Das schwarze rechteckige Objekt aus Ala-Tey 1 ist mit Türkis, Karneol und Perlmutt verziert.Foto: Pavel Leus (IHMC RAS / Exploration Eurasia)

Die faszinierenden Bestattungen aus Tuva: Das russische „Atlantis“ und seine Geheimnisse

Epoch Times20. September 2019 Aktualisiert: 18. September 2019 16:09
Seit wenigen Wochen geht die Geschichte über ein Smartphone-ähnliches Objekt aus einer mehr als 2.000 Jahre alten russischen Bestattung aus Tuva viral. Doch eigentlich handelt es sich bei dieser Gürtelplatte aus Pechstein um einen viel spannenderen Fund, denn wo er herkommt, gibt es noch viel mehr zu entdecken.

Seit wenigen Wochen geht die Geschichte über ein Smartphone-ähnliches Objekt aus einer mehr als 2.000 Jahre alten Bestattung aus Tuva, im heutigen Russland, viral. Doch eigentlich handelt es sich um einen viel spannenderen Fund, denn wo er herkommt, gibt es noch viel mehr zu entdecken.

Die Archäologen entdeckten das schwarze rechteckige Objekt in der Nekropole Ala-Tey 1 in der Gebirgsregion Tuva. In dieser Region treffen nahezu alle Landschaftsformen aufeinander: Von hohen Bergen und ausgedehnter Taiga bis hin zur mongolischen Steppe und Wüsten. Ala-Tey 1 ist eines von zwei wichtigen Gräberfeldern der Xiongnu-Zeit.

Tuva: Von der Taiga bis zur Wüste

Seit 2016 erforscht die Tuwinische Archäologische Expedition des Institutes für Geschichte der materiellen Kultur der Russischen Akademie der Wissenschaften (IHMC RAS) mit Unterstützung der Society for the Exploration of Eurasia (Schweiz) diesen Ort.

Unter der Leitung von Dr. Marina Kilunovskaya und Pavel Leus konnten bislang 110 Bestattungen entdeckt werden. Zu ihrem Glück waren diese nicht, wie viele andere, antik beraubt und präsentierten stattdessen reiche Beigaben.

Das russische „Atlantis“ – Vom Stausee zur Wüste

Doch nur für wenige Wochen im Jahr, ist es den Archäologen möglich, die Fundstätte zu besuchen und Ausgrabungen vorzunehmen. Denn das Gräberfeld von Ala-Tey 1 befindet sich rings um einen gleichnamigen Berg, in einem riesigen künstlichen Stausee am Jenissei in Zentralasien.

Ganz in der Nähe wird das größte Wasserkraftwerk Russlands betrieben, das jährlich von Mai bis Juni sein Wasser ablässt und die Landschaft in eine riesige Wüste verwandelt. Den Rest des Jahres liegen die Gräber in einer Tiefe von etwa 15 Metern auf dem Grund des Stausees.

Bislang entdeckten Archäologen in Tuva Gräber von der Bronzezeit bis zur Zeit des berühmten Dschingis Khan. Doch besonders spannend waren die Bestattungen aus der Xiongnu-Zeit, wie etwa das Grab von „Natasha“. Gekleidet mit aufwendigem Gürtelschmuck trat die Frau vor mehr als 2.000 Jahre ihre Reise ins Jenseits an.

Natasha und ihr modisches Accessoire für das Jenseits

Die Archäologen nannten die Frau scherzhaft Natasha, weil ein Keramikgefäß aus ihrem Grab ein Zeichen trug, dass wie der Buchstabe H aussieht. Dieser Buchstabe ist im russischen ein N, weshalb die Archäologen die tote aus dem Grab Natasha nannten. In Wirklichkeit könnte das H eine Art Familie- oder Clan-Zeichen darstellen. Ähnliches ist bereits von den Skythen bekannt.

„Die Bestattung von Natasha aus der Xiongnu-Zeit bleibt eine der interessantesten an diesem Fundplatz“, sagte Pavel Leus in einer neuen Publikation. Hierin präsentieren die Forscher ihre Ergebnisse der mehrjährigen archäologischen Expeditionen in Ala-Tey.

Tatsächlich handelt es bei dem sensationellen Fund um eine 18 x 9 Zentimeter große, verzierte Gürtelplatte mit Einlagen aus Türkis, Karneol und Perlmutt. Außerdem war der Gürtel der Frau mit chinesischen Wuzhu-Münzen verziert, die den Wissenschaftlern bei der Datierung halfen.

Die Archäologen vermuten, dass die Bestattung bis zu 2.137 Jahre alt sein könnte, da zu diesem Zeitpunkt erstmals derartige Münzen geprägt wurden.

Kontrast zwischen Mann und Frau

Die Toten aus Ala-Tey 1 wurden alle in flach in den Boden eingelassenen und mit Steinschutz versehenen Gräbern beigesetzt. Auffällig war jedoch die verhältnismäßig arme Ausstattung der Männergräber, im Gegensatz zu den Xiongnu-Frauen. Während die Männer Tongefäße und Messer erhielten, legte man den Frauen imitierte chinesische Spiegel und aufwendigen Gürtelschmuck mit ins Grab. Waffen schienen hier eher eine untergeordnete Rolle zu spielen.

Der Gürtelschmuck bestand wie bei Natasha aus einem ledernen oder textilen Gürtel. Dieser konnte mit Münzen, Steinscheiben, Bronzeapplikationen oder Schalen von Kaurischnecken verziert sein. Der Hauptteil des Gürtels bildete jedoch die Gürtelplatte aus Gagat oder Bronze. Diese konnten mit Gravuren, Mineralen oder Halbedelsteinen verziert sein, sowie tierische oder florale Motive tragen.

Außerdem gab die Haltung der Arme der Toten einen Hinweis auf das Geschlecht der bestatteten Person. Während bei den Männern die Arme ausgestreckt am Körper lagen, waren die Arme der toten Frauen angewinkelt und lagen auf dem Bauch oder auf verschränkt über der Brust. (ts)


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