Iraner versammeln sich am 9. April 2019 in der Stadt Susangerd in der iranischen Provinz Khuzestan, um Lebensmittel aus einem Hubschrauber des Roten Halbmonds zu erhalten.Foto: ATTA KENARE / AFP über Getty Images

Teheran in Angst: Mehrere Demonstranten durch Sicherheitskräfte getötet

Epoch Times23. Juli 2021 Aktualisiert: 23. Juli 2021 13:57

Menschenrechtsorganisationen haben „unrechtmäßige Gewalt “ gegen Demonstranten im Iran angeprangert. Bei den Demonstrationen gegen die Wasserknappheit im Südwesten des Landes hätten Sicherheitskräfte mit „scharfer Munition und Schrotflinten“ die „meist friedlichen Proteste“ in der Provinz Chuzestan zerschlagen, erklärte Amnesty International am Freitag.

Die Organisation bestätigte den Tod von mindestens acht Demonstranten oder Schaulustigen, darunter auch ein Jugendlicher. Derweil meldete das staatliche iranische Fernsehen am Freitag einen weiteren Toten in der Nachbarprovinz Lorestan.

Eine Analyse von Videoaufnahmen der Proteste und Augenzeugenberichten deutet laut Amnesty darauf hin, dass die Sicherheitskräfte tödliche Waffen und Tränengas gegen die Menschen einsetzten. „Irans Behörden haben eine erschütternde Erfolgsbilanz beim Einsatz von unrechtmäßiger tödlicher Gewalt“, sagte die stellvertretende Amnesty-Direktorin für den Nahen Osten und Nordafrika, Diana Eltahawy.

Auch die Organisation Human Rights (HRW) Watch prangerte am Freitag die „exzessive Gewalt gegen Demonstranten“ an und forderte die iranische Regierung auf, die gemeldeten Todesfälle „transparent zu untersuchen“. Zudem habe es Berichte über Internetsperren in der Region gegeben. In den vergangenen drei Jahren hätten „Behörden den Zugang zu Informationen während der Proteste häufig eingeschränkt“, kritisierte HRW.

Proteste wegen Wasserknappheit niedergeschlagen

Derweil meldete das staatliche Fernsehen auf seiner Webseite Iribnews ein weiteres Todesopfer bei Protesten in der benachbarten Provinz Lordestan. Zwei weitere Menschen seien am Donnerstagabend durch Schüsse verletzt worden. In mehreren Städten der Provinz seien „unter dem Vorwand von Wasserproblemen in Chuzestan“ ebenfalls Proteste entbrannt, hieß es von staatlicher Seite aus.

Seit der vergangenen Woche gibt es in mehreren Städten im Südwesten des Iran Proteste gegen die von einer anhaltenden Dürre verschärfte Wasserknappheit. Die iranischen Behörden machen Randalierer für die Unruhen verantwortlich.

Die staatliche Nachrichtenagentur Fars veröffentlichte Interviews mit Angehörigen von zwei getöteten Demonstranten, die sich von den Aktivitäten der Demonstranten distanzierten. Nach Angaben von Amnesty wurde eine betroffene Familie von iranischen Agenten zu der Aussage gezwungen.

Die Angst der Regierung vor der Ausweitung der Proteste ist groß, berichtet die „Deutsche Welle“. Zusätzliche Sicherheitskräfte würden nach Chusestan geschickt, zitiert sie Journalisten vor Ort.

Provinz Chuzestan war früher die Kornkammer der Region

Seit Jahren erlebt die Provinz Chuzestan immer wieder heftige Dürren, welche die einst fruchtbaren Ebenen der Region austrocknen lassen.

In historischer Zeit während die Elamiter, Babylonier und Meder das Gebiet beherrschten war Chuzestan durch hochentwickelte Bewässerungsanlagen erschlossen und galt bis zur Arabisierung im 7. Jahrhundert als Kornkammer Mesopotamiens und Persiens.

Jetzt befinden sich dort die größten Wasserkraftwerke und Staudämme Irans am Fluss Karun in der Nähe der Stadt Masdsched Soleyman. Staudämme sind durch ihren tiefen Eingriff in den natürlichen Wasserkreislauf oftmals die Ursache für nicht natürliche Dürreperioden. Sie werden zur Stromproduktion genutzt.

Nach offiziellen Angaben hat der Iran in den letzten 40 Jahren die Zahl seiner Staudämme in etwa verzehnfacht, auf inzwischen 192, berichtet die „Deutsche Welle“.

Ihr gegenüber erklärte der Umweltexperte Nik Kowsar: „Das Problem der Wasserknappheit und ihre Bedrohung für die nationale Sicherheit ist seit mehr als 30 Jahren bekannt“.  Er beschäftigt sich seit Jahren mit dem Wassermanagement im Iran und die Pläne der Regierung für die Förderung des Wirtschaftswachstums durch den Bau von Staudämmen.

„Zu viel Wasser verdunstet in den Stauseen“

„Die Regierung sucht nach schnellen Lösungen, die kurzfristig Erfolge versprechen. Kritische Stimmen sind nicht erwünscht und werden ignoriert. Zum Beispiel, dass man in einem trocknen Land wie dem Iran grundsätzlich keine großen Staudämme bauen sollte, weil zu viel Wasser der Stauseen verdunstet.“ (afp/er)



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