Altus Matthias RexrothFoto: Johannes Ifkovits

Altus Matthias Rexroth gibt Liederabend in seiner Heimatstadt Coburg

Von 3. Juli 2013 Aktualisiert: 3. Juli 2013 7:29

„Wonne der Wehmut“ war die Überschrift des Liederabends, den Altus Matthias Rexroth am Montag, dem 24. Juni in Coburg gab. Der Sänger, der international zu den besten Barock-Interpreten zählt, nutzte den Auftritt in seiner oberfränkischen Heimatstadt zu einem Ausflug ins romantische Repertoire und traf damit beim Publikum ins Schwarze.

Der Verein der Musikfreunde e.V. veranstaltete das Konzert im Kongresshaus am Rosengarten. Unbekannte Perlen des Schumann-Zeitgenossen Robert Franz trafen auf berühmte Lieder von Richard Strauss. Außerdem gab es eine Uraufführung des Coburger Komponisten Gerhard Deutschmann. „Herbstbilder“ heißt das Opus 214 des musikalischen Lokalmatadors, in dem er drei Lieblingsgedichte des Sängers für ihn vertonte. „Der Mann für gewisse Töne“, den wir bereits ausführlich portraitierten, traf diesmal auf einen kleinen, aber dankbaren Zuhörerkreis. Und typisch für ihn – er begann den Abend mit unbekannten Ausgrabungen.

Josef Haydns „Original Canzonettas“ in englischer Sprache entstanden 1794/95 und stellen an den Sänger Anforderungen einer Miniaturoper, will man ihrem Ausdrucksreichtum gerecht werden.

Matthias Rexroth und sein Klavierbegleiter Matteo Pais machten daraus einen fulminanten Beginn, was Prägnanz, Geschwindigkeit und Textverständlichkeit betraf – mit zwei Liebesliedern und einem stürmisch-fröhlichen Seemanns-Lied. In „The Spirit´s Song“, wo erst in unheimlichen und später versöhnlichen Tönen der Tod und das Danach besungen wird, erlebte man Rexroths Stimme in ihrem ganzen Tonumfang – aufsteigend vom kraftvollen, dunklen Brustregister der kleinen Oktave bis in leuchtende, zweigestrichene Höhen. Das Lied ging einerseits unter die Haut und zeigte andererseits exemplarisch die Gesangstechnik eines Altus, der Brust- und Kopfstimme verbindet, was großes Klangvolumen ermöglicht – im Gegensatz zum spröderen Klang eines klassischen Countertenors, der vibratolos und nur im Falsett singt.

Matthias Rexroth präsentierte eine Stimme, für die das Wort „Helden-Alt“ erfunden werden sollte: Kraftvoll expandierende Lautstärken aus zartem Pianissimo heraus, großzügig fließende Phrasen, wechselnde Farben und Ausdrucksnuancen, schauspielerische Wortbehandlung – und dazu Pathos, das nie gekünstelt wirkt.

Und doch war es weit mehr, als die vokale Show eines Sängers, der in allen Lagen zu absolut allem fähig ist: Speziell bei den Liedern des Schumann-Zeitgenossen Robert Franz (1815-1892) erlebte man Rexroth und seinen Begleiter Matteo Pais als zwei Künstler, die kompromisslos und tiefempfunden miteinander und mit dem Publikum kommunizierten: In einer Perlenkette aus pointierten, ein- bis zweiminütigen Stücken, deren Vortrag riskant ist, weil hier Singstimme und Klavier oft gleichzeitig einsetzen.

Gemeinsam erreichten sie eine bis in die Details perfekte und hochspannende Interpretation, inhaltliche Wendungen und Schockmomente inbegriffen. Der einzige Wehrmutstropfen des Abends war dem Coburger Kongresshaus als Mehrzweckräumlichkeit geschuldet: Zustand und Stimmung des Steinways verursachten einen dumpfen, wummernden Klang, der viele Facetten verschluckte, was Pianist Matteo Pais die Arbeit erschwerte. Als Nothalt für den an Bühnenaktion gewöhnten Sänger leistete der Flügel jedoch gute Dienste, egal ob dieser als tragisch liebender Schwärmer oder süffisanter Schlingel durchs Wechselbad der Gefühle ging …

Kontemplativ gelangen die Deutschmann-Lieder von 2011 nach Texten von Friedrich Hebbel, Georg Trakl und Rainer Maria Rilke, aus deren nüchterner Klangsprache und Schlichtheit

die beiden Interpreten intensive Atmosphären entwickelten, die dem übrigen Programm an innerer Qualität in nichts nachstanden. Sechs Lieder von Richard Strauss, darunter „Die Zeitlose“ und die „Heimliche Aufforderung“ schlossen den leidenschaftlichen Abend ab. Das Publikum reagierte begeistert.

Neben der Wiederholung eines uraufgeführten „Herbstbildes“ erklangen zwei Klassiker als Zugabe, die Rexroth von einer dicken Schicht Klischees befreite und mit geradezu ursprünglicher Frische vortrug. Es waren die „Zueignung“ von Richard Strauss (die der Notation getreu in andächtigem Piano begann, bevor sie sich zum Hymnus steigerte) und „Guten Abend, gut´ Nacht“ von Johannes Brahms, dass unvergleichlich lieblich und leise erklang.

Weitere Auftritte von Matthias Rexroth und Matteo Pais mit dem Liederabend „Wonne der Wehmut“ sind für 2014 in Stuttgart, Wien und London in Planung.



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