Brexit lässt Großbritannien in Afrika durchstarten – dies könnte Einwanderungsdruck mindern

Von 18. Januar 2020 Aktualisiert: 17. Januar 2020 16:13
Bis 2050 wird jeder vierte Konsument weltweit aus Afrika kommen. Was die Wirtschaftsbeziehungen anbelangt, haben die USA, Russland, die VR China und die Türkei Europa auf dem südlichen Kontinent abgehängt. Großbritannien will nach dem Brexit dort expandieren.

Ohne die Verpflichtung auf gemeinsame Vorgaben zur Entwicklungs- und Landwirtschaftspolitik bietet der bevorstehende Brexit Großbritannien die Chance, die Beziehungen zum afrikanischen Kontinent auf breiter Ebene zu intensivieren. Dies schreibt der „Telegraph“.

Entwicklungshilfeminister Alok Sharma hat demnach angekündigt, bereits in der kommenden Woche einen Gipfel mit mehreren Führern afrikanischer Staaten in London abzuhalten. Dieser soll der Vorbereitung weitreichender Handels- und Businessvereinbarungen über den gesamten Kontinent hinweg dienen, die nach Vollzug des Brexits zeitnah unterzeichnet werden sollen.

Premierminister Boris Johnson wird am kommenden Montag (20.1.) persönlich den „UK-Africa Investment Summit“ eröffnen und dort die Grußadresse halten. Der Einfluss Londons auf dem südlichen Kontinent war in den vergangenen Jahren deutlich gesunken, während die VR China, die Russische Föderation und auch die Türkei erhebliche Anstrengungen unternommen hatten, dort Fuß zu fassen – nicht immer zum Vorteil der Bevölkerungen selbst, wie die von Peking forcierte Verschuldungspolitik zeigen sollte.

Großer Aufholbedarf gegenüber der Konkurrenz

Wie viel Großbritannien an Terrain verloren hat, zeigt, dass bis dato lediglich 15 afrikanische Staatschefs ihr Kommen für nächste Woche zugesagt haben, darunter der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa. Im Jahr 2017 hingegen reisten 50 der 54 Staatschefs zu einer ähnlichen Veranstaltung nach Washington, D.C., im Jahr 2018 waren die Vertreter von 51 Staaten in Peking anwesend, im Oktober des Vorjahres immerhin 43 in Moskau. Einige davon nahmen später auch noch am „Ambition Africa“-Kongress in Frankreich teil.

Die letzte weitreichende Handlung Großbritanniens liegt mittlerweile fast 20 Jahre zurück, als der damalige Premierminister Tony Blair Truppen schickte, um den Bürgerkrieg in Sierra Leone zu beenden. Frankreich hat demgegenüber in mehrere Regionen Subsahara-Afrikas Militär entsandt, um bei der Bekämpfung islamistischer Aufstände zu helfen.

Die Politik der EU hat sich für die Briten und ihre Afrika-Ambitionen eher als Hemmschuh erwiesen. Brüssel betreibt eine restriktive Einfuhrpolitik gegenüber afrikanischen Produkten, insbesondere zum Schutz der eigenen Landwirtschaft. Gleichzeitig forciert sie Abkommen, die es europäischen Anbietern ermöglichen, dort Restwaren abzusetzen, die wiederum die Entwicklung originärer Strukturen vor Ort schadeten.

Europa sieht Krisen, wo andere ihre Chancen sehen

Der EU scheint es hingegen vordringlicher zu sein, den „Klimaschutz“ in Afrika zu forcieren und Einwanderungsbewegungen aufzuhalten, als tatsächlich Wachstumsperspektiven aufzuzeigen. Und diese gibt es. Minister Sharma will Großbritannien als führende Quelle privater Investitionen und weltweiter Finanzplatz auch dafür ausrichten. Anfang der Woche erklärte er in Kenia:

Ich möchte den Beziehungen zu Wachstumsökonomien einen deutlichen Schub verleihen und wenn man auf Afrika blickt, befinden sich dort jetzt acht der 15 am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt.“

Auch Subsahara-Afrika sei, obwohl immer noch arm, nicht mehr die hoffnungslose Region, als die es noch vor wenigen Jahren galt. Während man in der EU die voraussichtlich noch bis Ende des Jahrtausends ansteigende Bevölkerung in Afrika als Bedrohung wahrnimmt, freut sich London auf Absatzmärkte, wenn bis 2050 ein Viertel aller Konsumenten weltweit aus Afrika kommen wird.

Großbritannien will Schwerpunkt auf privaten Sektor setzen

London werde, so Sharma, wie gewohnt 0,7 Prozent seines Haushaltes in die Entwicklungshilfe investieren. Dabei habe man die Rolle des privaten Sektors in Afrika im Fokus, der am nachhaltigsten zur Entwicklung des Kontinents beitragen könne. Zudem wolle man Mittel für Investitionen in die Infrastruktur bereitstellen.

„Wir wollen, dass diese Länder am Ende auf eigenen Beinen stehen können“, betont Sharma. „Das muss auf dem Wege der wirtschaftlichen Entwicklung geschehen.“

Gelingt es Großbritannien, zum Aufbau eines privaten Sektors in Afrika beizusteuern, der Wohlstand und Lebensqualität in sauberen Städten ermöglicht, würde dies auch den Wanderungsdruck in Richtung Europa verhindern.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.
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