Ausgebüxtes Zirkus-Zebra „Pumba“ erschossen – Augenzeugen empört

Epoch Times3. Oktober 2019 Aktualisiert: 3. Oktober 2019 15:07
Große Aufregung in Liepen, einem kleinen Dorf in Mecklenburg. Ein Zebra liegt erschossen am Straßenrand. Tränen fließen. Über die Umstände wird noch debattiert.

Pumba liegt erschossen im Straßengraben in der kleinen Ortschaft Liepen, rund 40 Kilometer östlich von Rostock. Daneben stehen fünf Mitarbeiter des Circus Barlay. Die Tränen fließen, sie können es nicht fassen, dass ihr fünfjähriges Zebra tot ist.

Das Drama hatte in der Nacht zu Mittwoch angefangen, als der Zirkus in Tessin ankam. Das Problem sei gewesen, dass sie mit ihren vier Schwertransportern und den Tieren nicht aufs Gelände fahren konnten, wie Zirkuschef Jonny Ortmann berichtet. Sonst wären die Tiere einfach ins Gehege gelaufen. Beim Ausladen seien die zwei Zebras abgehauen.

Laut Polizei ließ sich eines eingefangen und wurde zurückgebracht. Pumba ließ sich aber weder mit Futter noch mit anderen Methoden dazu bewegen zurückzukommen. Er lief am Mittwochmorgen auf die Autobahn 20 und verursachte dort einen Unfall. Als ein Autofahrer wegen des Zebras stark bremste, kam es zu einer Kollision mit einem parallel fahrenden Wagen. Menschen wurden dabei nicht verletzt, die Autobahn jedoch zeitweise gesperrt.

Das Zebra floh, wobei es über die Motorhaube eines Autos stieg, einen Streifenwagen demolierte und einen Polizisten leicht verletzte. Neben der Polizei wurde noch die Tierrettung der Rostocker Feuerwehr verständigt.

Polizei und Augenzeugen berichten unterschiedlich

Als das Tier später auf einem Acker entdeckt wurde, versuchte der zuständige Zirkusdompteur nach Angaben der Polizei vergeblich, das Zebra unter Kontrolle zu bringen. Doch weder er noch die von der Polizei um Amtshilfe gebetene Tiernotrettung der Feuerwehr Rostock hatten Erfolg. Die Flucht des Zirkus-Zebras wurde schließlich in Liepen von einem Mitarbeiter der Tierrettung mit zwei Schüssen beendet.

Über den Ablauf in dem rund 60-Einwohner-Ort Liepen gibt es zwei Versionen. Wie der Rostocker Stadtsprecher Ulrich Kunze berichtete, war der Einsatz eines Betäubungsgewehrs nicht möglich, da eine Gefährdung anderer nicht ausgeschlossen werden konnte. „Das Tier war nach Einschätzung der Mitarbeiter nicht zu bändigen.“ Aus einer Distanz von rund 60 Metern sei nur der Schuss mit der scharfen Munition möglich gewesen.

Doch neben der Trauer kommt auch Wut auf. Denn nach Darstellung von Augenzeugen sei die Tötung des Tieres, das sich zuvor auf die Autobahn 20 verirrt hatte, nicht notwendig gewesen.

„Es ging doch gar keine Gefahr aus“, sagt dagegen Anwohnerin Petra Melchin über Pumba. „Der war kaputt, der Kopf war unten.“ Ihrer Meinung nach hätte direkt neben dem Tier nur ein fünf Meter entferntes Tor zu einem umzäunten Feld geöffnet werden müssen. „Er wäre rein gelaufen und gut wäre es gewesen.“ Es habe keinen Grund gegeben, das Tier zu töten. „Definitiv nicht.“ Und dann habe der Schütze seine Schüsse aus naher Entfernung abgegeben: „Das waren keine zehn Meter.“ Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Zebra tot, Zirkus geht weiter

Auch Zirkuschefin Adriane Ortmann ist entsetzt. Die Polizei habe zugesichert, dass Pumba nur betäubt werde. „Er hat ganz brav hier gestanden“, sagt sie dem Sender Antenne MV. Sein Ausflug wäre hier zu Ende gewesen. Alle seien geschockt.

Zirkus-Mitarbeiter kündigten an, Anzeige gegen den Schützen zu erstatten. Jonny Ortmann sagt, dass am Freitag die Premiere in Tessin trotzdem stattfinden werde. „Es muss ja weitergehen.“ Das sei eben das Zirkusleben. Und es werde in der Manege auch wieder gelacht. (dpa/ts)

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