Armenien und Aserbaidschan kämpfen um Berg-Karabach – Maas besorgt über militärische Zusammenstöße

Epoch Times27. September 2020 Aktualisiert: 27. September 2020 17:47
Nach Bombenangriffen der aserbaidschanischen Armee auf die Region Berg-Karabach haben die pro-armenischen Rebellen in der Region das Kriegsrecht verhängt und die Generalmobilmachung verkündet.

Außenminister Heiko Maas (SPD) hat sich besorgt über die jüngsten Zusammenstöße zwischen Armenien und Aserbaidschan geäußert. „Die Nachrichten über erneute, massive Auseinandersetzungen zwischen Armenien und Aserbaidschan entlang der gesamten Konfliktlinien alarmieren mich“, sagte Maas am Sonntag. Es gebe bereits Berichte über zivile Opfer auf beiden Seiten.

„Ich rufe beide Konfliktparteien dazu auf, sämtliche Kampfhandlungen und insbesondere den Beschuss von Dörfern und Städten umgehend einzustellen“, so Maas. Der Konflikt um die Region Bergkarabach könne nur auf dem Verhandlungsweg gelöst werden.

Die OSZE-Minsk-Gruppe mit ihren drei Ko-Vorsitzenden stehe dafür bereit. „Armenien und Aserbaidschan müssen die gewaltsamen Handlungen sofort beenden und den Weg zu substantiellen Verhandlungen begehen“, forderte der Außenminister. Bergkarabach ist eine mehrheitlich von Armeniern bewohnte Region im Südosten des Kleinen Kaukasus, welche zwischen Armenien und Aserbaidschan umstritten ist. Nach schweren Gefechten hatte sich der Konflikt zuletzt wieder zugespitzt. Armenien verhängte am Sonntag das Kriegsrecht. Auch Aserbaidschan verhängte danach das Kriegsrecht.

„Das Kriegsrecht tritt um Mitternacht in Kraft“, erklärte Präsidentensprecher Hikmet Hadschijew am Sonntagabend in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku. Außerdem wurde nach seinen Angaben für mehrere große Städte, darunter Baku, sowie Gebiete in der Nähe der Frontlinie in Berg-Karabach eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.

Ein Video auf Twitter soll syrische Söldner (Milizen der syrischen Nationalarmee), zeigen die von Ankara nach Aserbaidschan unterwegs sind, um dort die schiitische aserbaidschanische Armee zu unterstützen.

Regierungsarmee und pro-armenische Rebellen liefern sich heftige Kämpfe

In Aserbaidschans Unruheregion Berg-Karabach liefern sich Regierungsarmee und pro-armenische Rebellen heftige Kämpfe. Dabei habe die aserbaidschanische Armee „schwere Verluste“ erlitten, meldeten die Rebellen am Sonntagmorgen. Das armenische Verteidigungsministerium, das die Rebellen unterstützt, meldete den Abschuss zweier aserbaidschanischer Militärhubschrauber sowie von drei Drohnen.

Zuvor habe die aserbaidschanische Armee die mehrheitlich von Armeniern bewohnte Region Berg-Karabach am frühen Sonntagmorgen bombardiert, erklärten die Rebellen. Dabei seien auch Ziele in der Regionalhauptstadt Stepanakert angegriffen worden. Nach Angaben beider Seiten wurden bei den Kämpfen auch Zivilisten getötet.

Gegen Mittag verkündete Aserbaidschans Regierung erste militärische Erfolge: „Wir haben sechs Dörfer befreit, fünf im Bezirk Fisuli, eines im Bezirk Dschebrail“, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums zu AFP.

Türkei sichert Aserbaidschan in Berg-Karabach volle Unterstützung zu

Die Türkei hat Aserbaidschan  seine volle Unterstützung zugesichert. „Wir werden unsere aserbaidschanischen Brüder mit allen unseren Mitteln in ihrem Kampf zum Schutz ihrer territorialen Integrität unterstützen“, erklärte der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar am Sonntag. Armenien warf er vor, mit seiner „Aggression“ Frieden und Stabilität im Kaukasus zu bedrohen.

Ein Sprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verurteilte die Kampfhandlungen in Berg-Karabach „aufs Schärfste“. Armenien habe „erneut gegen das Völkerrecht verstoßen“, erklärte er auf Twitter. Die internationale Gemeinschaft müsse dieser „gefährlichen Provokation“ entgegentreten. „Aserbaidschan ist nicht allein, es hat die volle Unterstützung der Türkei.“

Armee begann „Gegenoffensive“

Aserbaidschans Verteidigungsministerium erklärte, die Armee habe eine „Gegenoffensive“ gestartet, „um Armeniens militärische Aktivitäten zu stoppen und die Sicherheit der Bevölkerung zu schützen“. Das Ministerium sprach von einem abgeschossenen Hubschrauber.

„Lasst uns fest zu unserem Staat und unserer Armee stehen, und wir werden siegen. Lang lebe die ruhmreiche armenische Armee“, schrieb Armeniens Ministerpräsident Nikol Paschinjan auf Facebook.

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EU und Frankreich fordern Ende der Kämpfe

Die Europäische Union hat ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen in der Unruheregion Berg-Karabach gefordert. EU-Ratspräsident Charles Michel erklärte am Sonntag, die Konfliktparteien müssten „umgehend an den Verhandlungstisch zurückkehren“. Die Informationen über die jüngsten Kampfhandlungen seien Anlass zu „größter Besorgnis“.

Auch Frankreich reagierte mit „großer Sorge“ und rief zum Dialog auf. Das Außenministerium in Paris erklärte, Frankreich sei gemeinsam mit seinen Partnern Russland und den USA bereit, zu einer Verhandlungslösung in dem Konflikt beizutragen.

Aserbaidschan will Armenier unter Kontrolle bringen

Die beiden Kaukasus-Staaten Armenien und Aserbaidschan befinden sich seit fast 30 Jahren in einem Konflikt um die Kontrolle über die Region Berg-Karabach. Das mehrheitlich von Armeniern bewohnte Berg-Karabach war zu Sowjetzeiten Aserbaidschan zugeschlagen worden. Pro-armenische Rebellen brachten das Gebiet nach Kämpfen mit rund 30.000 Todesopfern Anfang der 90er Jahre unter ihre Kontrolle.

1991 rief Berg-Karabach seine Unabhängigkeit aus; international wird das Gebiet jedoch bis heute nicht als eigenständiger Staat anerkannt. Aserbaidschan will die Region wieder vollständig unter seine Gewalt bringen, notfalls mit Gewalt.

In den vergangenen Wochen war der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan erneut aufgeflammt. Beide Seiten warfen sich gegenseitig vor, Dörfer im Grenzgebiet angegriffen zu haben. Zuletzt hatte es im April 2016 heftige Kämpfe zwischen Armenien und Aserbaidschan um Berg-Karabach gegeben. Dabei starben mehr als hundert Menschen. 2010 war die bislang letzte große Initiative für einen Frieden zwischen Eriwan und Baku gescheitert. (afp/dts)