Ist der Mensch von Natur aus faul?

Faul oder nicht faul? Das ist hier die Frage.Foto: ts/Epoch Times / iStock

Ein paar Worte zur Faulheit: Die Raupentechnik und der „Faul-Modus“

Epoch Times26. Oktober 2020 Aktualisiert: 26. Oktober 2020 17:57
Wie ist das mit der Faulheit? „Wir sind nur faul, wenn es um unangenehme Dinge geht, wenn es sich aber um schöne und angenehme Dinge dreht, dann können wir ganz schön in die Schluppen kommen. Viele sind bewegungsfaul, aber noch mehr sind denkfaul. Das ist viel schlimmer“ – so antwortet ein Leser auf unsere aktuelle Frage. Hier ein Blick auf die vielen anderen Antworten.

Wir fragten in unserer letzten Leserfrage: „Ist der Mensch von Natur aus faul?“ Unsere Leser sind es zumindest nicht. Ja, es war eine Suggestionsfrage; vielleicht regte es gerade dadurch zu umfangreichen Antworten an – sogar aus Taiwan schrieb uns jemand zu diesem Thema.

Ganz typisch war die Antwort, dass der Mensch eher nicht von Natur aus faul sei – er will schließlich überleben: „Nicht immer ‚wuchsen‘ alle Früchte ums Eck im Supermarkt und das Steak gabs auch nicht fertig mariniert an der Theke.“ Andererseits sei Faulheit und Fleiß wie „Tag und Nacht, Einatmen und Ausatmen, Sommer und Winter – man braucht sie phasenweise. Aktion und Ruhe aka Faulheit müssen sich abwechseln, damit man gesund bleibt. “

Ob man dann eher zur Faulheit oder zur Aktion tendiere, hänge vom „Alter, Gesundheitszustand, ein bisschen vom Geschecht und auf jeden Fall von Charakter und Konstitution (sanguinisch, phlegmatisch, melancholisch, cholerisch)“ ab.

Ganz knapp gesagt: „La dolce vita, das süße Leben ist verbunden mit – dem dolce far niente, dem süßen Nichtstun. Glück, süß, Nichtstun: Herrlich. Aber siehe das glücklose Los der Fee der Faulheit: Die Dosis macht das Gift.“

Die Raupentechnik und der „Faul-Modus“

„Bei mir wie bei meinem Vater und zwei meiner Geschwister erlebe ich, dass wir uns arbeits- und faulheitstechnisch wie Raupen bewegen: Wir arbeiten wesentlich schneller und oft auch effektiver als alle anderen in der Klasse, im Büro, wo auch immer – brauchen aber längere Zeiten, in denen wir am liebsten ganz allein sind und ‚nichts Vernünftiges‘ machen. Die Erholung liegt da hauptsächlich im Alleinsein … So, wie sich eine Raupe ganz zusammenzieht, um sich danach geradezu sprunghaft vorwärtszuschnellen, deswegen vergleiche ich das mit der Raupentechnik.“

Und weiter: „Was angeboren ist, ist das Haushalten mit den eigenen Kraftreserven. Da niemand über unbegrenzte Kräfte verfügt, gibt es eine physische Funktion, die einen den grünen und roten Bereich spüren lässt. Im Yoga lernen wir, dass der Körper meist viel zu früh Kräfteschwund empfindet, obwohl noch gut 1/3 Energie zur Verfügung stünde. Wer das nicht gelernt hat, verfällt viel zu früh in den ‚Faul-Modus‘. Und dieser ‚Faul-Modus‘ kann natürlich dann zur Gewohnheit werden. Aber das ist dann angelernt, und kann und muss auch ent-lernt werden. Umgekehrt ist es mit der Nahrungsaufnahme. Da sorgt die Fähigkeit zur Vorratsspeicherung dafür, dass sich das Sättigungsempfinden erst viel zu spät meldet.“

Zu einem ähnlichen „Energiesparmodus“ schreibt ein anderer: „Der Begriff ‚faul sein‘ ist nichts anderes als die wertende Version von ‚Energiesparen‘… Die große Frage für Menschen an bestimmter Position ist: Darf man sich an dieser oder jener Stelle Energiesparen leisten oder sollte man nicht offen zu geben, dieses oder jenes nicht zu wollen oder zu können und sollte man nicht das eine oder andere abgeben!! Auch sollte sich keiner der Illusion hingeben, ohne Energieaufwand durchs Leben kommen zu können!“

Geistig durchhängen lassen und wollen

„Die meisten von uns fürchten den Abgrund, wenn wir uns zu tief in die Untätigkeit, den Stillstand, das Verharren im ungetrübten Glück hineinstürzen würden. Und: Mindestens ich brauche mein Quantum an Tun, Disziplin, vielleicht, wer weiß, auch Bitterkeit, so wie die Geschmacksrichtung bitter, die der Körper ja auch braucht, wenn auch die Zunge sie nicht mag.“

„‚Faul‘ ist ein weit gedehnter Begriff. Ist man nur faul, dann bekommt man sein Leben nicht mehr in Griff. Ist man ab und zu faul, braucht man eine Pause, um neue Energie und Ideen zu entwickeln. Ist man alters-faul, hat man schon viel erlebt, es reicht, in den Tag zu leben. Ist man perspektivlos-faul, hat man keine Ideen, Geld und ist lebensunfähig. Ist man alltags-faul, hat man kein Bock auf Bildung-Kultur-Lesen, und das Problem, jetzt müssen zu müssen. Man wartet lieber und schiebt es vor sich her, bis es doch gemacht werden muss.“

Man kann es auch salomonisch so betrachten: „Wenn man arbeiten muss, möchte man so gerne nichts tun und faulenzen und wenn man in Rente ist, möchte man gerne arbeiten und keine Langeweile haben, es ist also niemals allen Recht zu machen – darum jeder so wie er will.“

Arbeite klug, nicht hart (Dr. Gregory House)

Einige Leser antworteten uns sehr umfangreich, hier eine der Antworten:

„‚Ich bin raus‘, würde der faule Mensch gleich nach dem Fragezeichen sagen. Das kann man ihm nicht verdenken. Gibt man die Frage wörtlich bei Google ein, wirft der Spider rund 2.3 Millionen Ergebnisseiten raus. Wer um Gottes willen macht sich die Arbeit, über eine einzige Frage derart umfassend nachzudenken, dass sich Millionen Seiten damit füllen lassen?

Sieben Worte, die es in sich haben, und das allein deshalb, weil ihnen ein Fragezeichen folgt. Stellen wir uns vor, die Wortreihe würde folgend lauten: Der Mensch ist von Natur aus faul. Hervorragend! Damit ist die Sache erledigt. Was machen wir jetzt?

Wer das Fragezeichen nicht ignorieren kann, der macht sich Arbeit. Selbst Schuld, könnte man meinen, doch so einfach ist das nicht. Keine Frage entsteht aus dem Nichts; es gibt immer einen guten Grund für eine Frage, präziser gesagt, ein Motiv, das ihr zugrunde liegt. Das ist keine Wortklauberei. Die Resonanz der verschiedenen Begrifflichkeiten lässt uns schon erahnen: Während ein Grund, eine Begründung lediglich auf einen kausalen Zusammenhang hindeutet, impliziert der Begriff ‚Motiv‘ per Definition eine Absicht, wie wir sie aus der Kriminalistik kennen. Richtig angewendet, ist unsere Sprache so präzise wie ein Glockenspiel. Wenn einer einen Grund hat, handelt er begründet. Hat er jedoch ein Motiv, schrillen bei uns die Alarmglocken, und das ist auch gut so. Vorsicht vor ‚falschen‘ Fragen!

Wichtiger als die Frage selbst ist das Motiv, das dahinter steckt. Warum sonst sollte es Fragetechniken geben, die es zweifellos gibt. Es gibt ganze Abhandlungen über die Art von Fragen. So gibt es z. B. Einstiegsfragen, hypothetische Fragen, paradoxe Fragen, Befehlsfragen, rhetorische Fragen, Suggestivfragen und viele, viele mehr.

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Was motiviert also wen zu der Frage, ob der Mensch von Natur aus faul sei? Hierbei könnte es sich um Wissenschaftler aus dem Bereich der Psychologie, der Neurologie oder der Biologie handeln, oder einfach um Angehörige der schreibenden Zunft, die damit ihr tägliches Brot verdienen. Alles harmlos, alles begründet. Was aber, wenn die Frage von einem Wirtschaftswissenschaftler im Rahmen seiner Arbeitsstudien zum Zwecke der Ermittlung von Vorgabezeiten für Arbeitsprozesse gestellt wird? Wenn das kein Motiv ist… schließlich beschäftigen sich Arbeitsstudien mit der Effizienz der zur Verfügen stehenden Ressourcen, wie z. B. den Humanressourcen.

Doch die Frage greift tiefer. Sie verknüpft eine menschliche Eigenschaft mit der ursprünglichen Natur, wodurch sie die Eigenschaften der Natur selbst in Frage stellt. Ist es das, was sich unter Transhumanismus zusammenfassen lässt? Der Transhumanismus zielt darauf ab, die Grenzen menschlicher Möglichkeiten, sei es intellektuell, physisch oder psychisch, durch den Einsatz technologischer Verfahren erweitern zu wollen. Und was bitte, macht die Natur? Zweifelt da etwa jemand an Gottes Schöpfung? Der Begriff Evolution steht für die beständige Entfaltung und Transformation allen Seins, sie ist ein der Schöpfung auf ewig innewohnende Gesetz – sie kann gar nicht anders. Schließlich ist auch der Mensch nicht mehr derselbe wie vor tausend Jahren. Der Mensch ist Teil der Natur, nicht seiner selbsterschaffenen Technologien. Stellt sich somit die Frage, in welcher Beziehung die Natur zum Begriff der Faulheit steht?

In keiner, das ist die simple Antwort. Der Begriff Faulheit – hier sollte jeder die Ohren spitzen – enthält eine Wertung, die sich aus seinem Gegenbegriff, dem Fleiß, ergibt. Doch die Natur wertet nicht, sie ist einfach so, wie sie ist. Ist eine Eule faul, weil sie untätig auf einem Ast sitzt? Warum sollte ein Mensch den Garten umgraben, wenn es dafür keinen guten Grund gibt? Offenbar besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen der sogenannten „Faulheit“ und der Untätigkeit eines lebendigen Wesens, was uns zu der Frage nach der Triebfeder des Lebens führt.

Erwiesenermaßen tut alles Lebendige aus freien Stücken das, was sein nacktes Überleben garantiert. Jedenfalls habe ich noch nie gehört, dass sich ein Tier oder ein Mensch aus lauter Faulheit hingesetzt hat, bis es oder er, verhungert waren. Sobald die lebensnotwendigen Bedürfnisse befriedigt sind, kommen weitere, ebenso starke Impulse hinzu, nämlich die Aussicht auf (Lebens-)Lustgewinn und der Ausdruck purer Lebensfreude. Die Doktrin des Lebens liest sich kurz: Lebe und habe Spaß daran. Mehr braucht es nicht!

Auch wenn die Natur de facto keine weiteren Beweggründe für ihr Sein erkennen lässt, wäre es vollkommen absurd, sie deshalb als faul zu bezeichnen. Aus dieser Erkenntnis gewinnen wir einen wichtigen Schluss: Der Mensch kann unmöglich ‚von Natur aus‘ faul sein, weil Faulheit kein natürliches Prinzip ist!

Hier könnte der Beitrag nun enden, weil die ursprüngliche Frage, ob der Mensch ‚von Natur aus‘ faul sei, durch das Vorangegangene hinreichend widerlegt sein dürfte.

Doch die Frage selbst wirft weitere Fragen auf, und das ist das Schlimmste an solchen Fragen: Zielte das Motiv hinter der ursprünglichen Frage tatsächlich auf die Frage ab, ob die ‚Faulheit‘ des Menschen ‚von Natur aus‘ besteht? Das Interessante an dieser Frage ist doch, dass sie bereits die Feststellung enthält, dass der Mensch faul ist, daran besteht für den Fragenden kein Zweifel. Folglich versucht er zu klären, wer die Schuld für die Faulheit des Menschen trägt. Gegenfrage: Inwiefern tangiert die ‚Faulheit‘ eines Menschen den Fragesteller? Falls sich der Fragende lediglich um die Erschließung weiterer Ressourcen bemüht, empfehle ich, das Wort ‚faul‘ gegen das Wort ‚untätig‘ auszutauschen und weiter oben im Text nachzulesen, was ein lebendiges Wesen zur Aktion motiviert.

Hier ist wirklich Schluss. Eigentlich bin ich viel zu faul, mir über solche Fragen Gedanken zu machen.“ (ks)

Die Epoch Times dankt allen Lesern, die sich beteiligt haben! Und: Welche Frage würden Sie denn einmal an unsere Leser stellen wollen?


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