Politiker auf den Nebenstraßen von Paris am 11.01.2015Foto: Twitter/Screenshot

Bilder der Politiker vom „Charlie Hebdo“-Gedenkmarsch in Paris entstanden auf abgesperrter Nebenstraße

Epoch Times13. Januar 2015 Aktualisiert: 13. Januar 2015 15:43

Was wie eine größere Solidaritätskundgebung von Staatschefs aus aller Welt mit den Opfern des Anschlags auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ und dem jüdischen Supermarkt aussah, als am Sonntag die Politiker verschiedenster Richtungen Arm in Arm in Paris aufmarschierten, war in den Direktübertragungen – jedenfalls im deutschen Fernsehen – deutlich erkennbar als Inszenierung für ein Foto. Sie gingen beileibe nicht an der Spitze der Menschenmassen, was unter dem Sicherheitsaspekt verständlich ist.

Aber in den Social Media und einigen Medien schwappt die Empörung hoch. Warum? Man fühlt sich getäuscht, dass die Staats- und Regierungschefs nicht wirklich an der Spitze der Millionen Trauernden durch Paris zogen, sondern schnell wieder ihre Limousinen bestiegen und abreisten. Aber die Bilder gingen um die Welt, die einen anderen Eindruck erweckten.  

Durch die Fotos wurde der Eindruck vermittelt, dass die Politiker ein Teil der großen Menschenmenge waren. Aber die Spitzenpolitiker hatten sich nicht dort versammelt, wo die Bevölkerung demonstrierte, sondern in einer einsamen Nebenstraße. Dies berichteten nun mehrere Medien, wie „The Independent“ und der "Spiegel".  „Le Monde" berichtete, dass nur der französische Präsident François Hollande und Premier Manuel Valls nach dem Foto-Termin noch die Überlebenden des „Charlie Hebdo“-Attentats besuchten.

Da tauchen Fragen auf, ob das Ganze nur eine teure Heuchelei gewesen sei.

Der US-Politologe und Uni-Professor Ian Bremmer twitterte: „Eine solche Inszenierung schafft mehrere Probleme: Sie nährt echte Verschwörungstheorien, in denen behauptet wird, die ganze politische Welt sei ein Fake. Die Inszenierung wird das Vorurteil nähren, dass die Medien nicht „die Wahrheit” erzählen. Jeder kann verstehen, dass Politiker nicht in einer Menschen-Masse untertauchen können. Aber man muss es den Lesern und Zusehern mitteilen.“

Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten sehen weitere Probleme bei dieser Inszenierung:

„Gibt es heute nicht Möglichkeiten, wie man seine Solidarität mit den Opfern von Terror und Gewalt zeigen kann, ohne dass Unsummen an Steuergeldern verschwendet werden? Wozu müssen dutzende Staatschefs inklusive Entourage und Sicherheitspersonal nach Paris fliegen, wenn sie die Stadt nur als Kulisse verwenden? Das Spektakel hat sicher einige Millionen gekostet, die von den Steuerzahlern wieder irgendwo verdient werden müssen.

Und schließlich bleibt die Kernfrage: Wo verlaufen die Grenzen zwischen Politik und Schauspiel? Es ist unstrittig, dass Politik auch Rituale braucht. Problematisch wird es, wenn die Medien und Bürger zur Inszenierung dieser Rituale an der Nase herumgeführt werden: Sie werden fortan an jeder Politiker-Aussage zweifeln. Und dann kann es der Politik so gehen wie dem verzweifelten Clown, dem auch keiner glauben will, dass das Zirkus-Zelt brennt." (so/rls)


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