Anne Hidalgo.Foto: THOMAS SAMSON/AFP via Getty Images

Anne Hidalgo will Frankreichs erste Präsidentin werden

Epoch Times15. Oktober 2021 Aktualisiert: 15. Oktober 2021 8:11

„Eine französische Frau“ heißt das jüngste Buch der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo. Tatsächlich ist der Titel aber nur die halbe Wahrheit, denn Hidalgo ist nicht nur Französin, sondern auch Spanierin. Sollte die Sozialistin die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr gewinnen, wäre sie nicht nur die erste Frau an der Spitze des Staates, sondern auch die erste Präsidentin Frankreichs mit doppelter Staatsangehörigkeit.

Obwohl Hidalgo sich von ihrer Partei recht weit entfernt hat, kam sie nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen in der internen Vorwahl auf mehr als 72 Prozent und wurde damit die offizielle Kandidatin der sozialistischen Partei (PS). Einziger Gegenkandidat war der Bürgermeister von Le Mans, Stéphane Foll.

Allerdings sieht es derzeit nicht danach aus, als habe die 62-Jährige eine Chance. In Umfragen kommt sie nur auf einstellige Zustimmungswerte. Aber sie verweist gelassen darauf, dass die Umfragen sie bei der Kommunalwahl im März ja auch vorab zur Verliererin erklärt hatten.

Im Wahlkampf um das Pariser Rathaus hatte Hidalgo auf das Logo ihrer Partei verzichtet. Als Bürgermeisterin der Hauptstadt machte sie von Beginn an tiefgrüne Politik.

Kritiker: besserwisserisch und beratungsresistent

Schon im Schatten ihres Vorgängers Bertrand Delanoë hatte Hidalgo sich dafür eingesetzt, die Seine-Ufer für den Autoverkehr zu sperren. Einmal im Amt hat sie dies weiter verfolgt und zudem die Radwege massiv ausgebaut.

Die Pandemie hat ihre Pläne geradezu beflügelt: Die Ost-West-Achse Rue de Rivoli mit bis zu fünf Autospuren ist heute ein extrabreiter Fahrradweg. Zahlreiche Parkplätze wurden zu Straßencafés, es gilt fast überall Tempo 30.

„Sie kümmert sich überhaupt nicht um die Menschen aus den Vorstädten“, sagt François Delétraz, Autor einer Schmähschrift gegen Hidalgo. Handwerker kämen nicht mehr zu ihren Kunden, und die Luftverschmutzung habe sich lediglich an andere Orte verlagert, erklärt er.

Mitarbeiter beschwerten sich teils, dass Hidalgo besserwisserisch und beratungsresistent sei. „Sie beginnt Sitzungen mit den Worten: ‚Ich habe Folgendes entschieden‘, anstatt Diskussionen zuzulassen“, sagt Delétraz. Ende vergangenen Jahres war die Stadt laut „Le Monde“ mit gut sieben Milliarden Euro verschuldet.

In den vergangenen Monaten war Hidalgo viel im Land unterwegs, um Vorwürfe auszuräumen, sie schaue nicht über den Pariser Tellerrand hinaus. Inoffizielle Wahlkampfhilfe bekam sie auch von ihrem Sohn Arthur, der medienwirksam die komplette Seine hinunterschwamm, um auf deren Gefährdung aufmerksam zu machen. Hidalgo hatte angekündigt, dass die Seine pünktlich zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris sauber genug zum Baden sei.

Das Pariser Rathaus hatte bereits einem ihrer Vorgänger als Sprungbrett in den Elysée-Palast gedient, dem Konservativen Jacques Chirac, der es 1995 im dritten Anlauf schaffte. Allerdings war Chirac auf dem Land, im Département Corrèze, gut verwurzelt.

Faure: „Man rollt uns sicher keinen roten Teppich aus“

Hidalgo hingegen hat sich als Tochter spanischer Einwanderer hochgearbeitet. Sie kam im Alter von zwei Jahren mit ihrer Familie nach Lyon und wuchs dort in bescheidenen Verhältnissen auf. Ihre Eltern wollten dem Spanien des Diktators Francisco Franco den Rücken kehren.

In Hidalgos Amtszeit als Bürgermeisterin von Paris fielen die Anschläge auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“, auf den Konzertsaal Bataclan und die Straßencafés. Auf der Pariser Klimakonferenz 2015 verpflichtete sie sich mit Bürgermeistern anderer Metropolen zu verstärktem Klimaschutz.

Der Parteichef der Sozialisten, Olivier Faure, traut Hidalgo trotz ihrer Parteiferne einiges zu. „Man rollt uns sicher keinen roten Teppich aus, aber da kann noch einiges passieren“, erklärte er.

Manche Grüne hoffen bereits darauf, dass Hidalgo ihre Kandidatur zugunsten ihres Kandidaten Yannick Jadot zurückzieht. Er steht in den Umfragen leicht besser da – und hatte 2017 selber seine Kandidatur aufgegeben und den PS-Kandidaten Benoît Hamon unterstützt. (afp/oz)



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