Fußball gegen das Vergessen

Epoch Times16. März 2018 Aktualisiert: 16. März 2018 11:53
Acht alte Menschen betrachten das an die Wand projizierte Foto: Diego Maradona im rot-blauen Trikot des FC Barcelona. "Wer ist das?", lautet die Frage, die die Bewohner eines Altersheims in Madrid beantworten sollen.

Eine weißhaarige Frau erkennt den argentinischen Fußballer schließlich. „Sehr gut!“, lobt Javier Torres. Und weiter geht das Ratespiel: „Mit welchem Fuß spielte Maradona?“

Torres war selbst Fußballprofi – rechter Außenverteidiger bei Valladolid. Zusammen mit Roberto Solozábal, der bei Atlético Madrid spielte, kümmert er sich um Demenzpatienten. Drei Monate dauert der Workshop der beiden Ex-Profis im privaten Altersheim Ballesol Olavide.

Die Beschäftigung mit Fußball soll helfen, das Gedächtnis zu stimulieren und Erinnerungen an ihr Leben wach zu rufen. Erinnerungstherapie heißt dieser Ansatz und ist seit langem Praxis bei der Behandlung von Alzheimer. Neu hingegen ist der Fokus auf Fußball.

Der spanische Verband der ehemaligen Fußballspieler rief das Programm 2016 ins Leben, nachdem er von einer ähnlichen Initiative in Schottland erfahren hatte. Im Fußball-verrückten Spanien, wo täglich fünf Fußballzeitungen erscheinen, schien der Ansatz vielversprechend. „Fußball ruft extrem starke Gefühle hervor, das ist etwas, woran sich die Leute erinnern“, sagt der Präsident des Verbandes, der 77 Jahre alte einstige Atlético-Madrid-Spieler Juan María Zurriqueta.

20 Workshops sind für dieses Jahr in verschiedenen spanischen Städten geplant. Darin versuchen die Ex-Profis, Jahrzehnte zurück liegende Fußballspiele mit Ereignissen aus dem damaligen Alltag der Senioren zu verknüpfen.

Im Altersheim Ballesol Olavide ist das an diesem Tag das Finale der Weltmeisterschaft 1982, bei dem sich die Mannschaften Italiens und der Bundesrepublik in Madrid gegenüberstanden. Die Bewohner fangen an, sich darüber zu unterhalten, wo sie damals arbeiteten.

„Fußball ist ein Werkzeug, um Erinnerungen auszugraben“, sagt Workshopleiter Solozábal. Er hält die Teilnehmer dazu an, alle Ereignisse, die ihnen bei den Treffen wieder in den Sinn kommen, aufzuschreiben.

„Das hilft mir, nicht den Verstand zu verlieren“, sagt Ricardo Marina Liceras über den Workshop. Der frühere Lastwagenfahrer ist 87 Jahre alt und lebt seit knapp einem Jahr in dem Altersheim. Außerdem habe er durch den Workshop die anderen Bewohner besser kennengelernt und Vertrauen zu ihnen gefasst.

Studien haben gezeigt, dass die Erinnerungstherapie die kognitiven Fähigkeiten und die Lebensqualität der Menschen verbessert. Das Selbstvertrauen wächst und sie fühlen sich weniger einsam. „Die Leute sind jetzt viel motivierter und wirklich begierig, zu arbeiten und sich zu erinnern“, hat die Psychologin des Altersheims, Beatriz Gema Rodriguez Blazquez, während des Workshops beobachtet. „Auch auf emotionaler Ebene hat sich viel verändert.“ (afp)

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