Nazi-Metal auf dem Tinder-Profil: Unmut über Fachschaft nach Distanzierung von Antifa-Praktiken

Von 25. Januar 2019 Aktualisiert: 25. Januar 2019 14:23
Auf dem Campus Bockenheim der Universität in Frankfurt am Main störten am Dienstag mehrere vermummte Anhänger der sogenannten Antifa eine Psychologie-Vorlesung. Dabei verteilten sie Flugblätter mit privaten Daten einer angeblich "rechtsextremen" Studentin.

In einigen islamischen Staaten gibt es die Hisba, deren Funktion darin besteht, als Religions- und Moralpolizei im öffentlichen Raum das Rechte zu gebieten und das Verwerfliche zu verbieten. Im von einem säkularisierten Protestantismus geprägten Deutschland hat es sich die sogenannte Antifa in Deutschland selbst zum Auftrag gemacht, darauf zu achten, dass Bürger die Rechte, die ihnen Verfassung und Gesetz zugestehen, nicht in einer Weise ausüben, die vermeintlich gegen die Moral verstößt.

Das „Rechte“, das sie gebieten, ist in diesem Fall das radikal Linke. Anders als im Fall der Hisba gestaltet sich die Rückendeckung für ihre Tätigkeit durch den Staat in Deutschland auch nur informell, etwa indem der Verfassungsschutz wie jüngst für das „Prüffall“-Gutachten auf Rechercheergebnisse ihrer Publikationen zurückgreift. Dass die Distanz zu den politischen Vorstellungen der Antifa vor allem in linken Parteien und Medien zunehmend verschwindet, bestärkt die Anhänger dieser Gruppierung in der Überzeugung, das Richtige zu tun.

Die seit dem Mittelalter auch in unseren Breiten bekannten moralpolizeilichen Sanktionen wie Pranger oder Körperstrafen kommen in systemisch weiterentwickelter Form immer noch zum Einsatz. Eine Erstgenannte vollzogen vermummte Antifa-Anhänger auch am Dienstag in Frankfurt am Main, als sie eine Psychologie-Vorlesung am alten Campus Bockenheim der Goethe-Universität störten.

Wie die „Frankfurter Rundschau“ berichtet, hatten mehrere Personen den Hörsaal gestürmt. In weiterer Folge Flugblätter verteilt. Darauf waren private Daten einer Studentin zu finden, die offenbar ebenfalls an der Einrichtung studiert. Diese, so heißt es in dem Pamphlet, soll Aktivistin der „Identitären Bewegung“ sein, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft wird, und auch an „Neonazi-Aufmärschen“ teilgenommen haben. In der Schrift wird dazu aufgefordert, zu zeigen, „was ihr von rechtsextremen AkteurInnen haltet“.

Fachschaftsübergreifende Gruppe wegen einer Person

Die Fachschaft Psychologie ging in einer Erklärung auf Distanz zu der Aktion. In dem Statement heißt es:

Wir halten eine politische Praxis, die die Grundrechte der politischen Gegner*innen missachtet, für falsch und kritisieren diese aufs Schärfste.“

Sensible Daten zu veröffentlichen, ermögliche gewalttätige Übergriffe und sei kein legitimes Mittel der politischen Auseinandersetzung. Zudem seien Einschüchterungsversuche dieser Art „in keinster Art und Weise produktiv“.

Allerdings will das Gremium auch den grundlegenden Handlungsbedarf nicht in Frage gestellt wissen. Sie habe nach eigenen Angaben „seit längerem von der Studentin und ihrem Hintergrund gewusst und […] dementsprechend auch Schritte unternommen“. Diese skizziert sie wie folgt:

„Nachdem das Dekanat unseres Fachbereichs informiert worden ist, bildete sich auf der Fachschaftenkonferenz eine fachschaftsübergreifende Gruppe, die es sich zur Aufgabe setzte, auf rechtsradikale Tendenzen in der Studierendenschaft zu reagieren. Allerdings war das Ziel ausdrücklich nicht, den Namen der betreffenden Studentin zu nennen oder auf sie im Speziellen einzugehen. Ihr Name wurde auch niemals von uns an andere weitergegeben (auch das Dekanat erhielt diese nicht). Weder haben wir von einem ähnlichen Vorgehen der Antifaschist*innen mitbekommen, noch haben diese Kontakt zu uns aufgenommen. Wir stimmen also insofern mit diesen darin überein, dass etwas unternommen werden musste. Die drastischen Mittel, die von ihnen eingesetzt worden sind, finden wir jedoch inakzeptabel.“

Fachschaft gibt sich schuldbewusst

Mehreren Kommentatoren erscheint dieses Vorgehen angesichts der unkalkulierbaren Gefahr, die von einer einzelnen Studentin für die gesamte Einrichtung ausgehen könnte, als zu formalistisch und bürokratisch.

„Bestürzend ist, wenn sich eine Fachschaft mehr über eine Outing-Aktion empört als über eine Faschistin als Kommilitonin“, maßregelt ein „Referat für konkrete Utopie“ die zerknirschte Fakultätsvertretung.

„Wer in der Uni mit mit einem T-Shirt einer faschistischen Partei (Casa Pound) in der tradition Mussolinis rumläuft und selbst auf ihrem öffentlichen Tinder profil dazu steht, ein fan von Nazi-Metal zu sein, sollte sich nicht darüber stören, wenn dies auch einer etwas breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht wird“, meint ein anderer Kommentator, wobei er offen lässt, was ihn eigentlich dazu bewogen hatte, in das Profil der Betreffenden auf einem Flirtportal so detailliert Einsicht zu nehmen.

Ein „Wilhelm Junior“ hingegen sieht die Genderperspektive in der ganzen Angelegenheit nicht ausreichend reflektiert. Er schreibt:

Ich finde es verstörend, wie hier ohne Not eine Frau, die sowieso aufgrund patriarchaler Strukturen in der Gesellschaft ein tägliches Martyrium durchlebt, noch weiteren Repressionen ausgesetzt wird. Ich hätte mir hier mehr Solidarität von Geschlechtsgenossinnen gewünscht. Das wahre Problem ist toxische Männlichkeit, die solches Gedankengut hervorgebracht hat. Ich schreibe das alles unter der Voraussetzung, dass sich die betreffende Person auch als Frau identifiziert. Falls nicht, entschuldige ich mich im Voraus für meinen unsensiblen Beitrag.“

Bezüglich dieses Aspekts steht eine selbstkritische Antwort vonseiten der Fachschaft bis dato noch aus.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.
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