Kino Kino: Spielbergs „Gefährten“

Von 5. Februar 2012 Aktualisiert: 5. Februar 2012 1:24

Zeit des Krieges, ein Junge, sein Pferd – viel Emotionen und viel Schmerz. Das Drama „Gefährten“ basiert auf Michael Morpurgos Roman „Schicksalsgefährten“ (englischer Originaltitel: „War Horse“), der 1982 veröffentlicht wurde und läuft ab 16. Februar im Kino.

„Gefährten“ – eine Geschichte erfüllt von dem, was einen Kinofilm von Steven Spielberg ausmacht. Es ist nicht verwunderlich, dass Spielberg die Gelegenheit genutzt hat, die Zügel bei dieser cineastischen Adaption von Michael Morpurgos Kinderbuch in die Hand zu nehmen.

Der Film zeigt die vom Ersten Welkrieg geprägte Geschichte Alberts (Jeremy Irvine), einem Farmerjungen aus der englischen Grafschaft Devonshire und einem kleinen Pferd namens Joey. Das Arbeitstier wurde von Alberts Vater (Peter Mullan) aus einer Laune heraus gekauft. Sehr zum Widerwillen seiner Ehefrau (Emily Watson), die weiß, dass es nur einer schlechten Ernte bedarf, um sie um ihre gepachtete Farm zu bringen. Mit der Zeit baut sich eine untrennbare Bindung zwischen Albert und Joey auf. Diese wird auf die Probe gestellt, als das Pferd verkauft wird, um im Ersten Weltkrieg zu dienen und womöglich nie mehr heimkehren wird.

Der Kinofilm „Gefährten“ beschwört auf wunderschöne Art und Weise eine Zeit aus früheren Tagen herauf. Dies ist nicht zuletzt auch der beeindruckenden und oft atemberaubenden Kameraführung von Janusz Kaminski zu verdanken, ein langjähriger Begleiter Spielbergs. „Gefährten“ muss man einfach gesehen haben: Die animierten Postkarteneffekte am Ende des Films, die spärliche – im wahrsten Sinne des Wortes – Rauheit der Einöde oder die ländliche Ruhe eines idyllischen Dorfes, das selbst bei sintflutartigem Regen noch einladend aussieht. Es fällt schwer, solch einen Film zu finden, der prächtiger aussieht als dieser.

Aber wie sieht es mit der Seele von „Gefährten“ aus, die sich als roter Faden durch die Geschichte eines Mannes und seines Pferdes zieht? Wo ist der Kern der Erzählung und der Grund dafür, dass Albert diesen langen Weg auf sich nimmt, um mit seinem Pferd wiedervereint zu sein? Genau dies ist der polarisierende Faktor, der für den Erfolg des Films verantwortlich sein wird. Diejenigen, die der sentimentalen Gefühlswelt Spielbergs nichts abgewinnen können, werden den Film ein wenig zu gefühlsbeladen finden. Verstärkt werden die Emotionen durch John Williams schwungvoll orchestrierte Musik, die stets die erwünschte Reaktion hervorruft. Aber wer die zuckersüßen Aspekte mag, die für eine solche Geschichte benötigt werden, der wird die hervorragend verwendeten Stilmittel durchaus genießen. Spielberg hat Großartiges bei dem Versuch geleistet, Joey subtile Charaktereigenschaften zu verleihen.

Direkt aus der Schauspielschule kommend, gibt Irvine sein Bestes in der Rolle als junger Farmer. Seine Hingabe zu seinem Pferd ist stets glaubwürdig. Sein Widerwille jedoch, seiner Rolle als Albert etwas Markantes zu verleihen, sein übermäßiger Ernst, macht es einem schwer, auf seiner Seite zu sein und lässt ihn manchmal ein wenig nervend wirken.

Emily Watson und Peter Mullan besetzen ihre Rollen hervorragend, aber es sagt viel aus, dass sie von einer übermütigen Gans mal eben von der Leinwand gespielt werden.

Man kann fast spüren, an welcher Stelle, wenn es ein Theaterstück wäre, die Bühnenlichter ausgehen würden. Zweifelsfrei ist die beste Szene des Films die auf dem Schlachtfeld, in der sich Soldat Toby Kabbells, aus der britischen Kolonie Geordie, mit seinem deutschen Gegenstück austauscht. Es ist eine wundervolle Sequenz, die wegen des vorangegangenen Stacheldrahtvorfalls noch mehr Eindruck hinterlässt und die vom Publikum verlangt, lange den Atem anzuhalten.

Auch hinterlässt Tom Hiddlestones als bewundernswerter Soldat in einem der wenigen Momente, in denen die zu erwartenden Tränen hervortreten, einen unvergesslichen Eindruck.

Doch das ist die eigentlich zugrunde liegende Schwachstelle bei „Gefährten“: Es ist fast zu perfekt und zu effektvoll verpackt, sodass die überhöhte theatralische Dramatik eine Distanz zwischen der Geschichte und dem Publikum schafft, die in einem Unvermögen resultiert, sich mit dem Film zu identifizieren. Es gibt magische Momente, aber man verehrt sie eher, als sich in sie zu verlieben.

 

Empfehlung: 4 von 5 Sternen

 

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN