Afrika wehrt sich gegen das Coronavirus: Bislang erst dreistellige Zahl an Infizierten

Von 21. März 2020 Aktualisiert: 21. März 2020 11:11
Wird das chinesische Coronavirus für Afrika noch zur großen Katastrophe – oder helfen bisherige Erfahrungen mit Seuchen den dortigen Ländern, die Pandemie trotz erheblicher Risikofaktoren kleinzuhalten? Bis dato übertrifft der Kontinent alle Erwartungen.

Während mittlerweile fast die Hälfte aller bislang diagnostizierten Infektionen mit dem von China aus in die Welt verbreiteten Coronavirus auf Europa entfallen, und sogar fast zwei Drittel der aktiven Fälle, ist Afrika bis dato von der Pandemie verhältnismäßig wenig betroffen. Das Land mit den meisten festgestellten Fällen ist aktuell Südafrika mit 202. Danach kommen Algerien mit 90 und Marokko mit 66 Fällen. Bis dato sind den Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge 27 Staaten betroffen – allerdings erreicht die Zahl der Fälle auf dem gesamten Kontinent bislang noch keine 500.

Die nach wie vor geringe Ausbreitung des Virus und die überschaubaren Zuwachsraten lösen Spekulationen aus. Gerade der afrikanische Kontinent bietet eine Vielzahl an Risikofaktoren, die eine Pandemie und deren Verbreitung begünstigen können. Dazu gehören unter anderem Städte mit hoher Bevölkerungsdichte und Wohnviertel mit unzureichenden hygienischen Standards, große, generationenübergreifende Familienverbände, die auf beschränktem Wohnraum zusammenleben, überfüllte öffentliche Verkehrsmittel und überwiegend einfache, schwach ausgeprägte Gesundheits-Infrastruktur.

Afrikas Städte können keinen sozialen Abstand garantieren

Das bedeutet, dass in dicht bevölkerten Townships und Slums der Städte kein „sozialer Abstand“ durchgehalten werden kann – in den Weiten der ländlichen Regionen demgegenüber keine Krankenhäuser oder auch nur Testzentren erreicht werden können. In vielen Ländern gibt es nicht einmal in allen Städten für die gesamte Bevölkerung Zugang zu sauberem Wasser oder gar Desinfektionsmitteln. In ländlichen Gebieten oder Bürgerkriegsregionen gar noch weniger.

Zudem ist China mit einer Vielzahl an Projekten im Rahmen der sogenannten „Neuen Seidenstraße“ und vermeintlicher „Entwicklungszusammenarbeit“ auf dem Kontinent vertreten, was einen weiteren möglichen Verbreitungsweg darstellt.

Vielfach wird deshalb davon ausgegangen, dass es so wenige festgestellte Infektionen mit dem Coronavirus in Afrika gibt, weil die Möglichkeit der Diagnose fehlt. WHO-Generaldirektor Tedros Ghebreyesus fürchtet, wie der „Focus“ berichtet, eine explosive Ausbreitung der Infektionen in solchen Staaten, die bereits bei vorangegangenen Seuchenausbrüchen von AIDS über Ebola bis hin zu Tuberkulose keine Chance hatten, gegenzusteuern.

Junge Bevölkerung besser gegen Coronavirus gerüstet?

Im Fall einer explosionsartigen Ausbreitung des Virus, wie sie derzeit in Teilen Europas zu beobachten ist, könnten, so wird gemutmaßt, viele Erkrankte nicht behandelt werden. Millionen potenzieller Betroffener sind zudem nicht krankenversichert. Selbst in verhältnismäßig weit entwickelten Ländern wie Kenia gab es 2015 nicht mehr als 130 Intensivbetten und 200 für solche Situationen ausgebildete Pflegefachkräfte.

Andererseits könnten in Afrika jedoch auch Umstände zum Tragen kommen, die es den dortigen Ländern leichter machen, die Corona-Pandemie ohne größeren Schaden zu überstehen. Zum einen sind nur drei Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre, während das Medianalter aller Länder des Kontinents insgesamt nicht höher als 20 Jahre liegt.

Jüngere Menschen verfügen jedoch üblicherweise über ein Immunsystem, das so stark ist, dass es eine Infektion mit SARS-CoV-2 mehr oder minder unbeschadet überstehen könnte. Zudem könnten gerade die schwierigen hygienischen Verhältnisse, die häufig in afrikanischen Ländern anzutreffen sind, auch eine stärkere Herdenimmunität hervorgerufen haben. Die Bevölkerungen könnten, weil sie Bakterien und Viren häufiger und regelmäßiger ausgesetzt sind, insgesamt intaktere Abwehrkräfte dagegen entwickelt haben, sodass es auch das Virus aus China schwerer hat, seine zerstörerische Wirkung zu entfalten.

Viele Staaten haben schon prophylaktisch Maßnahmen veranlasst

Wo es bereits Erfahrungen mit Seuchen wie Ebola gibt, wie in Uganda oder Tansania, könnten sich diese ebenfalls im Kampf gegen das Coronavirus bezahlt machen. Auch sollen einigen Wissenschaftlern zufolge höhere Temperaturen der Epidemie entgegenwirken können – auch wenn es dazu in der Fachwelt auch Gegenmeinungen gibt.

Immerhin haben sich mehrere afrikanische Staaten schon jetzt auf einen möglichen Einfall der Seuche in ihre Städte und Gemeinden vorbereitet. Bis dato verfügen 40 Staaten über Möglichkeiten, Menschen auf SARS-CoV-2 zu testen. Für Einreisende aus Risikogebieten, zu denen auch EU-Staaten wie Deutschland, Frankreich, Italien oder Spanien zählen, gibt es Einreisesperren – oder die Option, sich in Quarantäne zu Hause oder in Krankenstationen zu begeben.

Ruanda hat nach dem Auftreten des ersten COVID-19-Falles alle Schulen, Kirchen und Universitäten geschlossen und an Straßen und Haltestellen Becken zum Händewaschen eingerichtet. In Uganda werden alle einreisenden Passagiere mit Sprays desinfiziert. Der Senegal sagt die Feiern zum Unabhängigkeitstag ab, andere Länder sperren ebenfalls Schulen, schließen öffentliche Einrichtungen oder streichen Flüge. Äthiopien erhöht den Takt seiner öffentlichen Verkehrsmittel, um Menschenansammlungen entgegenzuwirken. Krankenhäuser versuchen, Infizierte, bei denen ein leichter Verlauf zu erwarten ist, von solchen mit höherem Risiko zu trennen.

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