Flüchtlinge und Migranten versuchen eine Polizeibarrikade niederzureißen, weil sie von der türkischen Polizei daran gehindert werden in Richtung Edirne in Istanbul gehen.Foto: OZAN KOSE/AFP/Getty Images

Flüchtlingskrise: Gigantischen Containerstädte in Nordsyrien oder Flüchtlingsflutwelle aus der Türkei

Epoch Times28. September 2015 Aktualisiert: 28. September 2015 13:19
Ministerpräsident Ahmet Davutoglu: Türkei könnte drei Containerstädte für jeweils 300.000 Einwohner in einer syrischen Schutzzone bauen, wenn die EU das bezahlt. EU versucht auszuweichen, lieber die Türkei finanziell unterstützen. Ankara weiterhin unter Druck von Opposition und Bevölkerung

Der türkische Ministerpräsident Ahmed Davutoglu bot heute vor den Vereinten Nationen in New York an, dass die Türkei in einer syrischen Schutzzone im Norden Syriens drei gigantische Containerstädte für jeweils 300.000 Einwohner bauen könnte. Voraussetzung dafür sei aber, dass das Projekt von der EU bezahlt werde. Wie die "Zeit" heute meldete, habe die Türkei schon einige Erfahrung mit Containersiedlungen gesammelt, als vor vier Jahren ein großes Erdbeben in der Osttürkei wütete.

IS-freie nordsyrische Sicherheitszone umstritten

Um das zu verwirklichen, muss zuerst eine Schutzzone in Syrien errichtet werden. 100 Kilometer breit soll der Schutzstreifen entlang der nördlichen Grenze des Landes sein. Aus diesem Gebiet muss dann die Terrormiliz des IS vertrieben werden. Die Kontrolle soll dann gemäßigten Rebellengruppen übergeben werden, um eine Rückkehr vertriebener Syrer zu ermöglichen. Das türkische Projekt stößt derzeit noch auf wenig Zustimmung, da es zum einen die Souveränität Syriens verletze, zum anderen werden türkische Hintergedanken hinsichtlich der Verhinderung eines nordsyrischen Kurdenstaates vermutet.

Die EU tendieren momentan eher dazu, die Türkei mit einer Milliarde Euro in der Flüchtlingskrise zu unterstützen, um den Flüchtlingen im Land eine bessere Bleibealternative zu bieten. Das wiederum schmeckt Ministerpräsident Davutoglu nicht. Er wirft Brüssel vor, dass es sich hierbei um Gelder aus Mitteln handeln würde, die eigentlich für den Beitrittsprozess der Türkei in die EU vorgesehen wären, was er ablehne, so die "Zeit". Außerdem ändert das an der Anzahl der Flüchtlinge in der Türkei nichts…

Wohncontainer in Berlin-Köpenick, ob die türkischen Modelle ähnlich aussehen werden, bleibt offenWohncontainer in Berlin-Köpenick, ob die türkischen Modelle ähnlich aussehen werden, bleibt offenFoto: AXEL SCHMIDT/AFP/Getty Images

Lage: aussichtslos – Ziel: Westeuropa

Die Lage der Flüchtlinge in der Türkei ist nahezu hoffnungslos. Derzeit leben rund zwei Millionen Flüchtlinge in der Türkei, diese Zahlen sind sicher. Vermutet werden allerdings vier Millionen und zwar so stark vermutet, dass sie in einem internen Geheimdienstpapier des österreichischen Innenministeriums aufgetaucht sind. Doch sie wollen nicht länger hier bleiben…

Die Lager sind zu 90 Prozent katastrophal, nur wenige an der Südgrenze der Türkei werden gut geführt und in den Städten leben sie in Armut, ohne Arbeitserlaubnis und nahezu in Rechtlosigkeit, eine Integration ist kaum möglich und auch kaum noch gewollt. Die Bevölkerung hat nach jahrelangem Flüchtlingssturm genug, was sich auch in den Stimmen der Oppositionsparteien heraushören lässt und im November sind Parlamentswahlen. Präsident Erdogan und sein Regierungschef Ahmet Davutoglu stehen unter großem Druck. Sie werden die Flüchtlinge ziehen lassen, offiziell oder inoffiziell…

Drei Staubecken zum überlaufen voll

Diese drei Staaten, Türkei (ca. 2-4 Millionen Flüchtlinge auf 79 Millionen Einwohner), Jordanien (ca. 1,2 Mio Flüchtlinge auf 6,7 Millionen Einwohner) und Libanon (ca. 1,2 Millionen Flüchtlinge auf 4,4 Millionen Einwohner), sind die drei großen Staubecken für Flüchtlinge. Der Libanon fördert sogar von Regierungsseite aus die Ausreise der Flüchtlinge in die Türkei. Doch hier ist keineswegs das Ende der Reise. 

Transitstrecke Istanbul – Westeuropa

Vor einigen Tagen berichtete die FAZ von einem befragten Syrer im jordanischen Amman. Dort werden monatlich 10.000 Pässe an syrische Flüchtlinge ausgegeben, damit diese legal in die Türkei reisen können. Der Mann erzählte dem Reporter einer Nachrichtenagentur seinen Plan: „Sobald ich den Pass habe, fliege ich in die Türkei.“ Von Istanbul aus werde er sich weiter nach Deutschland durchschlagen, wo Verwandte von ihm Asyl gefunden hätten. Aus dem Libanon werde Ähnliches berichtet, so das Blatt. Hier in Istanbul kann jeder einen syrischen Pass kaufen, wenn er noch keinen hat, oder einen anderen… (sm)


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