Blühender Kaktus zur AdventszeitFoto: Josef Jelkic/The Epoch Times Deutschland

Mein toller Auftritt

Von 5. Dezember 2009 Aktualisiert: 5. Dezember 2009 13:26
Vorweihnachtliche Erinnerungen aus Kindheitstagen - echte und falsche Nikoläuse, wer spielt das Christkind und wahre Freundschaft.

Weihnachten ist für Kinder eine aufregende Zeit. Vor allem dann, wenn sich ihre Mütter, Väter, Omas und Opas besondere Dinge einfallen lassen, wie sie den Kleinen das Fest versüßen können.

Los ging es ja schon mit der Adventszeit und dem Nikolaus, der pünktlich Jahr für Jahr am 6. Dezember in unserem örtlichen Geschäft, das Kleider und Wäsche verkaufte, zugegen war. Da stand er dann, der Nikolaus, zwischen den riesigen Gardinenbahnen, und ich wusste nicht, was faszinierender war: diese Stoffmeter in allen Varianten, von denen immer mal wieder etwas abgeschnitten wurde, oder der geheimnisvolle Nikolaus, in dessen Sack in der einen Hand sich ganz gewiss eine leckere Nascherei für mich befand, und der Rute in der anderen, die mir gleichsam heiligen Schrecken einjagte. Schließlich war der Nikolaus allwissend und wusste, wie nur ich selber es wissen konnte, was in seinem goldenen Büchlein stehen würde, wenn er nach meinem Namen darin blätterte.

Und gleichsam, Jahr für Jahr verblüffend und doch real, bekam ich den verdienten Klaps mit der Rute und die Ermahnung, im nächsten Jahr doch ein lieberes Kind zu werden. Einmal stellte ich die Überlegung an, ob nicht etwa meine Mutter ihm irgendetwas über mich verraten hätte, aber nein, das war zu kess. Wie sollte sich der alte Mann so viele Dinge merken können, die ihm alle Mütter der Welt im Vorfeld erzählen würden. Nein, nein, es ging nur so: er schaute von oben runter und konnte mit einem Blick die ganze Weltlage überblicken. Das war einfach logisch.

Kleiner Engel mit lockigem Haar

Meine kleine Schwester, mit ihren braunen lockigen Haaren sah sie schon von weitem wie ein Engel aus, hatte da weniger zu befürchten. Die Rute war eigentlich nur für Jungs – und eben für mich bestimmt. Die Ebene meiner braven Schwester war für mich sowieso unerreichbar und so nahm ich die Belehrung in Kauf, die zwangsläufig vor der Süßigkeit erfolgen musste.

Einmal wurden wir ganz besonders überrascht. Wir waren bei unserer Oma, die ich über alles liebte. Wir saßen auf dem Sofa in der guten Stube und irgendetwas lag in der Luft. Plötzlich klopfte es, und siehe da, ein zweiter Nikolaus, sozusagen ein privater, kein Kaufhaus-Nikolaus, war direkt zu uns nach Hause gekommen und stand jetzt in der Wohnzimmertür. Wie hatten Oma – und sicher auch Mama – das nur schaffen können? Und er bedrohte mich nicht einmal mit seiner Rute: Konnte es sein, dass er ganz tief in meinem Inneren doch einen guten Kern entdeckt hatte? Oder hatte es mit meiner Oma zu tun, in deren Stube mir einfach nichts passieren konnte. – Es war ein schöner Abend.

Alles für die Puppenmuttis

Zu Weihnachten bekamen wir immer ganz besonders schöne Dinge. Es war nicht der Konsumrausch, sondern die Liebe zum Detail. Ja, natürlich hatte ich einmal eine „neue“ Puppe bekommen, eine ganz moderne. Ich fand sie auch toll, denn man konnte in ihren Rücken eine kleine Schallplatte einlegen und eine Batterie, und dann redete sie oder sang ein Lied, je nachdem, welche Platte man einlegte. Das aber leider nur einen Tag, dann war der „Schallplattenspieler“ kaputt und die Puppe redete ab sofort nur noch, wie wir es ihr eingaben.

Einmal passierte etwas recht Kurioses: Ein paar kleinere Puppen fehlten. Vermutlich hatte man sie weggeworfen. Sie waren die meiste Zeit nur nackt am Boden gelegen oder in einer Spielzeugkiste. Ein wenig tat es mir leid, dass ich mich nicht besser um sie gekümmert hatte, dann hätte Mutter sie sicher nicht weggeworfen.

Wie groß war die Freude am Heiligabend, als unter dem Weihnachtsbaum zwei bunte Holzwieglein standen, passend für die Püppchen, die nun darin lagen, zugedeckt mit selbstgenähten Deckchen und angezogen mit gestrickten Höschen. Ja, das waren meine Mama und mein Papa! Sie hatten die Püppchen nur für eine Weile vor uns versteckt, damit wir sie vergessen würden, um ihnen endlich die Bettchen und Kleidchen zu basteln und uns dann damit zu überraschen. Ich war überglücklich.

Der Höhepunkt meiner Karriere

Einmal kam natürlich auch ein Christkind zu uns, ein echtes. Ich war stolz. Ein Christkind hat keine Rute und es liebt alle Kinder. Endlich kam es herein. Es war so wunderschön. Ich saß neben meiner Schwester auf einem Stuhl und das Christkind fragte uns, ob wir ein Lied für es singen könnten. Ich hatte mein Lied akribisch einstudiert und nun war Premiere. Ich schwebte im siebten Himmel und sang mit Engelsstimme „Ihr Kinderlein kommet“, mehrere Strophen. Dann war meine Schwester an der Reihe. Sie sang – „Fuchs Du hast die Gans gestohlen“. In ihrer Aufregung war ihr wohl nicht anderes eingefallen. Alle lachten herzlich und klatschten auch bei meiner kleinen Schwester. Immerhin war sie zwei Jahre jünger als ich und für den eher unpassenden Song hatte das Christkind natürlich die allergrößte Nachsicht.

Ein paar Tage später traf ich mich mit meiner Freundin, die ein paar Häuser weiter wohnte und zu der das Christkind ebenfalls gekommen war. Inzwischen hatte mir meine Mutter schon erzählt, wer das wunderhübsche Christkind in diesem Jahr gespielt hatte – ein größeres Mädchen aus der Nachbarschaft, das ich schon immer sehr bewundert hatte. Als ich nun wusste, dass es auch noch so meisterhaft ein Christkind spielen konnte, stieg meine Bewunderung für dieses Mädchen ins Unermessliche. Meiner Freundin berichtete ich sofort von der Neuigkeit. Was aber keine so gute Idee war, denn sie fuhr mich an, wie ich denn so lügen konnte. Niemals könne das Christkind von jemandem „gespielt“ werden. Das hätte ich doch nur alles erfunden. Ich war ziemlich beleidigt, verstand aber auch, dass ich ihr eben ein Stück ihrer Welt zunichte gemacht hatte. Mir blieb nichts anderes übrig als ihr zu bestätigen, dass ich tatsächlich gelogen hatte und das Christkind eben das Christkind ist. Es ging gerade noch einmal gut und unsere Freundschaft war gerettet.


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