. Dort hat sich das Regime für seine Corona-Politik selbst beweihräuchert und die enge Zusammenarbeit mit Deutschland und seinen Regionen beschworen.

Herrmann erklärte, die Pandemie habe „die Freundschaft zwischen den beiden Seiten, die auf gegenseitiger Hilfe und Unterstützung in schwierigen Zeiten beruht, weiter unterstrichen“. Bayern sei „bereit, mit der chinesischen Seite zusammenzuarbeiten, um die Voraussetzungen zu schaffen, für eine allmähliche Normalisierung des gegenseitigen Austauschs und des Besuches, sowie für die Beschleunigung der Arbeitswiederaufnahme“.

Ein ähnliches intensives Arbeitsverhältnis mit freien Ländern des ostasiatischen Raumes wie Taiwan ist nicht bekannt.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.
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