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Al-Scharaa hofft auf Milliarden Dollar Aufbauhilfe

Besuch im Weißen Haus: Trump empfängt Syriens Übergangspräsidenten

Am Montag besucht der syrische Übergangspräsident Washington und trifft sich mit US-Präsident Trump. Verhandelt wird Syriens Beitritt zur Koalition zum Kampf gegen die Dschihadistenmiliz und ein US-Militärstützpunkt in der Nähe der syrischen Hauptstadt. Auch Bundeskanzler Merz hat den syrischen Interimspräsident eingeladen.

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Syrische Bauarbeiter auf einem Traktor am 29. Oktober 2025 in Daraya, einem Vorort von Damaskus.

Foto: Louai Beshara/AFP via Getty Images

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Lesedauer: 4 Min.

Der syrische Interimspräsident Ahmed al-Scharaa wird am Montag von US-Präsident Donald Trump zu einem Besuch im Weißen Haus empfangen. Dafür wurde im Vorfeld der Weg geebnet.
Gestern, am 7. November, strich die US-Regierung den früheren Dschihadisten von ihrer Terrorliste, einen Tag zuvor stimmte der UN-Sicherheitsrat auf Initiative der USA für die Aufhebung der Sanktionen gegen al-Scharaa. Dem Besuch des bislang auf der US-Liste als „besonders hervorgehobener globaler Terrorist“ geführten Übergangspräsidenten steht damit nichts mehr im Wege.

Koalition gegen Dschihadistenmiliz

Beide Seiten verknüpfen Hoffnungen mit dem Treffen. Nach Angaben des US-Syriengesandten Tom Barrack soll der frühere Dschihadist ein Abkommen über Syriens Beitritt zur US-geführten internationalen Koalition zum Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat unterzeichnen.
Zudem planen die USA nach Diplomatenangaben die Errichtung eines Militärstützpunkts in der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus.
Al-Scharaa wiederum dürfte sich neben dem Prestigegewinn durch den ersten Empfang eines syrischen Staatschefs im Weißen Haus in der Geschichte des modernen Syrien vor allem finanzielle Zusagen für den Wiederaufbau seines vom jahrelangen Bürgerkrieg zerstörten Landes erhoffen.

Al-Scharaa hofft auf Milliarden Dollar Aufbauhilfe

Der Besuch leite „ein neues Kapitel der amerikanischen Nahost-Politik“ ein, sagt der Politikwissenschaftler Nick Heras vom New Lines-Institut für Strategie und Politik. „Trump holt al-Scharaa ins Weiße Haus, um zu zeigen, dass er kein Terrorist mehr ist, sondern ein pragmatischer und vor allem flexibler Staatschef, der Syrien unter US- und saudiarabischer Führung zu einem strategischen Stützpfeiler in der Region machen wird.“
Al-Scharaa für seinen Teil hoffe auf den Segen des US-Präsidenten für die Freigabe „von Milliarden von Dollar, um Syrien wieder aufzubauen und seine Kontrolle über das Land zu festigen“, sagt Heras. Die Weltbank beziffert die Kosten für den Wiederaufbau des durch 13 Jahre Bürgerkrieg zerstörten Landes auf umgerechnet rund 187 Milliarden Euro.
Im Zuge der Annäherung zwischen Washington und Damaskus nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Baschar al-Assad hatte Trump bereits im Juni die US-Sanktionen gegen Syrien aufgehoben. Assad war Anfang Dezember vergangenen Jahres von al-Scharaas HTS-Miliz und mit ihr verbündeten Gruppen gestürzt worden.
Die HTS ist ein früherer Zweig von Al-Kaida, hatte sich jedoch bereits vor Jahren von dem Terrornetzwerk losgesagt. Seit seinem Amtsantritt bemüht sich al-Scharaa um ein moderateres Image.

Direkte Verhandlungen Syrien – Israel

Bei dem Treffen im Weißen Haus soll es auch um die von Syrien aufgenommenen direkten Verhandlungen mit Israel gehen. Trump hatte al-Scharaa im Mai aufgefordert, sich den Abraham-Abkommen anzuschließen, in deren Rahmen mehrere arabische Länder Israel diplomatisch anerkannt haben.
Der syrische Übergangspräsident fordert jedoch zuvor den Rückzug israelischer Truppen aus dem Süden Syriens sowie ein Ende der Angriffe, die Israel seit Assads Sturz immer wieder gegen sein Land führt.

Einladung nach Deutschland

In weniger als einem Jahr ist es al-Scharaa gelungen, Syrien aus der internationalen Isolation zu führen. In Deutschland wird seit Assads Sturz vor bald einem Jahr vor allem über die Rückkehr geflüchteter Syrer in ihre Heimat diskutiert.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verkündete vor wenigen Tagen, er habe al-Scharaa „nach Deutschland eingeladen, um mit ihm darüber zu sprechen, wie wir das gemeinsam lösen können“.
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hatte sich zuvor bei einem Besuch in Syrien zurückhaltend über eine mögliche Rückkehr syrischer Flüchtlinge aus Deutschland geäußert. Diese sei angesichts der schweren Zerstörungen in Syrien „zum jetzigen Zeitpunkt nur sehr eingeschränkt möglich“. (afp/red)

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