Bill ClintonFoto: Chris J Ratcliffe/Getty Images

Sex-Strukturvertrieb mit Minderjährigen: Clinton bestreitet Reisen mit Epsteins „Lolita Express“

Von 9. Juli 2019 Aktualisiert: 9. Juli 2019 23:17
Einen perversen Strukturvertrieb, in dem minderjährige Opfer sexuellen Missbrauchs dafür bezahlt wurden, selbst Nachschub zu akquirieren, soll der heute 66-jährige Milliardär Jeffrey Epstein betrieben haben. Epstein verkehrte in höchsten Kreisen und stand den Demokraten nahe. Bill Clinton will von seinen Verbrechen nichts gewusst haben.

In einer Erklärung im Zusammenhang mit der Wiedereröffnung des Verfahrens gegen den Investmentbanker Jeffrey Epstein, der am Samstag (6.7.) auf dem Flughafen Teterboro in New Jersey verhaftet wurde, äußerte ein Sprecher des früheren US-Präsidenten Bill Clinton am gestrigen Montag, dieser habe von den „schrecklichen Verbrechen“ nichts gewusst, die Epstein zur Last gelegt werden.

Epstein, der zu diesem Zeitpunkt in Palm Beach lebte, soll in den Jahren 2001 bis 2005 einen regelrechten Strukturvertrieb aufgebaut haben. Andere Quellen nennen gar 1997 bis 2006 als Begehungszeitraum. Dieser diente offenbar dazu, minderjährige Mädchen – manchmal erst 14 Jahre alt – in Einkaufszentren anzusprechen, sie auf seinen Anwesen gegen Geld zu Nacktmassagen und anderen sexuellen Handlungen zu veranlassen und anschließend dazu zu bewegen, gegen Prämie weitere Mädchen zu rekrutieren.

Die Opfer sollen mit Fortdauer der Zeit nicht mehr nur aus dysfunktionalen Familien der Region selbst herangeschafft worden sein, sondern mittels einer internationalen Modelagentur auch aus Lateinamerika und Osteuropa. Dem „Miami Herald“ zufolge sind derzeit 65 mutmaßliche Opfer identifiziert, insgesamt sollen es hunderte Mädchen gewesen sein, die zu Zwecken sexueller Handlungen auf Epsteins Anwesen gebracht worden sein sollen. Dabei handelte es sich neben seinem Domizil in Palm Beach unter anderem auch um Ländereien auf der Insel Little Saint James auf den Jungferninseln.

Prominente Gäste auf dem „Lolita Express“

Dem heute 66-jährigen Epstein, der am Montag vor einem Gericht in New York City auf „nicht schuldig“ plädierte, wird nun Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung und Verabredung dazu vorgeworfen.

Epstein wies Kontakte in höchste Kreise auf. Neben Prinz Andrew und Kevin Spacey gehörte auch Ex-Präsident Bill Clinton zu seinen Gästen. Epstein war zudem regelmäßiger Spender der Demokraten und später der Clinton-Stiftung. Zwischen Palm Beach und seiner Insel verkehrte Epstein mittels einer eigenen Boeing 727, die später den Beinamen „Lolita Express“ tragen sollte, weil er offenbar auch die Mädchen damit transportiert haben soll.

Nun heißt es aus Clintons Büro, die Anzahl der Flüge mit Epsteins Privatflugzeugen sei an den Fingern einer Hand abzuzählen:

In den Jahren 2002 und 2003 reiste Präsident Clinton insgesamt viermal mit Jeffrey Epsteins Flugzeug; einmal nach Europa, einmal nach Asien und zweimal nach Afrika, was jeweils mit Aufenthalten im Zusammenhang mit der Clinton-Stiftung zu tun hatte.“

Bei jedem Mal seien Mitglieder seines Teams, Unterstützer der Stiftung und sein Personenschützer vom Geheimdienst mit von der Partie gewesen. Clinton habe Epstein 2002 in dessen Büro in Harlem getroffen und wenig später noch einmal in dessen New Yorker Apartment, zusammen mit einem Teammitglied und seinem Personenschützer.

Clinton soll häufiger mit Epstein geflogen sein – auch ohne Personenschützer

„Er [Bill Clinton] hat seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr mit Epstein gesprochen, und er war nie auf der Insel Little St. James, auf Epsteins Ranch in New Mexico oder auf seinem Grundstück in Florida.“

Demgegenüber präsentierte „Fox News“ bereits im Jahr 2016 Logbücher von Epsteins Privatjet, aus denen hervorgehen soll, dass Bill Clinton mindestens 26 Mal im „Lolita Express“ mitgeflogen sei – zu Zielen wie Hongkong, Japan, Singapur, China, Brunei, London, New York, Russland, Belgien, Norwegen und Afrika. In einigen Fällen soll dabei kein Personenschützer ihn begleitet haben.

Fox News bezog sich damals auch auf Zeugenaussagen, wonach es angeblich an Bord auch ein Bett gegeben habe, in dem es zu Gruppensex zwischen Gästen und den Mädchen gekommen sein soll. Die heute 32-jährige Virginia Roberts, die angibt, im Alter von 15 Jahren von Epstein missbraucht worden zu sein, will Clinton 2002 auf der „Orgieninsel“ gesehen haben. Allerdings taucht dessen Name in keinen Logbüchern zu Flügen auf, als deren Ziel St. Thomas ausgewiesen war – wo auch das Anwesen Little St. James liegt.

Gerichtsprotokollen zufolge soll Epstein sich in Mar-a-Lago im Golfklub Donald Trumps erstmals Virginia Roberts in unsittlicher Weise genähert haben – worauf Trump ihm Hausverbot erteilt habe.

Epstein soll gezielt Mädchen aus heruntergekommenen Verhältnissen für seine Praktiken ausgewählt haben. Er rechnete offenbar damit, dass diese nicht nur bereitwilliger gegen Geld mitmachen, sondern auch Stillschweigen darüber bewahren würden. Außerdem würde man diesen möglicherweise keinen Glauben schenken, sollte sie zur Polizei gehen.

Großzügiger Deal findet sein Ende

Dennoch hat die Mutter eines der mutmaßlichen Opfer 2005 Anzeige erstattet und es kam zu Ermittlungen, die eine Vielzahl an belastenden Aussagen zutage brachten. Im Jahr 2007 legte die Staatsanwaltschaft eine 53-seitige Anklageschrift vor. Epstein, dem eine lebenslange Haftstrafe drohte, erklärte sich mit einem Deal einverstanden.

Er bekannte sich unter anderem der Zuhälterei und Förderung der Prostitution von Minderjährigen schuldig. Im Gegenzug wurde er zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt, die er allerdings nicht in einem Bundesgefängnis verbringen musste, sondern unter erleichterten Umständen in einer eigens eingerichteten Wohnung im Polizeirevier von Palm Beach. Auch hatte er Freigang und – was für ihn besonders günstig und die Opfer besonders nachteilig war – die Akte kam unter Verschluss. Die Opfer konnten nur noch auf dem Zivilrechtsweg versuchen, Epstein zur Rechenschaft zu ziehen.

Der kalifornische YouTuber Mike Cernovich reichte am 19.1.2017 Zivilklage gegen den Verschluss des Epstein-Deals ein, der das Bundesgericht für Süd-New York am 2.7.2019 stattgab. In weiterer Folge wurde das Verfahren gegen Epstein wiedereröffnet.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.

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