Taliban-Delegation in Doha: Dort hatten die militanten Islamisten und die USA am 29. Februar ein Abkommen geschlossen, das einen Abzug aller US- und internationalen Truppen aus Afghanistan vorsieht.Foto: Hussein Sayed/AP/dpa/dpa

Afghanische Loja Dschirga beschließt Freilassung von 400 gefangenen Taliban

Epoch Times9. August 2020 Aktualisiert: 9. August 2020 10:45
In Kabul hat eine Stammesversammlung die Freilassung von 400 inhaftierten Taliban beschlossen. Damit sei die letzte Hürde aus dem Weg geräumt, um den Friedensprozess zu starten, verkündete der Chefunterhändler der Regierung.

In Kabul hat eine Stammesversammlung die Freilassung von 400 inhaftierten Taliban-Kämpfern beschlossen. „Wir stehen kurz vor Friedensgesprächen“, sagte der Chefunterhändler der afghanischen Regierung, Abdullah Abdullah, am Sonntag nach dem Beschluss. Die radikalislamischen Taliban hatten als Voraussetzung für Verhandlungen die Freilassung ihrer Kämpfer verlangt – darunter sind viele, die schwere Anschläge im Land verübt haben.

„Damit der Friedensprozess beginnen kann, das Blutbad ein Ende nimmt und zum Wohle des Volkes genehmigt die Loja Dschirga die Freilassung von 400 Gefangenen, wie von den Taliban verlangt“, verkündete ein Sprecher der Stammesversammlung. Die sogenannte Loja Dschirga hatte am Freitag begonnen.

Das Treffen wird einberufen, wenn schwierige Entscheidungen getroffen werden müssen. Rund 3200 Stammesälteste und weitere Würdenträger nahmen daran teil.

150 der 400 wegen besonders schwerer Straftaten zu Tode verurteilt – nun kommen sie frei

Afghanistans Ex-Präsident Hamid Karsai sprach auf der Versammlung von einem „glücklichen Tag“. Er fügte hinzu: „Nach meinen Informationen könnten die innerafghanischen Gespräche zwei oder drei Tagen nach der Freilassung der 400 Gefangenen beginnen.“

Nach einer Vereinbarung zu einem Gefangenenaustausch hatte Kabul in den vergangenen Monaten bereits 5000 gefangene Taliban-Kämpfer freigelassen. Die Islamisten haben ihren Teil der Abmachung bereits erfüllt und 1000 Angehörige der afghanischen Sicherheitskräfte freigelassen.

Die Freisetzung 400 weiterer gefangener Taliban war aber zu einem Streitpunkt zwischen den Extremisten und der afghanischen Regierung geworden.

Denn 150 der 400 Gefangenen wurden laut einer offiziellen Liste, die der Nachrichtenagentur AFP vorliegt, wegen besonders schwerer Straftaten zum Tode verurteilt. Viele der Gefangenen waren demnach an schweren Anschlägen beteiligt, bei denen zahlreiche Afghanen, aber auch Ausländer getötet wurden.

Großes Sicherheitsrisiko

Der Liste zufolge sehen auch die USA und andere Staaten bei 44 Kämpfern ein besonders großes Sicherheitsrisiko. Dennoch hatte US-Außenminister Mike Pompeo den einflussreichen Ältestenrat aufgerufen, sich für die Freilassung weiterer Taliban-Kämpfer einzusetzen. „Wir wissen, dass die Freilassung dieser Gefangenen unpopulär ist“, erklärte Pompeo am Freitag.

Die USA und die Taliban hatten im Februar das Abkommen von Doha geschlossen. Ziel ist die Regelung des US-Truppenabzugs aus Afghanistan nach fast zwei Jahrzehnten Krieg.

Im Gegenzug sollen die Taliban die Gewalt in Afghanistan reduzieren und Garantien dafür geben, dass sie das Terrornetzwerk Al-Kaida und die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekämpfen. Dafür soll es ein Friedensabkommen zwischen der Regierung in Kabul und den Taliban geben. Bisher scheiterten Versuche, das Abkommen auf den Weg zu bringen. (afp)

 



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion