Mohammad Bahari kehrt die Straßen von Tehran. (Foto: Arjang Hemmati, Epoch Times)

Afghanische Flüchtlinge im Iran

Millionen Flüchtlinge fürchten Armut, Diskriminierungen und Abschiebung

Teheran – In den frühen Morgenstunden kehrt der dreizehnjährige Mohammad Bahari mit einem viel zu großen Besen eine Straße im noch ruhigen Teheran. Sein knabenhaftes Aussehen und seine zierliche Figur erinnern an ein kaum zehnjähriges Kind und machen es schwer, zu glauben, dass er ein Beamter der Stadt ist. Vor acht Jahren flüchteten Mohammad und sein zwanzigjähriger Bruder über die iranische Grenze nach Afghanistan. „Es ist besser hier, in Afghanistan gibt es nämlich überhaupt keine Arbeit“, sagt Mohammad.

Vor kurzem wurde sein Bruder von den Behörden nach Afghanistan zurückgeschickt. Damit ist Mohammad nun der alleinige Ernährer einer fünfköpfigen Familie. Monat für Monat wird Mohammads Gehalt (130 Toma = zirka 100 Euro) direkt an seine Familie geschickt. Seine eigenen Bedürfnisse stillt er aus den Spenden, die er von wohlhabenderen Haushalten für das Einsammeln von Müll bekommt. Er lebt in einem von der Stadt bereitgestellten Anhänger, den er allerdings mit sieben anderen Afghanen teilen muss.

Trotzdem schätzt sich Mohammad glücklich, verglichen mit vielen anderen Afghanen, die deportiert wurden. An einem Morgen vor ein paar Tagen wurden vier seiner Wohngenossen während des Frühstücks von Mitarbeitern der Behörden abgeholt. Der Rest konnte entkommen. Einmal wurde Mohammad gemeinsam mit mehreren Erwachsenen bereits mitgenommen, konnte dann aber wieder entlassen werden. Der Polizeichef bedeutete ihm, dass Kinder unter 15 Jahren nicht zurückgeschickt werden, weil die lange Reise während des Sommers zu anstrengend sei.

Es gibt zirka 1,5 Millionen illegale afghanische Migranten im Iran und 920.000 registrierte afghanische Flüchtlinge.

Laut Angaben des UNO-Hochkommissariates für Flüchtlingsfragen (UNHCR) kommen nach wie vor die meisten Flüchtlinge aus Afghanistan, der Großteil landet in Pakistan und im Iran. Die erste große Welle afghanischer Flüchtlinge kam während der Zeit der sowjetischen Invasion in Afghanistan im Jahr 1979 in den Iran, als um die 1,5 Millionen Afghanen in die Nachbarländer Afghanistans strömten. Einige sind in Friedenszeiten dann wieder zurückgekehrt, aber weitere enorme Flüchtlingsströme verursachten in der Folge die Taliban-Machtübernahme und dann die US-Invasion in Afghanistan.

Afghanische Bürger werden im Iran hauptsächlich in der Landwirtschaft und der Baubranche beschäftigt. Sie sind als fleißige Arbeiter geschätzt, die im Vergleich zu lokalen Arbeitern für geringere Entlohnung zu arbeiten bereit sind. Dadurch sind sie einerseits bei den Arbeitgebern sehr begehrt, werden andererseits aber von den Iranern wegen Lohnunterbietungen abgelehnt. Die iranische Regierung betrachtet die Afghanen als Belastung für die Wirtschaft des Landes und unternimmt seit Jahren Maßnahmen, um sie wieder in ihre Heimat umzusiedeln.

Afghanische Flüchtlinge in Kabul. (Afghanische Flüchtlinge in Kabul. (Foto: Getty Images)

In Bezug auf die Niederlassungsmöglichkeiten im Iran sind für die Afghanen die Einschränkungen noch strenger. Die Heirat afghanischer Männer und iranischer Frauen wird immer mehr erschwert. Wenn ein Afghane eine Iranerin heiratet, gilt die Ehe von vornherein als ungültig, es sei denn, er registriert sich bei den Behörden und nimmt äußerst komplizierte und schikanöse Behördengänge in Kauf. Er bekommt im besten Fall eine einjährige Aufenthaltsgenehmigung, die er jedes Jahr erneuern lassen muss. Dann erhält er eventuell Arbeitspapiere, deren Gebühren allerdings so hoch sind, dass ein Großteil seines Gehaltes dafür abgegeben werden muss. Der Zugang zu öffentlichen Bildungsanstalten wurde für afghanische Kinder stark eingeschränkt. Es ist für viele praktisch unmöglich, zur Schule zu gehen, da ihre Familien die Kosten dafür nicht aufbringen können.

Ein Beamter des iranischen Büros für Immigration erläuterte, dass 85 Prozent der Afghanen nicht zufrieden sind mit dem Leben im Iran und zirka 95 Prozent von ihnen in Armut leben. Er informierte weiter, dass in den Jahren 2004 und 2005 die Heimkehrrate höher als danach war, obwohl die Situation für die Afghanen schwieriger wurde.
Zu Beginn dieses Jahres verlautbarte der iranische Innenminister Mostafa Pour-Mohammadi, dass Teheran plane, bis zum März 2008 eine Million Afghanen rückzuführen. Er warnte gleichzeitig Afghanen ohne Aufenthaltsgenehmigung, das Land auf eigene Faust zu verlassen. Ausgenommen sind jene, die erzwungene Abschiebungen zu befürchten hätten. Im April begann die Regierung, die Afghanen gewaltsam in ihr Heimatland zu deportieren. Innerhalb kurzer Zeit waren 100.000 Afghanen über die Grenze geschickt worden. „Diese Flüchtlinge leben dort ohne Strom, Wasser, Nahrung und Arbeit,“ sagt Sohalia Farhad, eine Aktivistin der in Afghanistan angesiedelten Organisation RAWA, über die gewaltsam nach Afghanistan Deportierten.

„An den Grenzen sind die Familien nicht zusammen. Der eine sucht einen Sohn, die da drüben suchen einen Ehemann, jeder sucht irgendein Familienmitglied,“ sagte Farhad. In vielen Fällen wandte die iranische Polizei beim Ausweisen Gewalt an. „Die iranische Polizei benimmt sich äußerst brutal im Umgang mit den Flüchtlingen, es wird geschlagen und beleidigt.“

Vivian Tan, eine Sprecherin des UNHCR, berichtet Ähnliches: „Wir erhalten Berichte von Deportationen, die ohne Vorankündigung durchgeführt wurden; teilweise stürmen Mitarbeiter der iranischen Behörden mitten in der Nacht in die Häuser, verhaften die Leute und schieben sie dann ab“, sagte Tan. Manchmal, so erzählt sie, werden ordentlich registrierte Afghanen, die mit Illegalen zusammen sind, einfach mitabgeschoben. Wenn die UNHCR davon erfährt, wird sofort interveniert. Denn, so Tan: „Rein technisch gesehen gehören die illegalen Migranten nicht in den Kompetenzbereich des UNHCR, und die iranische Regierung betrachtet sie als illegale Immigranten, aber wir haben ein Problem mit der Art und Weise, wie sie abgeschoben werden.“



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion