„Verdrängen, vergessen? Nein!“ – Warum eine zweifache Mutter zum Trauermarsch in Kandel ging

Epoch Times29. Dezember 2018 Aktualisiert: 29. Dezember 2018 18:14
Das "Frauenbündnis Kandel" veranstaltete zum ersten Todestag von Mia V., der ermordeten 15-jährigen Schülerin aus der pfälzischen Kleinstadt einen Trauermarsch. Eine zweifache Mutter nahm daran teil. Warum?

Wie bereits vor ihm der Mordfall Maria L. (19) in Freiburg, so zeigte auch der Mordfall Mia V. (15) in Kandel, wie gespalten unsere Gesellschaft ist. Die einen wollen schweigen, weitermachen wie bisher, die anderen wollen dies nicht mehr.

Am 27. Dezember 2018 veranstaltete das „Frauenbündnis Kandel“ einen Trauermarsch anlässlich des ersten Todestages des Mädchens Mia V. aus Kandel. Vor einem Jahr wurde die 15-jährige Schülerin von ihrem afghanischen Ex-Freund im örtlichen DM-Markt brutal ermordet, durch zahlreiche Messerstiche.

Den Demonstrationszug begleitete ein Pfarrer aus der Schweiz, der den Menschen zu Beginn Worte des Trostes spendete. Doch warum musste dies ein Pfarrer aus der Schweiz tun? Gibt es keinen in Kandel? Doch. Nur dieser Pfarrer schwieg mit den anderen Menschen in der örtlichen St. Georgs-Kirche in Andacht. Hier war auch Bürgermeister Volker Poß (SPD) zu finden, schweigend.

Eine Teilnehmerin des Trauermarsches, sie nennt sich selbst „Pepper“, berichtet, warum sie nach Kandel kam. Die EPOCH TIMES möchte der zweifachen Mutter vom „Frauenbündnis“, einem Bündnis, welches nicht mit dem „Frauenbündnis Kandel“ identisch und unabhängig davon ist, Raum geben, sich ihren Mitmenschen mitzuteilen. Ein Bericht aus erster Hand … (sm)

„Ein Jahr gegen das Vergessen – ein Jahr für Mia“

Bereits seit zwei Wochen ist der Nachmittag des 27. Dezember in meinem Kalender geblockt. Freigehalten, um mit Freunden in die Südpfalz zu fahren. Im schönen, weihnachtlich geschmückten Kandel begegnen wir Frauen, Männern und Kindern von überall her. Gleichgesinnte, die ebenso wie wir aus einem bestimmten Grund heute hierher gekommen sind.

Gemeinsam wollen wir eines Mädchens gedenken, das niemand von uns je persönlich kennenlernen konnte. Denn von Mia aus Kandel haben wir erst erfahren, als ihr Leben im zarten Alter von 15 Jahren, viel zu früh, von einem jungen Fremden beendet wurde.
Wir alle haben uns heute vor dem Drogeriemarkt eingefunden – dem Ort, an welchem Mia mit acht Messerstichen regelrecht niedergemetzelt wurde.

Wir sind hierher gekommen, mit Kerzen und Blumen für Mia und gegen das Vergessen. Denn kein Opfer der verfehlten Migrationspolitik darf je in Vergessenheit geraten! Fragen wir doch einmal Mias Eltern, Verwandte und Freunde, ob sie das Lachen, die Leichtigkeit und die Freude am Leben der Jugendlichen jemals vergessen können.

Wie müssen sich Eltern fühlen, wenn sie das geliebte Kind für immer verlieren? Selbst Mutter von zwei Kindern, fühle ich mich bei diesem Gedanken beklommen und kann solche Gefühle nur erahnen, während ich in der kalten Dunkelheit das Meer aus Kerzen und Blumen mit gesenktem Kopf betrachte.

Mias Eltern haben Kandel für immer verlassen, doch das Geschehene werden sie wohl niemals hinter sich lassen können. Und die ca. 350 Besucher dieser friedlichen Veranstaltung anlässlich Mias erstem Todestag wollen bewusst nicht vergessen. Denn unsere Pflicht als mündige Bürger ist es, die Augen zu öffnen, die Realität um uns zu erkennen und auf Missstände hinzuweisen.

Pfarrer Lothar aus der Schweiz, welcher zu Beginn der Kundgebung nach pietätvoller Musik Worte mit Tiefgang für das Bewusstsein an uns richtete, sprach davon, dass ein Mord lähmt und Angst macht. Angst, das schreckliche Geschehen könnte sich wiederholen, zerstört ein solche Tatsache doch unser heiles Weltbild.

Wie also sollen wir uns verhalten? Verdrängen, vergessen? Nein! Die Wahrheit über unsere Angst muss nach außen dringen. Denn wenn wir sie unterdrücken, vergiftet sie unseren Organismus.

Und darum ist es notwendig, dass wir unsere Stimme erheben – auch im Namen deren, die nicht mehr sprechen können!“

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.